Myelopathie


Wenn das Rückenmark unter Druck gerät

Kommt es zu einer Schädigung des Nervengewebes im Rückenmark der Hals- oder Brustwirbelsäule, sprechen wir von Myelopathie. Das Wort Myelopathie setzt sich aus den altgriechischen Bestandteilen „Myelon“ für Rückenmark und „Pathos“ für Leiden oder Schmerz zusammen. Im Inneren der Wirbelsäule befindet sich der Spinalkanal und darin verlaufen das Rückenmark sowie in der unteren Wirbelsäule die Nervenfasern. Zwischen den Wirbelkörpern verlassen Nerven den Spinalkanal und verlaufen weiter in die Arme, den Rumpf oder in die Beine. Kommt es zu einer Einengung des Spinalkanals, so werden Rückenmark und Nerven eingeschnürt oder gereizt, was Schmerzen und weitere Symptome auslöst. Diese Einengung entwickelt sich, außer bei einem Unfall, zumeist schleichend über Jahre, wobei das Rückenmark durch den zunehmenden Druck geschädigt wird.

Ständiger Druck, der zum Beispiel bei Bandscheibenvorfällen, Tumoren oder schlechter Durchblutung entsteht, führt zu einer Kompression des Rückenmarks und auf Dauer zu einem Absterben des Nervengewebes. Da sich die zentralen Nervenzellen (ZNZ) in diesem Bereich nicht regenerieren oder vermehren können, bleiben die Folgen für immer oder verschlechtern sich sogar.

Zwei Senioren sitzen Rücken an Rücken und lächeln

Formen der Myelopathie

  1. Die Kompressionsmyelopathie: kann entstehen durch Tumore, Wirbelsäulen- und Hirnhaut-Metastasen, posttraumatisch z.B. nach einer Wirbelfraktur, nach Bandscheibenvorfällen, durch Spinalkanalstenose, Spondylose, Osteosklerose.
  2. Die vaskuläre Myelopathie: kann entstehen durch Gefäßfehlbildung, Gefäßmißbildung, Gefäßstenosen (=Gefäßengstellen), Akute Minderversorgung bei Schocksymptomatik
  3. Strahlenmyelopathie: Ionisierende Strahlen im Rahmen einer Strahlentherapie

Frühzeitig eingreifen

Erkrankungen der Wirbelsäule treten aufgrund des demographischen Wandels immer häufiger auf. Betroffene leiden unter Schmerzen und verlieren an Lebensqualität. Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule können sich in vielen Formen zeigen, sei es in frischen oder verknöcherten Bandscheibenvorfällen, arthrotischen Veränderungen der Wirbelkörper wie Osteochondrosen, Spondylarthrosen, Facettengelenksarthrosen. Oder auch Uncarthrosen mit Einengungen der Nervenaustrittskanäle bis hin zu Verknöcherungen des hinteren Längsbandes, genannt OPLL (Ossification of Posterior Longitudinal Ligament). Bei Fortschreiten der Verknöcherung entsteht zunehmender Druck auf das Rückenmark – ein Zustand, der sich in sehr unterschiedlichen Symptomen zeigen kann und oft sehr spät erkannt wird. Frühzeitig daran denken und frühzeitig therapeutisch eingreifen kann vielen Betroffenen helfen.


Myelopathie der Halswirbelsäule (HWS)

 

Menschen mit chronischen Schmerzen in der Halswirbelsäule (HWS) leiden oft viele Jahre an ihren Schmerzen. Je länger sie andauern, umso mehr Probleme entstehen: Die Schlafqualität verschlechtert sich ebenso wie die Fähigkeit sich zu entspannen, man fühlt sich rasch gestresst und überfordert. Manche Betroffene verlieren die Lust am Leben und schlittern in Depressionen. Das Leiden ist oft enorm.

Typische Symptome sind Schmerzen im Nacken, die in die Arme ausstrahlen oder Taubheit bis hin zum Kraftverlust in den Armen. Wichtige Anzeichen für ein Myelopathiesignal sind weniger die Schmerzen, sondern die neurologischen Störungen. Typisch ist auch das Einschlafen der Arme oder Hände während des Schlafens in der Nacht. Anfängliche Symptome können eine zunehmende Steifheit im Nacken mit Schmerzen beim Drehen des Kopfes nach links und rechts. Bei einer Schädigung des Rückenmarks können die Symptome auch in die Beine ausstrahlen sowie Gangunsicherheiten und Kontrollverlust über Blase oder Darm bewirken. Die zervikale Myelopathie hat eine voranschreitende Verlaufsform. Zu Beginn der Erkrankung bestehen leichtgradige motorische (Gangstörungen) und sensible Funktionsausfälle der oberen und/oder unteren Extremitäten. Durch einseitige Kompression können Empfindungsstörungen (Brown-Séquard-Syndrom) auftreten. Im weiteren Krankheitsverlauf kommt es zu zunehmenden motorischen Ausfällen.

Die Myelopathie der Halswirbelsäule kann angeboren sein oder als degenerative Form ausgelöst werden. Ebenso können Durchblutungsstörungen, Verletzungen, Unfälle, Knochenerkrankungen oder Tumore die Myelopathie verursachen. In den meisten Fällen liegt die Ursache in einem altersbedingten Abbau der Gelenke und Bandscheiben. Eine Myelopathie als Folge eines Bandscheibenvorfalls kommt seltener vor.


Myelopathie der Brustwirbelsäule (BWS)

Myelopathien der Brustwirbelsäule (thorakale Myelopathien) weisen ähnlich typische Symptome wie im HWS-Bereich auf. Die Symptome treten schleichend auf und resultieren aus dem Funktionsverlust der jeweils betroffenen Rückenmarksareale. Charakteristisch sind eine Steifigkeit in den Beinen, Schwäche in den Handmuskeln, Atrophie von Arm- oder Handmuskeln, Sensibilitätsstörungen der Hände, Gangbildstörungen, Empfindungsstörungen, Lähmungen, Blasen- und Darmentleerungsstörungen.

Fortschreitend verlaufende BWS-Myelopathien können zur Entwicklung eines Querschnittsyndroms führen!


Vaskuläre (Gefäß-)Myelopathien

Vaskuläre Myelopathien äußern sich in unterschiedlichen Funktionsausfällen, je nach betroffenem Gefäß. Die Patienten klagen über Schwäche, Taubheitsgefühl, Feinmotorikstörungen, Blasenentleerungs-, Gleichgewichts- und Sexualstörungen sowie Steifheit der Muskulatur. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu Gewebeschwund (Atrophie) und Atemschwierigkeiten. MRT-Bilder zeigen dann veränderte Zonen im Rückenmarkgewebe. Oft werden die Anzeichen bei einer neurologischen Untersuchung diagnostiziert.


Diagnose der Myelopathie

Das tückische an der Myelopathie: Sie kommt schleichend und verläuft fortschreitend. Es gibt kein spezifisches Früherkennungszeichen.

Die Diagnostik der Myelopathie umfasst daher eine ausführliche Anamnese. Zum einen wird Sie der Arzt nach der Art der Symptomatik (Funktionsausfälle, Schmerzen, Blasen- oder Mastdarmstörungen fragen. Zum anderen nach bekannten Vorerkrankungen: Morbus Bechterew, Spondylarthrose, Osteoporose, Bandscheibenvorfall, arterielle Durchblutungsstörungen oder eine durchgemachte Tumor- Strahlentherapie.

Es folgt der neurologische Status mit der Prüfung des Gangbildes, den Tests auf pathologische Reflexe und auf Empfindungsstörungen (Anästhesie).

Anschließend kommt es zum Einsatz der bildgebenden Diagnostik, wie MRT und Myelographie. Konventionelle Röntgenaufnahmen können gut knöcherne Veränderungen darstellen. Zusätzliche Funktionsaufnahmen sollten immer angefertigt werden, um eventuell vorhandene Instabilitäten festzustellen.

Mittels Computertomographie (CT) inklusive Myelo-CT können knöcherne Veränderungen und knöchern bedingte Stenosen besser dargestellt werden. Nachteil der CT ist die relativ hohe Strahlenbelastung. Daher sollte die CT nur als Ergänzung zur MRT bei besonderer Fragestellung eingesetzt werden.


Grad der Erkrankung bei Myelopathie

Der Europäische Myelopathie Score (EMS):

Funktionen des ersten montorischen Neurons (Gang) Punkte
Unfähigkeit zu gehen, auf Hilfe angewiesen 1
Auf ebenem Boden nur mit Gehhilfe / Unterstützung 2
Treppensteigen nur mit Gehhilfe / Unterstützung 3
Unsicherer Gang, Gangbild plump erscheinend 4
Unauffälliges Gangbild 5
<b>Funktionen des ersten motorischen Neurons und des afferenten Systems</b>
Überlaufblase, keine Kontrolle 1
Unvollständige Entleerung und gestörte Frequenz 2
Normale Blasen- und Darmfunktion 3
<b>Funktionen des zweiten motorischen Neurons</b>
Handschrift / Essen mit Besteck nicht möglich 1
Handschrift / Essen mit Besteck eingeschränkt 2
Handschrift / Schnürsenkel binden ungeschickt 3
Normale Handschrift / Feinmotorik 4
<b>Funktionen der Hinterstränge (Propriozeption und Koordination)</b>
An-/Auskleiden nur mit Hilfe 1
An-/Auskleiden ungeschickt und langsam 2
An-/Auskleiden normal 3
<b>Hinterwurzeln (segmental radikuläre Paraesthesie / Schmerzen)</b>
Invalidisierende Schmerzen 1
Ertragbare Parästhesien/Schmerzen 2
Keine Parästhesien/Schmerzen 3
<b>Summe</b>

Einteilung nach der Punktzahl (Summe)

Punkte EMS-Grad
5-8 Grad III
9-12 Grad II
13-16 Grad I
17-18 normal

Eine genaue Diagnose ist Voraussetzung, um eine geeignete Therapie zu wählen. Ein erfahrener Mediziner muss exakte Bildgebung (MRT) einsetzen, eine Laboruntersuchung des Blutes veranlassen (um Entzündungen zu erkennen) und mit dem Patienten ausführlich über dessen Probleme sprechen. Auch gilt es gilt den Lebensstil, wie sitzender Beruf, Körperhaltung, körperliche und psychische Belastungen, abzuklären. Wichtig ist dabei vor allem, in welchen Situationen die Schmerzen auftreten.

Am Ende der Untersuchungen sollte feststehen, welche Ursachen zu den Schmerzen führen.


Therapie und Behandlung der Myelopathie

Nach detaillierten Untersuchungen wird per bildgebender Diagnostik der Grad der Myelopathie (siehe Tabelle) ermittelt. In den Schichtaufnahmen der Magnetresonanztomografie (MRT) ist die Myelopathie klar zu erkennen.

Konservative Therapien sind sehr eingeschränkt möglich. Nur im frühen Stadium können leichte Schmerzen medikamentös behandelt werden. Bei intensiveren Schmerzen ist eine gezielte Schmerztherapie erforderlich, die auch entzündungshemmende und muskelentspannende Medikationen einbezieht.

Die eigentlichen Ursachen der Schmerzen und Beschwerden können jedoch nur operativ, per Mikrochirurgie, beseitigt werden. Ziel eines neurochirurgischen Eingriffes ist es, dem Rückenmark und den Nerven wieder mehr Platz zu verschaffen. Bei einer sogenannten „ventralen Fusion“ wird mit mikrochirurgischen Spezialinstrumenten zwischen den betroffenen Wirbelkörpern Gewebe abgetragen und dadurch für das Rückenmark wieder mehr Platz geschaffen.

Bei starker Verengung kann die Bandscheibe zwischen zwei Wirbelkörpern durch einen Platzhalter ersetzt werden. Bei der HWS-Myelopathie wird unter Zuhilfenahme eines speziellen Mikroskops von vorn durch den Hals operiert. Dabei werden Gefäße, Speise- und Luftröhre „zur Seite geschoben“, um Wirbelkörper beziehungsweise Bandscheiben durch zum Teil nicht mal Zwanzig-Cent-Stück große Implantate zu ersetzen.

Behandlungsverlauf

Im Gegensatz zu herkömmlichen Operationsverfahren genügt in der Mikrochirurgie ein kleiner Schnitt von etwa 1 bis 3 Zentimetern Länge. Dadurch verringert sich die Gefahr für anschließende Narbenbildung deutlich. Unter Vollnarkose führen wir eine Sonde direkt an den betroffenen Wirbel bzw. die betroffene Bandscheibe. Dort entfernen wir überstehendes Gewebe und erweitern die Stelle leicht - die Nervenwurzel wird entlastet. Mithilfe eines Mikroskops und / oder eines Endoskops erhält der behandelnde Arzt den nötigen Überblick.

Die Therapie der Myelopathie ist immer Ursachen- und verlaufsabhängig. Bei akut fortschreitender Symptomatik sollte eine neurochirurgische Dekompression (Druck wegnehmen) oder Revaskularisation (Wiedereinsprossen von Blutkapillaren in ein nicht adäquat durchblutetes Gewebe) angestrebt werden.

Eine Operation an der HWS wird nur durchgeführt, wenn ein eingeklemmter Nerv zu Lähmungserscheinungen führt, wenn das Rückenmark abgedrückt wird oder ein Nerv so lange gepresst wird, dass neuropathische Schmerzen entstehen.

Erstreckt sich die Verengung über mehrere Wirbelkörper, ist unter Umständen eine Ersatzoperation einzelner Wirbelkörper erforderlich. In dieser Operation werden die entfernten Wirbelkörper durch Titanimplantate ersetzt.


Unsere Empfehlung bei einer Myelopathie

Die Myelopathie kommt schleichend und ist gekennzeichnet durch einen fortschreitenden Verlauf. Haben Sie schon lange starke Rückenschmerzen in bestimmten Arealen oder sogar Funktionsausfälle bzw. Missempfindungen? Dann suchen Sie sofort einen Facharzt auf! Dies sollte unbedingt ein Wirbelsäulen-Spezialist, ein Neurochirurg oder Orthopäde sein. Auch dann, wenn es nicht um eine Myelopathie geht. Es gibt sehr viele verschieden Arten der Behandlungen. In der Avicenna Privatklinik Berlin erstellt der Arzt für jedes Krankheitsbild und jeden Patienten eine individuelle Therapie. Nur so kann gewährleistet werden, dass Sie nach der Behandlung einer Myelopathie oder anderer Rückenerkrankungen wieder schnell gesund werden und schmerzfreie Bewegungsabläufe haben.

Nach einer Behandlung oder Operation an der Wirbelsäule müssen Sie sich als Patient langfristig ein rückengerechtes Verhalten in Alltag und Freizeit zulegen und ihre Muskulatur stärken. Damit der Erfolg von Dauer ist!

Avicenna Klinik Berlin hilft Ihnen gern weiter

Seit dem Jahr 2000 hat die Avicenna Klinik ihren Sitz in Berlin. Unsere Ärzte haben auf ihrem jeweiligen Gebiet (Neurochirurgie, Wirbelsäulenchirurgie, Anästhesie, Orthopädie) jeder mindestens 25 Jahre internationale Erfahrung.

Falls Sie sich mit starken Rückenschmerzen und /oder Schmerzen in der Halswirbelsäule, einer Spinalkanalstenose oder dem Verdacht auf eine solche in unserer Klinik vorstellen möchten, nutzen Sie folgenden Kontakt:

Avicenna Klinik
Paulsborner Str. 2
10709 Berlin

Telefon: +49 30 236 08 30
Fax: +49 30 236 08 33 11
E-Mail: info@avicenna-klinik.de

Sie können jederzeit anrufen, eine E-Mail schreiben oder ein Rückrufformular ausfüllen. Jeder Patient bekommt dann einen Termin bei einem Arzt unserer Klinik, der in jedem Fall ein Wirbelsäulenspezialist (Orthopädie/Chirurgie) ist. Anhand von MRT-Bildern (mitgebrachte oder bei uns im Haus erstellte) und einer eingehenden Untersuchung, wird der Arzt mit Ihnen alle verschiedenen Möglichkeiten einer Therapie oder Operation durchsprechen. Sie können unsere Fachärzte auch nur zum Einholen einer (Zweit-)Meinung in Anspruch nehmen.

Wenn Sie sich entscheiden sollten, Ihre Therapie und/oder Operation bei uns in Berlin durchführen zu lassen, wollen wir Ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten. In unserer Klinik stehen Sie als Mensch im Mittelpunkt. Dabei erwartet Sie eine hochmoderne Ausstattung in allen Bereichen – vom Operationssaal bis zum Patientenzimmer.

Neueste, schonende, minimalinvasive Behandlungsverfahren sind der Schwerpunkt unserer Klinik. Gemeinsam versuchen wir, eine geeignete Behandlung Ihrer Beschwerden zu finden. Erst nach ausführlichem Patientengespräch, Untersuchung und Diagnostik erfolgt die eigentliche Therapie. Jeder Patient erhält dadurch eine individuell abgestimmte Behandlung.

Ebenso wichtig wie eine optimale medizinische Betreuung, ist für uns die individuelle menschliche Fürsorge. Während Ihres stationären Aufenthalts steht Ihnen daher unser Pflegepersonal rund um die Uhr zur Verfügung. Außerdem kommunizieren unsere Mitarbeiter in mehreren Sprachen wie Englisch, Arabisch, Bulgarisch, Russisch, Polnisch, Türkisch, und Französisch. Wir kümmern uns um Ihre Sicherheit, respektieren Ihre Wünsche, Traditionen und Ihre Religion.

Unser Team setzt sich aus einem Pool hochqualifizierter Spezialisten zusammen. Sie arbeiten gemeinsam daran, dass Sie schnell wieder gesund werden.