Kyphose
Der Begriff Kyphose kommt vom griechischen Wort für „Buckel“ und bezeichnet eine rückwärts gerichtete Krümmung der Wirbelsäule. Im menschlichen Körper gibt es physiologisch normale Kyphosen im Bereich der Brustwirbelsäule und im Bereich des Kreuzbeins. Wenn aber die Krümmung über das normale Maß hinaus verstärkt ist, spricht man von einer pathologischen Kyphose oder Hyperkyphose, häufig auch als Rundrücken bezeichnet. Eine Kyphose stört die Statik des Rückens und kann Beschwerden, Einschränkungen der Beweglichkeit sowie sekundäre Folgen für Muskeln, Bänder und Gelenke hervorrufen.
Normale Haltungskrümmungen versus Fehlstellungen
Bei gesunder Wirbelsäule ist die Kyphose in der Brustregion vorhanden, ebenso im Übergangsbereich zum Steißbein. Im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) und der Lendenwirbelsäule (LWS) hingegen ist normalerweise eine Lordose, das heißt eine nach vorn gerichtete Krümmung, vorhanden. Wenn die Rückwärtskrümmung zu stark ausgeprägt ist, entsteht die Hyperkyphose oder der Rundrücken. Dabei kann die Wirbelsäule dauerhaft in eine vorgebeugte Haltung gedrängt sein.
Ursachen und Entstehungsmechanismen
Eine pathologische Kyphose kann viele Ursachen haben:
- Wachstumsstörungen / Morbus Scheuermann: Bei Jugendlichen kann eine Wachstumsstörung an den Wirbelkörpern auftreten, die zu keilförmigen Deformationen führt. Nach Abschluss des Wachstums kann sich dies als Kyphose manifestieren.
- Verletzungen und Frakturen: Wirbelkörperbrüche oder ungenügend verheilte Frakturen können die Form der Wirbelkörper verändern und eine übermäßige Krümmung auslösen.
- Degenerative Veränderungen und Osteoporose: Mit zunehmendem Alter können Verschleiß, Knochenschwund, Arthrose oder Bandscheibenschäden zu Fehlstellungen, wie einer Zwangshaltung und verstärkter Krümmung beitragen.
- Spezifische Erkrankungen wie Morbus Bechterew: Bei Morbus Bechterew (auch Spondylitis ankylosans genannt) handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Erkrankung, bei der Versteifungsprozesse der Wirbelsäule eintreten. Mit der Zeit können Entzündungsherde verknöchern, und es kann eine zunehmende Fixierung in einer vorgebeugten Haltung entstehen. Das führt oft zu einer vergrößerten Kyphose.
- Tumore, Metastasen, Wirbelfehlbildungen: Raumfordernde Prozesse im Wirbelbereich oder Fehlbildungen am Wirbelkörper können lokal die Statik beeinflussen und eine kyphotische Deformierung begünstigen.
Symptome und klinische Erscheinungen
Die Beschwerden hängen vom Ausmaß der Krümmung, dem Fortschreiten der Fehlstellung und etwaigen Begleiterkrankungen ab. Zu den typischen Symptomen gehören Rückenschmerzen im mittleren Rückenbereich, Einschränkungen in der Beweglichkeit, sichtbare Rundrückenhaltung mit Buckelbildung und in schweren Fällen Kompressionen von Organen oder gestörte Atmung bei starker Vorbeugung. Bei Morbus Bechterew kann eine zunehmende Beugung der Wirbelsäule auftreten, sodass Betroffene eine gebeugte Haltung einnehmen und oft Schmerzen im Lendenbereich und Gesäß spüren.
Diagnostik und Behandlung von Kyphose
Zur Beurteilung einer Kyphose erfolgen meist eine klinische Untersuchung, Haltungsevaluation, Funktionsprüfung und bildgebende Verfahren. Ein Röntgenbild der Wirbelsäule ist entscheidend: Dabei wird der Krümmungswinkel häufig nach der Methode von Cobb gemessen. Ein Winkel über einem bestimmten Schwellenwert (zum Beispiel bei Jugendlichen über 40 Grad) wird als krankhaft angesehen. Zusätzlich untersucht man Muskelstatus, Weichteile, neurologische Funktion und sekundäre Veränderungen. Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Alter, Ausmaß der Kyphose und Beschwerden. Man unterscheidet konservative und operative Ansätze.
- Konservative Therapie: Physiotherapie, gezielte Kräftigungs- und Dehnübungen, Haltungsschulung und ggf. Rückenschule sind zentrale Elemente. Bei Jugendlichen mit Morbus Scheuermann kann zusätzlich ein Korsett eingesetzt werden, um die Progression zu stoppen oder teilweise zu korrigieren. Das Korsett muss häufig viele Stunden täglich getragen werden, um Wirkung zu erzielen. In vielen Fällen kann so eine Operation vermieden werden.
- Operative Therapie: Operativ greift man an, wenn die Deformität sehr ausgeprägt ist, Schmerzen oder neurologische Beeinträchtigungen bestehen oder konservative Maßnahmen versagen. In der Regel erfolgt eine Korrektur über ein Schrauben-Stab-System, mit dem die Wirbelsäule stabilisiert und ausgerichtet wird. Der Zugang erfolgt meist von hinten (dorsal). In komplexen Fällen oder im Übergangsbereich kann ein kombinierter Zugang nötig sein. Bei osteoporotischen Wirbelbrüchen ist eine minimalinvasive Technik wie die Kyphoplastie möglich, bei der durch Zementinjektion der Wirbelkörper aufgerichtet und stabilisiert wird.
Besonderheiten bei Morbus Bechterew
Morbus Bechterew ist eine chronisch entzündliche Erkrankung, bei der im Verlauf eine zunehmende Versteifung der Wirbelsäule auftreten kann. Die einzelnen Wirbelgelenke können überknöchern, sodass eine „Bambuswirbelsäule” entsteht. Betroffene entwickeln häufig eine vorgebeugte Haltung und eine verstärkte Kyphose. Wichtig sind eine frühzeitige Diagnostik, konsequente Physiotherapie und medikamentöse Therapie zur Entzündungshemmung und Krankheitsmodifikation, um das Fortschreiten zu verlangsamen. Die operativen Optionen sind oft eingeschränkt, weil große Segmente bereits fixiert sind.