Was ist ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule (HWS)?

Ein Bandscheibenvorfall ist ein Durchbruch des Gallertkerns einer Bandscheibe durch den Faserring in den Spinalkanal. Der Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule hat einen Fachausdruck: zervikale Diskushernie. Bandscheiben - das sind die kleinen Stoßdämpfer zwischen den einzelnen Wirbeln. Sie übernehmen eine Pufferfunktion, indem sie Erschütterungen abfangen. Die Pufferscheiben bestehen aus einem in der Regel weichen, gallertartigen Kern und einem festen äußeren Faserring, der mit seinen Lamellen für die nötige Stabilität sorgt.

Das Besondere an der Halswirbelsäule ist, dass es zwischen dem Schädel und dem ersten Halswirbel (Atlas) sowie zwischen dem Atlas und dem 2. Halswirbel keine Bandscheiben gibt. Da die Halswirbelsäule (HWS) aus sieben Wirbeln (C 1 bis C 7, C steht für cervix, lat. für Hals oder Nacken) besteht, befinden sich somit lediglich 6 Bandscheiben in dem HWS-Bereich, wenn man die letzte Bandscheibe zwischen dem 7. Halswirbel und dem 1. Brustwirbel dazu zählt. Kleinere Bandscheibenvorfälle bezeichnet man als Prolaps, Bandscheibenvorwölbungen – also Protrusion und größere bzw. ausgedehnte Vorfälle - als Sequester. Nicht selten entsteht die Kompression durch Verknöcherungen (Osteophyten), die zusätzlich die Einengung des Spinalkanals und/oder der Neuroforamen (Nervenaustrittsöffnung) verstärken. Meist ist der untere Bereich der Halswirbelsäule - also zwischen dem 5. und 6. Halswirbelkörper und zwischen dem 6 und 7. HWK - betroffen.

Im Spinalkanal der Halswirbelsäule befindet sich außer der Nervenwurzeln auch das Rückenmark: eine sehr empfindliche Struktur, die aus Zentralnervenzellen besteht und unser Gehirn mit fast allen Körperbereichen verbindet. Zentralnervenzellen können sich nicht regenerieren oder vermehren, so dass ihre Schädigung nicht reparabel ist.

Die Abnutzung der Halswirbelsäule ist ein schleichender Prozess

Sorry, aber es ist die Wahrheit: Überwiegend ältere Menschen sind von einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule betroffen, weil degenerative Verschleißerscheinungen einen Vorfall begünstigen. Der Faserring hat nicht mehr die Stabilität und Elastizität, um dem Druck des inneren Gallertkerns standzuhalten. Die Abnutzung der HWS ist ein schleichender Prozess - er beginnt bereits mit dem 20. Lebensjahr, die Erkrankungshäufigkeit steigert sich danach - besonders intensiv bis zum 45. Lebensjahr. Jüngere Menschen können auch darunter leiden. Natürlich gibt es außer degenerativen Ursachen andere Ursachen für einen HWS-Bandscheibenvorfall, z.B.: Ständige Fehlbelastungen, Tech-Neck (durch übermäßige bzw. falsche Nutzung von Handy und PC), Auto-, Sport- oder andere Unfälle mit hohen Aufprallgeschwindigkeiten. Verstärkt wird das Bandscheiben-Risiko durch Übergewicht, mangelnde Bewegung, Haltungsfehler und schweres Heben.

Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls in der Halswirbelsäule

Nicht immer meldet sich ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule mit Schmerzsymptomen. Allerdings, wenn Nervenwurzeln gereizt oder unter Druck gesetzt werden, kommt es häufig zum Nackenschmerz, der in die Schulterblätter sowie in die Arme ausstrahlen könnte. Zusätzlich kann ein Taubheitsgefühl in Armen und Fingern beginnen. Auch Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Schwindel, Tinnitus, Störung des Gleichgewichts oder Sehstörungen kommen gelegentlich vor. Eine Muskelschwäche in den Armen weist auf einen stärkeren Bandscheibenvorfall oder starke Enge des Spinalkanals hin. Patienten könnten später andere seltene Symptome entwickeln wie beispielsweise Verlust der Kontrolle über die Extremitäten, Verschlechterung der Handschrift, Blasenentleerungsstörungen, Atemschwierigkeiten mit niedrigerer Sauerstoffsättigung - vor allem beim Schlafen -, Steifheit oder Zuckungen der Arm- und Beinmuskulatur, Atrophie vor allem der Handmuskulatur und somit Störungen der Feinmotorik. Ganz wichtig: Wenn Sie eines dieser Symptome oder gar mehrere verspüren, ist es allerhöchste Zeit, den Facharzt aufzusuchen.

Diagnose? Sagen Sie Ihrem Arzt, wo Sie Schmerz empfinden

Am allerwichtigsten vor der Therapie ist die Diagnose. Die Definition für das Wort „Diagnose“: Sie ist die bewertende Zusammenfassung der Symptome und Befunde eines Patienten, die in der Feststellung und Benennung der zugrundeliegenden Krankheit gipfelt.

Die Diagnose beginnt mit einem Gespräch - der Anamnese zwischen dem Arzt und dem Patienten. In so einem Gespräch werden Fakten gesammelt - beispielsweise:

  • Wann begann der Schmerz?
  • Wo begann er im Nackenbereich?
  • Strahlte er aus - in die Hände?
  • Veränderte er den Gang?
  • Gibt es psychische Probleme?
  • Wo empfinden Sie ein Taubheitsgefühl?
  • Kribbelt es in den Fingern?
  • Wo verspüren Sie eine Schwäche?

Nach dem Gespräch untersucht der Facharzt die Einschränkungen in der Flexibilität und im Bewegungsradius der Halswirbelsäule aber auch die Reflexe (lebhaft oder abgeschwächt), pathologische Reflexe (Hoffmann und Trömner Reflexe), Sensibilität, Kraft, Steifheit, Atrophien, Gleichgewicht (Romberg-Zeichen) u.a.. Sodann steht dem Arzt ein umfangreiches Diagnoseverfahren zu Verfügung. Den besten Blick ins Innere des Körpers bietet die Technik: die Röntgenuntersuchung, die Computertomographie (CT) und vor allem die Magnetresonanztomographie (MRT). Die MRT zeigt vor allem Lokalisation und Ausmaß der Bandscheibenabnutzung in der HWS. Außerdem werden hier die Neuralstrukturen und die benachbarten Segmente genau dargestellt. Die MRT zeigt, ob Nervenwurzel und / oder auch Rückenmark betroffen wäre (Ausschluss von Myelopathie).

Vor der Operation können konservative Therapien helfen

In Deutschland werden jährlich 200.000 Menschen an der Halswirbelsäule operiert, um den Druck auf das Rückenmark oder auf die Nervenwurzeln in der HWS zu reduzieren.

Bevor wir Ihnen in der Avicenna Klinik einen operativen Eingriff empfehlen, könnten möglicherweise konservative Therapien vor allem gegen Schmerzen und Verspannungen helfen: Medikamentöse Therapie, Injektionen, Computertomographie (CT)- gesteuerte Spritzen (PRT), Infusionen, Krankengymnastik, Manuelle Therapie, Osteopathie, Elektrotherapie und weitere.

In der Avicenna Klinik bieten wir mehrere individuelle Eingriffe an. Sie alle werden mit dem Patienten in ausführlichen Gesprächen abgesprochen und richten sich grundsätzlich nach dem Schweregrad des Vorfalls, der Stärke der Beschwerden, dem Vorliegen von neurologischem Defizit und Zeichen von Rückenmarksschädigung. Das heißt: Hier wird die Ursache behandelt und nicht nur die Symptome.

Minimal-invasive Perkutane Laser-Diskus-Dekompression (PLDD)

Eine OP-Möglichkeit ist die Minimal-invasive Perkutane Laser-Diskus-Dekompression (PLDD). Die PLDD ist ein besonderes risikoarmes Verfahren, da weder der Wirbelkanal eröffnet werden muss noch umliegendes Gewebe geschädigt oder entfernt wird. Die Dekompression der Bandscheibe per Laser ist ein jahrzehntelang (erstmalig 1987) bewährtes Verfahren, das ständig weiterentwickelt wurde und wird.

Worum geht es bei diesem Eingriff? Das Ziel dieser Behandlung ist die Schrumpfung der Vorwölbung (Protrusion) der Bandscheibe und Entlastung der Neuralstrukturen. Die durch die Degeneration entstandenen schmerzhaften Nervenfasern, die in die Bandscheibe eingedrungen sind, werden durch Laser ausgeschaltet. Vor allem bei starken kleinen Bandscheibenprotrusionen und kleineren Bandscheibenvorfällen der Hals- erzielt die Methode der perkutanen Laser-Diskus-Dekompression (PLDD) sehr gute Erfolge.

Minimal-invasive Perkutane Nukleotomie (PN)

Eine andere Möglichkeit ist die Minimal-invasive Perkutane Nukleotomie (PN). Eine Nukleotomie wird notwendig, wenn durch die vorgefallenen Bandscheibenanteile Nerven abgeklemmt oder bedrängt werden. Diese Methode ist eine gute Option, die an der Halswirbelsäule (HWS) eingesetzt werden kann.

Der minimal-invasive Eingriff dauert etwa 30 bis 45 Minuten, und er hat die großen Vorteile, dass der Wirbelkanal nicht eröffnet wird. Es geht also nicht darum, bei der Perkutanen Nukleotomie die komplette Bandscheibe zu entfernen - vielmehr soll Bandscheibengewebe entfernt werden, um dadurch die bedrängte Nervenwurzel zu entlasten und frei zu legen.

Mikrochirurgie an der Halswirbelsäule

Liegt ein kräftiger Bandscheibenvorfall und / oder eine eindeutige Spinalkanalstenose der Halswirbelsäule vor, dann empfiehlt sich die Mikrochirurgie. Diese HWS-Operation unter Vollnarkose erfolgt im Normalfall von vorn (ventral), über einen querverlaufenden, etwa 5 Zentimeter langen Hautschnitt. Mit Hilfe von speziellem Operationsmikroskop und Mikro-Instrumenten wird die betroffene Bandscheibe entfernt. Der Vorfall bzw. die Verknöcherungen werden dann abgetragen bis zur völligen Entlastung der Neuralstrukturen. Ein Anti-Narben-Gel wird im Op-Feld verabreicht.

Als Ersatz für die betroffene Bandscheibe erfolgt die Implantation von einer Disc-Prothese oder von einem Cage eventuell mit Verplattung. Die Disc-Prothese (künstliche Bandscheibe) erlaubt gute Mobilität des Segments und belastet die benachbarten Segmente deutlich weniger. Die Verplattung (Cage mit Platte) bzw. die Versteifung (Spondylodese) sorgt für Stabilität.

Die Frage Prothese oder Cage? Es gibt strenge Regeln, die bestimmen, ob eine Prothese oder ein Cage/Platte implantiert werden soll. Außer der beiden Optionen ist bei schweren Verschleißstörungen mit erheblichen Deformitäten oder Instabilitäten ein Wirbelkörperersatz mit zusätzlicher Verplattung notwendig.

Patienten mit Allergie auf Titan, Kobalt, Chrom oder Kunststoff (Bestandteil von mehreren Implantaten) profitieren sehr von Carbon-Implantaten, die auch hervorragende Ergebnisse erzielen. Mit Carbon-Implantaten verhindern wir späte allergische Reaktionen.

Selten ist der dorsale Zugang (von hinten) erforderlich, und noch seltener ist eine zusätzliche dorsale Stabilisierung (Verschraubung) notwendig.

Welche Therapie ist die richtige Methode für de Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule?

Welche dieser Therapie-Methoden für die Behandlung des Bandscheibenvorfalls in der Halswirbelsäule in Ihrem Fall in Frage kommt, welche Nachteile und Vorteile für Sie bestehen: Das erfahren Sie beim Gespräch mit unseren Ärzten im Rahmen einer ausführlichen Beratung und nach der neurologischen Untersuchung und Beurteilung Ihrer MRT oder CT Bilder.

Prognose! Wann dürfen Sie wieder arbeiten und Auto fahren?

Die Prognose ist in einem kurzen Satz zusammenzufassen: ALLES WIRD WIEDER GUT! Der Spielverderber der guten Laune ist von Ihrem Neurochirurgen aus dem Körper entfernt worden. Nun ist der Blick wieder nach vorn gerichtet. Und das bedeutet: Am ersten Tag nach der Operation stehen Sie bereits auf - natürlich ist eine Schwester oder ein Pfleger bei Ihnen, denn der Kreislauf ist noch ziemlich schlapp. Eine Halskrause schützt Sie vor unbedachten Halsbewegungen. Unbedingt wichtig: Lassen Sie sich abholen, Sie dürfen selbst nicht ans Steuer. Idealerweise ist während der nächsten vier Wochen Ihr Platz im Auto nicht hinter dem Lenkrad, sondern hinter dem Handschuhfach.

Wie lange Sie am Arbeitsplatz ausfallen? Das kommt auf Ihren Beruf an! Müssen Sie schwer tragen, werden Sie acht Wochen - bis zur vollständigen Ausheilung der Knochenwunde - pausieren müssen. Haben Sie einen Schreibtischjob, kann sich Ihr Chef schon nach 4 Wochen auf Sie freuen. Mit anderen Worten: Ihre Schonzeit ist abhängig vom Genesungsprozess und der körperlichen Beanspruchung am Arbeitsplatz. Sport? Klar, aber kein Fußball, kein Volleyball, kein Skispringen, kein Golf etc. Gehen Sie spazieren, jeder Spaziergang ist Massage für Ihre Halswirbelsäule und Ihre Seele. Erwägen Sie eine Rehabilitation, um Ernährungs- und Arbeitsgewohnheiten zu überdenken.

Noch etwas: Seien Sie geduldig mit sich. Nehmen Sie den nötigen Eingriff an Ihrer Halswirbelsäule, die damit verbundene, nötige Auszeit nicht als Debakel, sondern als Wink des Schicksals, der Ihnen eine Ruhepause verordnet, die Sie sich sonst nie zugestanden hätten.

Dr. med. Munther Sabarini

Autor
Dr. med. Munther Sabarini
Facharzt für Neurochirurgie

Avicenna Klinik Berlin hilft Ihnen gern weiter

Seit dem Jahr 2000 hat die Avicenna Klinik ihren Sitz in Berlin. Unsere Ärzte haben auf ihrem jeweiligen Gebiet (Neurochirurgie, Wirbelsäulenchirurgie, Anästhesie, Orthopädie) jeder mindestens 25 Jahre internationale Erfahrung.

Falls Sie sich mit starken Rückenschmerzen, einem Bandscheibenvorfall oder dem Verdacht auf einen solchen in unserer Klinik vorstellen möchten, nutzen Sie folgenden Kontakt:

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Sie können jederzeit anrufen, eine E-Mail schreiben oder ein Rückrufformular ausfüllen. Jeder Patient bekommt dann einen Termin bei einem Arzt unserer Klinik, der in jedem Fall ein Wirbelsäulenspezialist (Neurochirurg) ist. Anhand von MRT-Bildern (mitgebrachte oder bei uns im Haus erstellte) und einer eingehenden Untersuchung, wird der Arzt mit Ihnen alle verschiedenen Möglichkeiten einer Therapie oder Operation durchsprechen. Sie können unsere Fachärzte auch nur zum Einholen einer (Zweit-)Meinung in Anspruch nehmen.

Wenn Sie sich entscheiden sollten, Ihre Therapie und/oder Operation bei uns in Berlin durchführen zu lassen, wollen wir Ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten. In unserer Klinik stehen Sie als Mensch im Mittelpunkt. Dabei erwartet Sie eine hochmoderne Ausstattung in allen Bereichen – vom Operationssaal bis zum Patientenzimmer.

Neueste, schonende, minimalinvasive Behandlungsverfahren sind der Schwerpunkt unserer Klinik. Gemeinsam versuchen wir, eine geeignete Behandlung Ihrer Beschwerden zu finden. Erst nach ausführlichem Patientengespräch, Untersuchung und Diagnostik erfolgt die eigentliche Therapie. Jeder Patient erhält dadurch eine individuell abgestimmte Behandlung.

Ebenso wichtig wie eine optimale medizinische Betreuung, ist für uns die individuelle menschliche Fürsorge. Während Ihres stationären Aufenthalts steht Ihnen daher unser Pflegepersonal rund um die Uhr zur Verfügung. Außerdem kommunizieren unsere Mitarbeiter in mehreren Sprachen wie Englisch, Arabisch, Bulgarisch, Russisch, Polnisch, Türkisch, und Französisch. Wir kümmern uns um Ihre Sicherheit, respektieren Ihre Wünsche, Traditionen und Ihre Religion.

Unser Team setzt sich aus einem Pool hochqualifizierter Spezialisten zusammen. Sie arbeiten gemeinsam daran, dass Sie schnell wieder gesund werden.