Welche Aufgaben hat die Brustwirbelsäule?

Es ist allgemein bekannt, dass es in der Hals- und in der Lendenwirbelsäule zu einem Bandscheibenvorfall und zu einer spinalen Stenose (Verschleiß, Degeneration der Wirbelsäule) kommen kann. Die gleichen Probleme können auch in der Brustwirbelsäule (BWS) auftreten - wenngleich seltener. Bevor wir sagen, wie ein Bandscheibenvorfall und eine Spinale therapiert werden, geben wir Antwort auf die Frage: Was ist eigentlich die Brustwirbelsäule?

Nun, die BWS ist der Abschnitt zwischen Hals- und Lendenwirbelsäule. Die Brustwirbelsäule besteht aus 12 Wirbeln. Sie bildet mit den Rippen, dem Brustkorb und dem Brustbein eine Einheit. Die BWS hat mehrere Aufgaben - ihre wichtigste Aufgabe ist der Schutz des Rückenmarks. Das verläuft bekannterweise im Wirbelkanal. Leider sind Rückenschmerzen zu einer Volkskrankheit geworden. Etwa 80 Prozent haben mindestens einmal im Leben Rückenschmerzen. Oftmals lösen sich Rückenschmerzen von allein auf. Wenn sie allerdings länger andauern, unerträglich werden und ausstrahlen, sollten Sie dringend einen Facharzt aufsuchen. Er wird diagnostizieren können, was dahinter steckt: möglicherweise eine Verengung des Wirbelkanals oder ein Bandscheibenvorfall. Und er wird Ihnen dann auch sagen, wie er Ihnen helfen kann.

Konservative Methoden oder mikrochirurgische Operation? Das ist hier die Frage

Häufig lassen sich Rückenbeschwerden durch konservative Therapien beheben. Reichen diese jedoch nicht aus, muss eine ursächliche Behandlung erfolgen. Vor allem bei Bandscheibenvorfällen und Spinalkanalstenosen kommen mikrochirurgische Maßnahmen zum Einsatz. Im Vorfeld der Therapie diagnostizieren wir, was sinnvoll und medizinisch zu machen ist. Ausgangspunkt jeder Untersuchung ist das sogenannte Anamnesegespräch. Der Arzt stellt Fragen, Sie geben die Antworten. Wo tut es weh, seit wann, wie stark sind die Schmerzen, strahlen sie aus, usw.? Sagen Sie Ihrem Arzt auch ruhig, wo Ihnen eventuell der Schuh drückt. Schließlich gibt es - wenn auch unsichtbar - eine Verbindung zwischen Geist, Körper und Seele. Die sichtbare Antwort auf Fragezeichen bekommen wir über bildgebende Verfahren - MRT (Magnetresonanztomografie) und/oder CT (Computertomografie). Bei der Spinalkanalstenose der BWS ist es natürlich wichtig zu wissen, wo genau die Verengung liegt.

Grundsätzlich gilt: Spinalkanalstenose und Bandscheibenvorfall machen sich mit ähnlichen Symptomen bemerkbar - sie sind aber unterschiedliche Erkrankungen. Bandscheibenvorfälle in der BWS kommen wesentlich seltener vor als beispielsweise in der Lendenwirbelsäule, sie sind aber nicht zu unterschätzen. Tatsächlich können sie eine Querschnittsymptomatik entwickeln. Die Stenose, die bevorzugt zwischen dem 60. und 90. Lebensjahr auftritt, hat überwiegend diese Symptome: Neben der Schmerzen könnten sich weitere Beschwerden entwickeln wie: Gangunsicherheit, Taubheitsgefühl der Beine oder Kraftminderung der Beine. Gehen kann man nur wenige hundert Meter, müde, schwere Beine, jeder Schritt wird zur Qual. Es kann zu Funktionsstörungen des Harn- und Geschlechtsbereichs kommen, möglicherweise sogar zu Inkontinenz - also zu unkontrolliertem Harnverlust. Diese Symptome entwickeln sich in der Regel langsam.  

Bei einem Bandscheibenvorfall in der BWS registrieren wir bei Patienten, stechende Schmerzen im betroffenen Teil des Rückens. Sie werden meist als dumpf zwischen den Schulterblättern verspürt und ziehen sich gürtelförmig über den Brustkorb. Schmerzen können sich durch Niesen oder Husten verstärken, außer Enge im Brustkorb kann es sogar zu Herzrasen und Herzstolpern kommen und deshalb wird dabei ein Herzinfarkt vermutet. Bei Tumore und Zysten in der Brustwirbelsäule klagen die Patienten über Schmerzen im BWS-Bereich, manchmal ausstrahlend in die Beine, Taubheitsgefühl, Kraftminderung und/oder Blasenentleerungsstörungen. Die Beschwerden können sich langsam entwickeln bei gutartigen Tumoren (Meningeome oder Neurinome) oder aggressiv und relativ schnell bei Metastasen.  

Was ist zu tun? Oftmals können wir einen Bandscheibenvorfall konservativ, d. h. mit Krankengymnastik und Medikamenten, behandeln. Zu den konservativen Therapiemethoden gehören u. a. Wärmetherapie, Elektrotherapie und Bewegungstherapie zur Entlastung und Stabilisierung der Wirbelsäule, gezieltes Kräftigungstraining für die Rücken-und Bauchmuskulatur und Stützkorsetts (Orthesen) zur Entlastung der Wirbelsäule. Wenn konservative Methoden bei den durch Vorfall und Stenose ausgelösten Schmerzen nicht ausreichend sind, haben wir minimalinvasive OP-Techniken, die gequetschte Nervenwurzeln von vorgefallenem Bandscheibengewebe entlasten bzw. eingeengte Wirbelkanäle wieder erweitern. Der jeweilige Befund und Ihre anatomischen Gegebenheiten macht es uns Ärzten dann möglich, mit Ihnen ein entsprechendes OP-Verfahren zu besprechen und einzusetzen.

Operationsverlauf - die mikrochirurgische Dekompression ist die Methode der Wahl

Im Gegensatz zu herkömmlichen Operationsverfahren genügt in der Mikrochirurgie ein kleiner Schnitt von etwa 3 Zentimetern Länge. Dadurch verringert sich die Gefahr für anschließende Narbenbildung deutlich.

Unter Vollnarkose führen wir eine Sonde direkt an den betroffenen Wirbel bzw. die betroffene Bandscheibe. Dort entfernen wir überstehendes Gewebe und erweitern die Stelle leicht - die Nervenwurzel wird vorsichtig von jedem Druck entlastet. Falls eine Zyste oder Tumor vorliegt wird diese entfernt. Bei Syringomyelie wird die Zyste geöffnet. Ein mikrochirurgischer Eingriff hat immer zum Ziel, jene Region zu entlasten, in der das Rückenmark belastet wird. Die sogenannte Dekompression (Druckentlastung) eingeengter Nerven ist die meistgewählte Operationsmethode, gilt somit als Methode der Wahl. Mithilfe eines Mikroskops und/oder eines Endoskops erhält der behandelnde Arzt den nötigen Überblick.

Direkt nach dem Eingriff

Langsam und unter Aufsicht werden Sie im Aufwachraum wieder zu sich kommen. Danach wird Sie eine Krankenschwester in Ihr Zimmer transportieren, wo Sie dann weiterhin unter Kontrolle sind und in den nächsten Stunden bzw. Tagen unter Aufsicht die ersten Bewegungen ausführen werden. Sie werden hier auch mit Medikamenten, beispielsweise mit Schmerzmedikamenten, versorgt.

Die nächsten Tage nach dem Eingriff

Nach der jeweiligen Operation bleiben Sie etwa 8 bis 12 Tage in der Klinik. Planen Sie eine Arbeitsunfähigkeit zwischen vier und 10 Wochen ein. Sie werden sich behutsam und langsam wieder ans Leben gewöhnen müssen - d. h. Autofahren ist nach etwa 4 Wochen möglich, allerdings anfangs nur kurze Strecken. Rückenschwimmen sollte nach vier Wochen möglich sein, Brustschwimmen nach vier Monaten. Auf Joggen, Golf und Tennis müssen Sie mindestens drei bis vier Monate verzichten. Fahrradfahren dürfte nach zehn Wochen möglich sein.

Beachten Sie: Das sind alles nur Richtwerte - Ihr Zustand und Ihr Facharzt werden individuell darüber entscheiden, wann was möglich ist und den Behandlungserfolg nicht gefährdet.

Minimal-invasive Operationen gelten seit Jahren als risikoarme Eingriffe

Dennoch ist zu sagen: Es ist ein operativer Eingriff, und Komplikationen können nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden. Als Komplikationen gelten Nachblutungen, Wundinfektionen oder Schwellungen. Ausgeschlossen sind auch nicht Narbenbildungen im Bereich der Nervenwurzel, die dann erneut zu Schmerzen und Missempfindung führen. Aber grundsätzlich (und normalerweise) können Sie davon ausgehen, dass Ihre Schmerzen der Vergangenheit angehören. Gegen Vernarbungen wird ein Anti-Narben-Gel um die Neuralstrukturen injektiert.

Achtung: Halten Sie die Termine der vereinbarten Kontrolluntersuchungen ein. Und gehen Sie umgehend zum Doktor, wenn Sie zu Hause höheres Fieber und starke Schmerzen bekommen, bzw. wenn Sie an der Wunde Rötungen und/oder Entzündungszeichen sehen. Es gilt: Lieber einmal mehr zum Arzt als einmal zu spät. Außerdem ist es möglich, sich (wenn Sie unsicher sind) beim Arzt telefonisch einen Rat einzuholen.

Dr. med. Munther Sabarini

Autor
Dr. med.Munther Sabarini
Facharzt für Neurochirurgie

Hans-Heinrich Reichelt

Co-Autor
Hans-Heinrich Reichelt
Chefredakteur Medizin für Menschen

Avicenna Klinik Berlin hilft Ihnen gern weiter

Seit dem Jahr 2000 hat die Avicenna Klinik ihren Sitz in Berlin. Unsere Ärzte haben auf ihrem jeweiligen Gebiet (Neurochirurgie, Wirbelsäulenchirurgie, Anästhesie, Orthopädie) jeder mindestens 25 Jahre internationale Erfahrung.

Falls Sie sich mit starken Rückenschmerzen, einem Bandscheibenvorfall oder dem Verdacht auf einen solchen in unserer Klinik vorstellen möchten, nutzen Sie folgenden Kontakt:

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Wenn Sie sich entscheiden sollten, Ihre Therapie und/oder Operation bei uns in Berlin durchführen zu lassen, wollen wir Ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten. In unserer Klinik stehen Sie als Mensch im Mittelpunkt. Dabei erwartet Sie eine hochmoderne Ausstattung in allen Bereichen – vom Operationssaal bis zum Patientenzimmer.

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