Iliosakralgelenk


Das Kreuzbein-Darmbein-Gelenk

Die gelenkige Verbindung zwischen dem Kreuzbein (Os sacrum) und dem Darmbein (Os ilium), nennt man Kreuzbein-Darmbein-Gelenk  (Iliosakralgelenk/ISG). Das Iliosakralgelenk ist nicht nur das unbekannteste Gelenk unseres Körpers, sondern auch das am wenigsten bewegliche. Um mehr als 5 Grad lässt es sich nicht neigen. Es ist ein straffes Gelenk mit einer engen Gelenkhöhle. Die beiden aneinanderstoßenden Gelenkflächen werden jeweils mit Bändern aus Faserknorpel verbunden. Sie können ausschließlich Normaldruckkräfte übertragen. Die Bänder (Ligamenti) müssen dann alle weiteren Kräfte kompensieren.

Ein Arzt untersucht eine Röntgenaufnahme

Schmerzen, ISG-Blockade, ISG-Syndrom

Etwa jeder dritte Deutsche leidet an Rückenschmerzen. Dabei sind Schmerzen im Bereich des unteren Rückens besonders häufig. In vielen Fällen gehen die Schmerzen vom Iliosakralgelenk (ISG) aus. Rund 60-80% der Bevölkerung erleben einmal im Leben eine ISG-Blockade mit lokalen Muskelverspannungen in der angrenzenden Lendenwirbelsäule (LWS) und im Gesäß. Die daraus resultierenden Schmerzen können in die Leiste, ins Gesäß und sogar bis in den Fuß ausstrahlen. Das ISG ist eines der therapieintensivsten, von Schmerzen befallenen Körperbereiche.


Ursachen von ISG-Erkrankungen

In der Natur hat das Iliosakralgelenk eine ganz spezielle Bedeutung bei der Geburt eines Kindes. Durch eine Nutationsbewegung (= geringe Bewegung des Kreuzbeins gegenüber dem Darmbein) und die damit verbundene Dehnung der Schambeinfuge vergrößert sich nämlich die Weite des Beckenrings. Dies ist wichtig für den Durchtritt des Kopfes des Kindes bei der Geburt. Durch die Ausschüttung spezieller Hormone, kommt es dabei auch zu einer Erweichung der Bänder, damit diese nachgeben können.

Da die Bänder sonst jedoch sehr straff und die Gelenkflächen wenig belastbar sind, kommt es durch Überbelastungen (z.B. im Sport), bei Zug- oder Druckbelastungen auf den Bandapparat des Gelenks (Z.B. schweres Heben oder Übergewicht), durch falsche Sitzhaltung und andere Faktoren zu Reizungen, Verschleiß oder einer akuten bzw. chronischen Entzündung dieser Gelenkflächen. Wir sprechen dann vom Iliosakralgelenk-Syndrom.

Wer leicht und beschwerdefrei gehen kann, macht sich kaum Gedanken darüber, wie die Beine eigentlich mit dem Oberkörper verbunden sind. Bei Schmerzen jedoch rückt das ISG schnell in den Blickpunkt - als Schnittstelle zwischen Wirbelsäule und Becken. Im Becken wiederum sind unsere Oberschenkel „verankert“.

Bei ruckartigen Bewegungen, Stürzen oder Verdrehungen des Beckens können Verrenkungen und Brüche des Kreuz-Darmbein-Gelenks auftreten. Außerdem sind die Iliosakralgelenke sehr häufig auch beim Morbus Bechterew betroffen. Die sehr schmerzhafte Bechterewsche Krankheit (nach Wladimir Michailowitsch Bechterew, 1857–1927) ist eine verbiegende/versteifende Wirbelentzündung. Sie gehört zu den Rheuma-Formen und betrifft vorwiegend die Lenden- und Brustwirbelsäule (LWS und BWS) und die Kreuz-Darmbeingelenke.

Das ISG-Gelenk kann auch von Arthrose betroffen sein (Iliosakeralgelenkarthrose). Ebenso kann es im Gelenk zu einer sogenannten ISG-Blockade kommen. Dann klemmt es sprichwörtlich im Gelenk.

Weitere Ursachen können ein Wirbelgleiten (Instabilität der Wirbelsäule) sein, Operationen an Fuß, Knie, Wirbelsäule, Hüfte sowie Tumore oder Infektionen.


Symptome der ISG Erkrankungen

Aktuelle Studien beziehen rund 25% aller chronischen Rückenschmerzen auf das ISG. Chronische ISG-Schmerzen werden von den Patienten meist als Schmerzen im seitlichen Becken und/oder der Leistengegend lokalisiert. Einige berichten auch von Schmerzen im Unterbauch, die durch eine Verspannung des Lenden-Darmbeinmuskels entstehen. Genauere Bezeichnungen hierfür sind auch „Sakralgie“ und „Sakroiliitis“. Viele Betroffene haben auch die für das ISG Syndrom typischen Sitzbeschwerden, die oft zu einer auffallenden, einseitigen Sitzhaltung führen. Beinschmerzen sind ebenfalls recht häufig und werden oft mit Schmerzen, wie sie bei einem Bandscheibenvorfall auftreten, verwechselt.


Plötzlich ziehende Schmerzen

Häufig treten Beschwerden im ISG akut und anfallsartig beim Beugen oder Drehen des Rumpfes auf, aber auch beim Gehen oder längerem Sitzen in einseitiger Position. Die Patienten berichten oft von Schmerzen in Intervallen. Zum Beispiel kann eine vorwiegend sitzende Tätigkeit eine Verkürzung bzw. Überstreckung bestimmter Muskeln zur Folge haben, was zu einem Ungleichgewicht im ganzen Körper führen kann. Dann braucht es nur noch eine unangemessene Bewegung oder große Belastung, beispielsweise durch das Heben schwerer Kisten - und schon treten plötzlich starke Schmerzen auf.

Durch die Blockierung des ISG werden die Gelenkkapseln schmerzhaft gereizt und die darüber liegende Muskulatur verhärtet sich. Außerdem versuchen die Muskeln die Instabilität und die veränderte Belastung auszugleichen, was zu Muskelhartspann führt.

Besonders beteiligt sind hier die unteren Rückenstrecker und Rückendreher, der Hüftbeuger, der Lendenmuskel, die vorderen geraden Bauchmuskeln, Teile der Gesäßmuskulatur und der Hüftgelenksmuskulatur.

Als Folge des Hartspanns kann die beteiligte Muskulatur auf Nerven drücken, was zu starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt (vergleichbar einem „Hexenschuss“).


Diagnose von ISG Erkrankungen

Die Diagnose von ISG-Erkrankungen erfordert viel Fachwissen. Viele Patienten lassen sich häufig erst vom Hausarzt behandeln und werden später meist doch zu Wirbelsäulenspezialisten überwiesen.

Die körperliche Untersuchung umfasst Tests auf Klopfschmerzhaftigkeit. Der Arzt tastet und klopft dabei die Dornfortsätze der Wirbelsäule der Reihe nach ab. Schmerzen können auf einen Wirbelbruch hindeuten. Beim ISG-Syndrom schmerzt die Wirbelsäule normalerweise nicht. Schmerzen treten eher seitlich der Wirbelsäule am unteren Rücken auf. Danach folgen Beugeproben mit den Daumen auf den beiden Ilioskralgelenken.

Eine weitere Untersuchungsmethode ist das sogenannte „Mennell-Zeichen“. Der Patient liegt auf dem Bauch und der Arzt fixiert mit einer Hand das Iliosakralgelenk. Mit der anderen Hand hebt er ein Bein an. Sollten Sie Schmerzen im Gelenk verspüren, ist das Mennell-Zeichen positiv und weist auf ein ISG-Syndrom hin.

Außerdem gibt es noch den „Patrick-Test“ in Rückenlage. Sie führen die rechte Hacke zum linken Knie und lassen das angewinkelte rechte Bein zur rechten Seite fallen. Anschließend wird der Test auf der Gegenseite durchgeführt. Bei Schmerzen oder einer eingeschränkten Beweglichkeit, deutet dies auf eine Beteiligung des Hüft- oder Iliosakralgelenks hin.

Blutuntersuchungen sind normalerweise nicht nötig. Bei chronischen Kreuzschmerzen vor dem 45. Lebensjahr kann der Arzt Ihnen jedoch Blut abnehmen, um es im Labor auf Anzeichen von Morbus Bechterew untersuchen zu lassen.

Auch bildgebende Verfahren wie CT oder MRT können bei der Diagnose helfen. Sie allein genügen jedoch nicht. Letzten Aufschluss, ob es sich um ein ISG-Syndrom handelt, gibt eine gezielte Gabe von Schmerzmitteln – und zwar direkt in das Ilioskralgelenk. Ist der Schmerz schnell verschwunden, deutet das klar auf die Erkrankung hin.


Therapie/Behandlung

Übungen lindern ISG-Symptome

Wege, eine ISG-Blockade zu lösen, gibt es viele. Körperliche Aktivität ist ein wichtiger Aspekt bei der erfolgreichen Behandlung des ISG-Syndroms. Bewegen Sie sich daher ausreichend, auch wenn Sie Beschwerden haben. Eine begleitende physiotherapeutische Behandlung mit speziellen Iliosakralgelenk-Übungen zur Entlastung des Gelenks wird Sie dabei unterstützen.

Wärmebehandlung

Auch Wärmebehandlung kann helfen, ISG-Beschwerden zu lindern. Nutzen Sie dafür Wärmepflaster aus der Apotheke, Wärmflaschen oder Infrarotlampen.

Schmerzlindernde Medikamente, wie Ibuprofen oder Diclofenac sind beim ISG-Syndrom häufig nicht sehr wirksam.

Manual-Therapie: Mobilisation und Manipulation

Speziell ausgebildete Ärzte oder Physiotherapeuten können durch Manualtherapie Gelenkblockaden lösen. Dabei werden zwei verschiedene Verfahren angewendet. Bei der Mobilisation wird durch vorsichtiges Dehnen die Beweglichkeit des betroffenen Gelenks verbessert. Bei der Manipulation wird durch kurze Krafteinwirkungen (Impulse) auf das betroffene Gelenk ein neu aufgetretenes ISG-Syndrom behandelt. Die Manipulation darf in Deutschland nur von Ärzten durchgeführt werden.

Infiltrationstherapie

Bei der Infiltrationstherapie spritzt der Arzt betäubende Medikamente (Lokalanästhetika) direkt an den Entstehungsort des Schmerzes. Entweder werden die Lokalanästhetika in den Bandapparat des Iliosakralgelenks oder direkt in den Gelenkspalt injiziert. Häufig reicht es aus, die Schmerzrezeptoren in den Bändern auf diese Weise stillzulegen, ansonsten spritzt der Arzt das Medikament unter Röntgenkontrolle direkt in das Gelenk.

Neben Lokalanästhetika können auch entzündungshemmende und schmerzlindernde Glukokortikoide, wie zum Beispiel Kortison, gespritzt werden.

Denervation / Denervierung

Unter Bildwandler-Kontrolle wird eine Spezial-Kanüle genau an der Stelle eingeführt wo sich die gereizten Nerven (Äste des Spinalnervs) befinden. Mit Hitze (Dioden – Laserenergie / Radiofrequenz) werden diese Nerven stillgelegt (Denervation). Der Eingriff dauert weniger als eine Stunde und wird nach einer Neurostimulation über eine Punktion durchgeführt (kein Schnitt). Der Eingriff hat den Vorteil, dass dabei keine Muskeln, Knochen oder Bänder durchschnitten oder abgetragen werden. Eine signifikante Schmerzlinderung wurde bei etwa 80% der Patienten für Monate bis Jahre festgestellt und das bei sehr geringen Risiken. Mit deutlich reduzierten Schmerzen können die Patienten anschießend ihre physiotherapeutischen Maßnahmen und Bewegungstherapien wahrnehmen.

Fixierung des Gelenks

Wenn keine anderen Maßnahmen greifen, ist eine Fixierung des ISG möglich. Bis vor wenigen Jahren war eine Versteifung des ISG eine große Operation, jetzt stehen uns jedoch minimal-invasive Operationsmethoden zur Verfügung. Der Hautschnitt beträgt dabei nur rund 4 Zentimeter. Es werden bei dieser Methode Titanstäbe in das Gelenk eingebracht und somit eine Belastungsstabilität erreicht. Die Titanstäbe sind so verändert, dass sie im Knochen festwachsen.

Alternativmedizinische Behandlung

Das Gelenk spielt auch in vielen alternativmedizinischen Richtungen eine besondere Rolle: beispielsweise in der manuellen Medizin, der Osteopathie, der Chiropraxis, der Craniosacralen Therapie und der Dorn-Therapie („Beckenblockade“).


Unsere Empfehlung bei Problemen mit dem Iliosakralgelenk

Egal, ob Sie akute unklare Rückenbeschwerden haben oder wissen, dass es sich um eine Erkrankung des ISG handelt – suchen Sie unbedingt einen Facharzt auf. Dies sollte immer ein Wirbelsäulen-Spezialist, ein Neurochirurg oder Orthopäde sein. Zuerst muss eine genaue und eingehende Untersuchung des ISG erfolgen. Es gibt viele verschieden Arten der Behandlungen für das Kreuzdarmbeingelenk. In der Avicenna Privatklinik Berlin erstellt der Arzt für jedes Krankheitsbild und jeden Patienten eine individuelle Therapie. Nur so kann gewährleistet werden, dass Sie nach der Behandlung eines oder beider Iliosakralgelenke wieder schnell gesund werden und schmerzfreie Bewegungsabläufe haben.

Nach einer Behandlung oder Operation an der Wirbelsäule und ihrer Umgebung müssen Sie sich als Patient langfristig ein rückengerechtes Verhalten in Alltag und Freizeit zulegen und ihre Muskulatur stärken. Damit der Erfolg von Dauer ist!

Avicenna Klinik Berlin hilft Ihnen gern weiter

Seit dem Jahr 2000 hat die Avicenna Klinik ihren Sitz in Berlin. Unsere Ärzte haben auf ihrem jeweiligen Gebiet (Neurochirurgie, Wirbelsäulenchirurgie, Anästhesie, Orthopädie) jeder mindestens 25 Jahre internationale Erfahrung.

Falls Sie sich mit starken Rückenschmerzen, einem Bandscheibenvorfall oder dem Verdacht auf einen solchen in unserer Klinik vorstellen möchten, nutzen Sie folgenden Kontakt:

Avicenna Klinik
Paulsborner Str. 2
10709 Berlin

Telefon: +49 30 236 08 30
Fax: +49 30 236 08 33 11
E-Mail: info@avicenna-klinik.de

Sie können jederzeit anrufen, eine E-Mail schreiben oder ein Rückrufformular ausfüllen. Jeder Patient bekommt dann einen Termin bei einem Arzt unserer Klinik, der in jedem Fall ein Wirbelsäulenspezialist (Orthopädie/Chirurgie) ist. Anhand von MRT-Bildern (mitgebrachte oder bei uns im Haus erstellte) und einer eingehenden Untersuchung, wird der Arzt mit Ihnen alle verschiedenen Möglichkeiten einer Therapie oder Operation durchsprechen. Sie können unsere Fachärzte auch nur zum Einholen einer (Zweit-)Meinung in Anspruch nehmen.

Wenn Sie sich entscheiden sollten, Ihre Therapie und/oder Operation bei uns in Berlin durchführen zu lassen, wollen wir Ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten. In unserer Klinik stehen Sie als Mensch im Mittelpunkt. Dabei erwartet Sie eine hochmoderne Ausstattung in allen Bereichen – vom Operationssaal bis zum Patientenzimmer.

Neueste, schonende, minimalinvasive Behandlungsverfahren sind der Schwerpunkt unserer Klinik. Gemeinsam versuchen wir, eine geeignete Behandlung Ihrer Beschwerden zu finden. Erst nach ausführlichem Patientengespräch, Untersuchung und Diagnostik erfolgt die eigentliche Therapie. Jeder Patient erhält dadurch eine individuell abgestimmte Behandlung.

Ebenso wichtig wie eine optimale medizinische Betreuung, ist für uns die individuelle menschliche Fürsorge. Während Ihres stationären Aufenthalts steht Ihnen daher unser Pflegepersonal rund um die Uhr zur Verfügung. Außerdem kommunizieren unsere Mitarbeiter in mehreren Sprachen wie Englisch, Arabisch, Bulgarisch, Russisch, Polnisch, Türkisch, und Französisch. Wir kümmern uns um Ihre Sicherheit, respektieren Ihre Wünsche, Traditionen und Ihre Religion.

Unser Team setzt sich aus einem Pool hochqualifizierter Spezialisten zusammen. Sie arbeiten gemeinsam daran, dass Sie schnell wieder gesund werden.