Was ist ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (LWS)?
Ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (LWS) entsteht, wenn ein Teil, der geleeartige Kern der Bandscheibe, „vorfällt“ und auf die Nerven im Rückenmark drückt. Medizinisch wird ein Bandscheibenvorfall in der LWS auch lumbaler Bandscheibenvorfall oder lumbale Diskushernie genannt.
Um einen solchen LWS-Vorfall zu verstehen, sind die Funktion und der Aufbau der Bandscheiben von großer Bedeutung: Die 23 Bandscheiben im menschlichen Körper fungieren wie ein Puffer zwischen den Wirbelkörpern. Jede Bandscheibe ist mit einem Gallertkern (Nucleus pulposus) ausgestattet. Er ist geleeartig und befindet sich umhüllt von einem harten, festen Faserring (Anulus fibrosus) in der Mitte der Bandscheibe.
Mit seinen Lamellen soll der Faserring die Bandscheibe in ihrer Position stabilisieren. Dauerhaft falsche oder zu starke Belastungen sowie altersbedingter Verschleiß wirken sich negativ auf die gesamte Bandscheibe aus: Der Faserriss verliert seine Elastizität und es kommt zu kleinen Einrissen. Durch diese Risse kann ein Teil des weichen Gallertkerns aus dem Ring austreten – und drückt damit auf das Rückenmark mit seinen Spinalnerven.
Wenn das passiert, sprechen wir von einem Bandscheibenvorfall, der meistens mit starken Rückenschmerzen einhergeht. Betroffene eines Bandscheibenvorfalls in der LWS berichten nicht nur von Schmerzen im unteren Rücken. Die Schmerzen strahlen oft in die Beine aus, die Beine kribbeln, sind taub oder wie gelähmt.

Warum ist der Bandscheibenvorfall in der LWS am häufigsten?
Tatsächlich ist der Bandscheibenvorfall in der LWS der Bandscheibenvorfall, der am häufigsten auftritt. Neun von zehn Bandscheibenpatientinnen und -patienten sind davon betroffen. Der Grund für den hohen Anteil an LWS-Bandscheibenvorfällen: Das Gesamtgewicht der Wirbelsäule lastet am stärksten auf den unteren Bandscheiben mit ihren fünf Wirbelkörpern der Lendenwirbelsäule. Das ist auch der Grund, wieso die Lendenwirbelkörper die größten und kräftigsten sind. Doch selbst das kann den Verschleiß durch falsche Bewegungen, das Älterwerden und den modernen Lebensstil verhindern. Deshalb treten die meisten Bandscheiben- und Rückenprobleme im Bereich der LWS auf. Bandscheibenvorfälle in der Halswirbelsäule (HWS) sind wesentlich seltener. Noch seltener sind sie in der Brustwirbelsäule (BWS). 800.000 Mal jährlich stellen Ärzt:innen die Diagnose: Bandscheibenvorfall. Am häufigsten bei Patient:innen zwischen 45 und 55 Jahren.
Aufbau der Lendenwirbelsäule
Den Bereich der Wirbelsäule zwischen der Brustwirbelsäule und dem Kreuzbein bezeichnen wir als Lendenwirbelsäule, kurz LWS. Sie besteht aus fünf Wirbeln und ihren Gelenken sowie aus den, zwischen den Lendenwirbeln liegenden, Bandscheiben.
Auf einem ärztlichen Befund lesen Sie Formulierungen wie L1 oder L4. Das sind die genauen Bezeichnungen der Lendenwirbel. L1 ist der erste, oberste Lendenwirbel. Danach folgen Lendenwirbel 2 (L2), danach L3, L4 und schließlich L5, dem letzten Lendenwirbel vor dem Kreuzbein. Wenn Sie die Bezeichnung L4/L5 sehen, ist dies die Bezeichnung, dass die Bandscheibe zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel vom Vorfall betroffen ist.
Jeder der fünf Wirbel besteht wiederum aus fünf knöchernen Teilen: Das sind ein Wirbelkörper, ein Dornfortsatz, zwei Querfortsätze und ein Wirbelbogen.
Wie die Halswirbelsäule hat die Lendenwirbelsäule eine leichte physiologische Krümmung nach vorne (Lordose). Bei einer übermäßig ausgeprägten Vorwärtskrümmung der Wirbelsäule im Lendenbereich sprechen wir von einem Hohlkreuz. Diese übermäßige Krümmung erzeugt eine noch höhere Belastung auf jeden einzelnen Lendenwirbel.
Kreuzbein und Steißbein befinden sich am Ende der Lendenwirbelsäule. Wie diese Körperteile schmerzen können, wissen alle, die schon einmal mit voller Wucht auf dem Allerwertesten gelandet sind.
Was sind die Ursachen für einen Bandscheibenvorfall in der LWS?
Es gibt nicht die eine Ursache für einen LWS-Bandscheibenvorfall. Vielmehr gibt es mehrere Ursachen, die zu einem lumbalen Bandscheibenvorfall führen können.
Dies sind die häufigsten Ursachen für einen Bandscheibenvorfall der LWS:
- schweres, abruptes Heben oder falsches Drehen
- ein alters- und belastungsbedingter Verschleiß (Degeneration) des Faserrings der Bandscheibe
- Übergewicht, mangelnde Bewegung, ständiges Sitzen, spezifische berufliche Belastungen, denen beispielsweise Berufskraftfahrer ausgesetzt sind
- ruckartige Bewegungen sowie Sportarten (Reiten, Mountainbiking), bei denen die Wirbelsäule erschüttert oder in sich verdreht wird (Tennis, Squash)
- genetisch bedingte Veranlagung und familiäre Vorbelastung; wer von solchen Fällen in der Familie weiß, sollte besonders rückenfreundlich leben und auf eine gesunde Körperhaltung achten
- Unfälle
- Rauchen
- schwache oder geschwächte Muskelkondition, also eine untrainierte Rückenmuskulatur
- rheumatisch entzündliche Erkrankungen, angeborene Fehlbildungen, Infektionen oder Osteoporose (Knochenschwund)
- während der Schwangerschaft aufgrund einer hormonell bedingten Schwäche des Bindegewebes.
- Veränderung der Wirbelsäule, beispielsweise ausgelöst durch Wirbelbrüche, entzündliche Erkrankungen oder auch Tumore
Mit Blick auf diese Liste wird sofort deutlich, weshalb sich ein lumbaler Prolaps nicht auf einen einzelnen Grund zurückführen lässt. Aus jahrelanger Erfahrung mit Bandscheibenvorfällen können wir sagen: Es kommen viele Faktoren zusammen, die dann gemeinsam die Ursache bilden.
Lesen Sie dazu auch unseren ausführlichen Artikel: Häufige Ursachen für einen Bandscheibenvorfall.
Der Bandscheibenvorfall an der LWS und seine Symptome
Die meisten Betroffenen eines Bandscheibenvorfalls der LWS bemerken mehrere Symptome. Dabei kündigt sich ein lumbaler Bandscheibenvorfall oftmals über mehrere Tage mit ausstrahlenden Rückenschmerzen an. Wenn die Schmerzen bis in die Beine ziehen und nicht nach spätestens fünf Tagen aufhören, gilt es einen Facharzt oder eine Fachärztin aufzusuchen und sich untersuchen zu lassen.
Die häufigsten Symptome für einen LWS-Bandscheibenvorfall:
- Heftige Rückenschmerzen, die oft als andauernd, stechend und sich bei Bewegung verstärkend beschrieben werden. Einen Gegenstand vom Boden hochzuheben oder sich nach vorne zu beugen, verstärkt die Rückenschmerzen zusätzlich, genauso wie Niesen oder Husten.
- In vielen Fällen verursacht der Druck des Gallertkerns auf eine Bandscheibe im LWS-Areal Schmerzen, die über das Gesäß bis ins Bein ausstrahlen. Patient:innen klagen oftmals über ein pelziges Taubheitsgefühl. Für sie fühlt es sich an, als würden Ameisen über das Bein laufen. Diese Gefühlsstörungen nennen wir Parästhesien.
- Nicht ausgeschlossen sind Muskelverspannungen im unteren Rücken; eventuell kann es zur Lähmung der Beinmuskulatur, Darmmuskulatur oder Blasenmuskulatur kommen.
- Einige Betroffene stellen fest, dass ihre Reflexe vermindert sind.
- Andere klagen wiederum über ein plötzliches Einknicken des Beines.
- Möglich sind Kälte- und Wärmeempfindungen in den Beinen, die vorher nicht da waren.
- Viele Patient:innen nehmen einen Bandscheibenvorfall in der LWS als einen sogenannten „Hexenschuss“ wahr. Betroffene können dann kaum noch auf den Fersen oder Fußspitzen stehen oder gehen. Wer sich nicht schnell in die Hände eines Facharztes oder einer Fachärztin begibt, sondern stattdessen die Schmerzen mit Schmerzmitteln bekämpft, setzt sich der Gefahr aus, zusätzlich Übelkeit und depressiven Verstimmungen zu erleiden.
Bandscheibenvorfall (LWS) bei L4/5: die Symptome
Bei einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule auf Höhe LWS 4/5 ist die Nervenwurzel L5 betroffen. Deswegen führt der Bandscheibenvorfall LWS 4/5 zu Symptomen wie Rückenschmerzen sowie zu Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen. Der genaue Verlauf dieser Schmerzausstrahlung lässt sich anhand der Nervenbahnen präzise bestimmen: Der Schmerz verläuft über die dorsolaterale Seite des Oberschenkels (hinten-seitlich), anschließend über den vorderen-seitlichen Bereich des Unterschenkels und weiter über den Fußrücken bis zum großen Zeh. In diesem Bereich treten oft Kribbelparästhesien und Gefühlsminderungen auf. Häufig kommt es auch zu einer Muskelschwäche, insbesondere bei der Anhebung des Fußes (Fußheberparese) und des großen Zehs (Großzehe-Heber-Parese). Allerdings kann es hierbei häufig zu individuellen Abweichungen kommen.
Wie erklären sich beim Bandscheibenvorfall der LWS die unterschiedlichen Symptome?
Zwei Faktoren bestimmen bei einem Bandscheibenvorfall der LWS maßgeblich die Symptome; die bei Ihnen auftreten. Von diesen Faktoren ist es abhängig, welche Einschränkungen und Beschwerden bei Betroffenen vorliegen.
- Die genaue Höhe des Bandscheibenvorfalls in der LWS
- Die Frage, ob der gallertartige Bandscheibenkern auf das Rückenmark oder seitlich auf die Spinalnerven drückt
Fachärzt:innen können beim Bandscheibenvorfall der LWS mittels der geäußerten Symptome bereits erste Erkenntnisse zur Position des Prolapses gewinnen. Wie ist das möglich? Die sogenannten Dermatome helfen dabei. Ein Dermatom ist ein genau lokalisierter Hautbereich, der von Spinalnerven eines bestimmten Wirbelsäulenabschnitts sensibel versorgt wird. Wenn beispielsweise Finger kribbeln und sich taub anfühlen, wenn es in den Füßen und Zehen zu Ausfällen kommt, wenn möglicherweise Gangprobleme geschildert werden, bekommt der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin erste Hinweise, in welchem Wirbelsäulenbereich sich der Bandscheibenvorfall ereignet hat und Spinalnerven attackiert.
Spinalnerven sind Teil des sogenannten Peripheren Nervensystems (PNS). Die Hauptaufgabe dieses Nervensystems ist es, den Rest des Körpers mit dem Gehirn zu verbinden. Klagt die betroffene Person über Taubheit, Schmerzen oder andere Symptome, die ab der Taille beginnen und ins Bein ausstrahlen, liegt die Ursache im Lendenwirbelbereich.
Ein konkretes Beispiel bei LWS-Bandscheibenvorfällen: Klagt ein Patient über Gefühlsstörungen, Kribbeln oder Lähmungen, die über den Fuß bis in die Zehenspitzen ausstrahlen, so besteht der Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall zwischen L5 und S1. Wenn eine Patientin über Gefühlsstörungen, Schmerzen und motorische Einschränkungen im Bereich der Hüfte und des Gesäßes klagt, ist vermutlich ein höher liegender Spinalnerv betroffen, zum Beispiel L1.
Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls der Lendenwirbelsäule hängen also in höchstem Maße von der genauen Wirbelposition ab. Bei allem Wissen um die Dermatome und Sensibilitätsstörungen betonen wir jedoch, dass sie erste Hinweise für die Diagnostik geben und keinesfalls eine genauere Diagnostik mit bildgebenden Verfahren, wie dem digitalen Röntgen oder der Magnetresonanztomographie, ersetzen.
Diagnose eines Bandscheibenvorfalls in der Lendenwirbelsäule (LWS)
Um eine Krankheit erfolgreich behandeln zu können, brauchen wir zuerst eine exakte Diagnose: Ohne Diagnose ist eine adäquate Therapie nicht möglich. Ärzte:innen nutzen dafür sowohl ihr medizinisches Wissen, Augen, Ohren und Hände als auch moderne Technologien – wie beispielsweise bildgebende Verfahren wie MRT und CT (Computertomographie).
Anamnese beim LWS-Bandscheibenvorfall
Jede Diagnostik erfordert eine Anamnese. Das Wort Anamnese (griech. anamnesis = „Erinnerung“) umfasst Fragen zu Ihren Beschwerden und Ihrer (Leidens-)Geschichte. In Notfällen ist die Anamnese meist sehr kurz, um (lebens-)wichtige Maßnahmen nicht zu verzögern. Im Normalfall können wir uns bei einem Bandscheibenvorfall in der LWS aber ausreichend Zeit nehmen. Die Fragen, die wir dann stellen, sind unter anderem diese:
- Wo genau befindet sich der Schmerz?
- Wie lange haben Sie bereits Schmerzen?
- Trat der Schmerz plötzlich auf oder hat er sich entwickelt?
- Wie fühlt sich der Schmerz an? Ist er grell, stechend, dumpf?
- Verstärkt sich der Schmerz beim Husten, beim Niesen, bei ruckartigen Bewegungen oder beim Tragen?
- Strahlen die Schmerzen in die Beine und sogar in die Füße aus?
- Empfinden Sie Gefühlsstörungen wie Taubheit oder Kribbeln? Und wenn ja – wo?
Dazu ziehen wir Ihre beruflichen und psychosozialen Umstände im Rahmen der Anamnese in Betracht. Nach dem Gespräch geht es weiter in die Neurologie, denn die meisten Betroffenen erleben neben Schmerzen, auch eine eingeschränkte Reflexe, Sensibilität oder Beweglichkeit. Deswegen überprüfen wir die Reflexe, die Sensibilität, die Beweglichkeit und eventuell die Nervenleitgeschwindigkeit. Je nachdem, ob und wohin die Schmerzen ausstrahlen, können wir daraus Rückschlüsse ziehen, auf welcher Höhe der Wirbelsäule ein Bandscheibenvorfall vorliegt. Dabei kann auch das Wissen um die beschriebenen Dermatome nützlich sein.
Bildgebende Verfahren
Die wichtigsten bildgebenden Verfahren sind das klassische Röntgenbild, die Kernspintomographie (MRT) oder ein Computertomogramm (CT). Das Röntgenbild gibt Aufschluss darüber, ob sich Wirbelkörper gegeneinander verschoben haben, wie die Wirbelstruktur und wie groß der Abstand zwischen den einzelnen Wirbeln ist. In der Avicenna Klinik sind wir in der besonderen Situation, dass wir unseren Patient:innen das sogenannte offene MRT anbieten können. Es ermöglicht sogar Betroffenen, die in herkömmlichen MRTs eine Klaustrophobie entwickeln, die Untersuchung entspannt durchführen zu lassen. Gleichzeitig eignet es sich für Betroffene mit bis zu 250 Kilogramm Körpergewicht.
Was uns das MRT sagt? Es hilft, den Bandscheibenvorfall von anderen Erkrankungen abzugrenzen, die ähnliche Beschwerden verursachen. Mit dem MRT erkennen wir den exakten Ort des Bandscheibenvorfalls in der LWS. So zeigt eine Kernspintomographie diese konkreten Veränderungen: den Bandscheibenvorfall, seine Größe und genaue Lokalisation, das Vorhandensein von Arthrose, Verschleiß, Instabilität und Veränderungen in den Neuralstrukturen (Myelopathie) und gibt uns weitere wichtige Informationen.
Dr. Munther Sabarini zur offenen Kernspintomographie: „Wir gucken quasi im wahrsten Sinne des Wortes in den Körper hinein!“

Welche Therapie wird bei einem Bandscheibenvorfall in der LWS angewandt?
Die Entscheidung zu treffen, welche Therapie bei einem LWS-Bandscheibenvorfall empfohlen wird, ist eine große Verantwortung. Bevor wir Ihnen einen operativen Eingriff empfehlen, können konservative Therapien vor allem gegen Schmerzen und Verspannungen helfen. Diese konservative Therapie umfasst beispielsweise die medikamentöse Therapie, Injektionen, Computertomographie(CT)- gesteuerte Injektionen (PRT), Infusionen, Krankengymnastik, Physiotherapie, manuelle Therapie, Osteopathie, Elektrotherapie und weitere.
Welche Therapie bei einem Bandscheibenvorfall der LWS letztendlich von uns empfohlen wird, hängt individuell von der betroffenen Person ab. Die Entscheidung treffen wir anhand dieser Faktoren:
- Beschwerden: Schmerzen, Missempfindungen, Kraftminderung und/oder Blasenentleerungsstörungen
- Erfolg der bisherigen Therapien und Dauer des Erfolges, Nebenwirkungen der verabreichten Medikamente
- Allgemeinzustand des Patienten: schwere Herzerkrankung, Blutverdünnungsmittel?
- Neurologischer Befund: Liegen Sensibilitätsstörungen, Reflexabweichungen, motorische Ausfälle oder Atrophien vor?
- Ergebnisse der MRT: kleiner oder großer Vorfall, begleitet von Enge, Instabilität?
- Psychosoziale Faktoren: Beruf, Karriere, Versorgung
Aufgrund dieser Orientierungspunkte erörtern wir gemeinsam die verschiedenen Vor- und Nachteile verschiedener Therapiemöglichkeiten und Eingriffe. Erst dann können wir eine klare Empfehlung aussprechen, welches Behandlungskonzept individuell in Frage kommt. Prinzipiell sollte diese nicht nur die Symptome lindern, sondern auch die Ursache beseitigen. Schließlich geht es um dauerhafte Linderung der Schmerzen und darum weitere permanente, irreversible Nervenschäden zu verhindern.
Konservative Behandlung eines LWS-Bandscheibenvorfalls
Bevor wir Ihnen einen operativen Eingriff empfehlen, besprechen wir die Möglichkeiten der konservativen Behandlung eines LWS-Bandscheibenvorfalls.
Dazu gehört neben allgemeiner Schonung die regelmäßig und konsequent durchgeführte Physiotherapie. Um Schonhaltungen zu verhindern und damit die Bewegungsübungen relativ schmerzfrei gemacht werden können, verordnen wir zudem schmerzlindernde Medikamente. Zusätzlich können Wärmeanwendungen, Fango- und Moorpackungen, Massagen und Wassertemperatur helfen. Sie lockern die Rückenmuskulatur, wodurch sich einige schmerzhafte Verspannungen lösen können. Osteopathie und Elektrotherapie können positive Wirkungen haben, sinnvoll können auch CT-gesteuerte Spritzen (PRT) sein, um Rückenschmerzen über einen längeren Zeitraum hinweg zu lindern.
Operation des Bandscheibenvorfalls der LWS
Eine Bandscheibenvorfalloperation erfolgt heutzutage im Rahmen der Mikrochirurgie. Das bedeutet, dass nur ein minimaler Schnitt am Rücken notwendig ist. Dafür arbeiten wir mit einem Mikroskop oder einer Kamera. Der Eingriff dauert etwa 60 Minuten, je nach Lage, Größe und Alter des Bandscheibenvorfalls. Bei diesen Eingriffen entfernen wir die Bandscheibe teilweise oder komplett, abhängig davon, wie stark sich die Bandscheibe vorwölbt und wie stark die Beschwerden sind. Alle Operationstechniken der Mikrochirurgie an der Lendenwirbelsäule haben das Ziel, die gequetschte Nervenwurzel durch die Befreiung von vorgefallenem Bandscheibengewebe zu entlasten.
Die Bandscheibenoperation an der Lendenwirbelsäule kann perkutan endoskopisch (über ein schmales Rohr mit Optik und Lichtquelle) oder mikrochirurgisch realisiert werden. Minimal-invasive Prozeduren sind zum Beispiel die perkutane Laser-Diskus-Dekompression (PLDD) bei kleineren Vorfällen oder die perkutane Nukleotomie (PN).
Die Vorteile der Mikrochirurgie gegenüber der großen klassischen Operation sind offensichtlich für die Betroffenen: Sie bietet einen schonenden Zugang, eine gezielte Freilegung der OP-Stelle und verhindert umfangreiche Narbenbildung. Sie geben Ihnen somit ein größtmögliches Maß an Sicherheit.
Dr. Munther Sabarini über mikrochirurgische Bandscheibenoperationen: „Die Erfolgsquote bei so einer Operation, die im Normalfall risikoarm ist und ohne Komplikationen verläuft, spricht für sich: 95 Prozent aller Operierten erleben nach dem Eingriff sofort eine Besserung der Symptome. Und das ist genau das Ergebnis, was sich letztendlich Patient und Chirurg wünschen.“
Mithilfe einer Bandscheiben-Zell-Transplantation ist es uns jetzt erstmals möglich, das Volumen der Bandscheiben zu erhalten und die Elastizität des Faserrings wiederherzustellen. Das ist durch eine biologische Erneuerung des Bandscheibengewebes möglich.
Individuelle Anpassung der Therapie
Welche von all diesen und anderen Methoden in Ihrem Fall in Frage kommt, besprechen Sie im Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt, Dr. Munther Sabarini, individuell. Sollte ein operativer Eingriff nötig werden, bespricht er genau, welche Bandscheibenoperation für Sie infrage kommt. Allgemein ist bekannt, dass sich so mancher Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule ohne Operation „erledigt“. Weil es aber dennoch sehr häufig zu einem operativen Eingriff kommt, ist die Operation eines lumbalen Bandscheibenvorfalls der häufigste chirurgische Eingriff an der Lendenwirbelsäule.
Bandscheibenvorfall in der LWS in Berlin behandeln lassen
Sie leiden an Rückenschmerzen und möchten eine ausführliche Diagnostik? Sie haben bereits einen diagnostizierten Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule und sind auf der Suche nach weiteren Therapieoptionen, die Ihre Beschwerden lindern? Unser erfahrenes Team nimmt sich gerne Zeit für eine ausführliche Diagnostik und eine anschließende professionelle Behandlung, damit Sie Ihren Alltag bald wieder schmerzfrei und wie gewohnt aufnehmen können. Fragen Sie jetzt über das Kontaktformular einen Termin an und wir melden uns innerhalb des nächsten Werktages bei Ihnen.
Wann kann ich nach einem Bandscheibenvorfall (LWS) wieder arbeiten und Sport treiben?
Sie werden nach einem lumbalen Bandscheibenvorfall wieder arbeiten und selbstverständlich wieder Sport treiben können und dürfen. Tatsächlich ist sogar nahezu jede sportliche Aktivität nach der konservativen oder chirurgischen Therapie von Nutzen. Die Heilungschancen für ebenfalls Bandscheibenvorfälle sind gut, solange die Nerven schnell genug entlastet werden, die Therapie also frühestmöglich nach dem Auftreten der ersten Symptome beginnt.
Im Wesentlichen dürfen unsere Patientinnen und Patienten wenige Tage nach der Operation wieder nach Hause. Sie sollten allerdings nicht selbst Auto fahren, sondern sich abholen lassen. Danach beginnen sechs Schon-Wochen, damit im inneren und äußeren OP-Feld ein guter Heilungsprozess einsetzt.
Schonung heißt jedoch keineswegs strikte Bettruhe. Noch in der Klinik beginnen physiotherapeutische Behandlungen. Danach erfolgt eine ambulante Krankengymnastik. Manche Patient:innen entscheiden sich für eine stationäre Anschlussheilbehandlung. Der Vorteil: Hier achten Therapeuten und Therapeutinnen im Rahmen einer persönlichen Betreuung darauf, dass die Reha-Übungen auch korrekt und in regelmäßigen Abständen gemacht werden. Wer seine Übungen ambulant beziehungsweise zu Hause macht, sollte wissen, dass der Grad der Besserung unter anderem stark vom Ausmaß des Bandscheibenvorfalls und seinen neurologischen Schädigungen abhängt. Obendrein sind Disziplin und Eigeninitiative des ebenso notwendig wie sinnvoll.
Bewegung hilft bei der Rehabilitation
Bewegung, Bewegung, Bewegung – das ist die Zauberformel, die Sie schnell wieder auf die Beine bringt. Wandern, Spaziergänge und Radfahren sind Bewegungen, die sich in der Reha-Phase bezahlt machen. Achten Sie beim Wandern auf gutes Schuhwerk mit weichen, dicken Sohlen zur Entlastung der Wirbelsäule. Außerdem sind drei kurze Spaziergänge besser als ein sehr langer. Auch isometrische Übungen, sogenannte Muskeln gleichmäßig anspannende Spannungsübungen, können Ihnen helfen. Dabei werden die Muskeln aktiviert, die den Rumpf und somit Ihren Rücken stabilisieren und weitere Bandscheibenvorfälle verhindern können. Duschen ist bereits in der ersten Woche nach der OP erlaubt, allerdings keine Wannenbäder.
Wenn Sie sich in der Rehaphase einerseits nicht über- und andererseits nicht unterfordern, werden Sie einen guten Monat nach der Operation wieder arbeiten können. Die Schmerzen, die Ihnen zuvor das Leben schwer gemacht haben, sind dann Vergangenheit.
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Die Diagnostik und Behandlung von Bandscheibenvorfällen ist eines der Spezialgebiete der Avicenna Klinik. In unseren Artikeln zu dieser Wirbelsäulenerkrankung stellen wir Ihnen unser Wissen gern zur Verfügung.
Informationen zum Artikel
Der Artikel wurde zuletzt am 12.12.2023 geprüft und aktualisiert.
Über den Autor
Dr. med. Munther Sabarini ist Direktor und Gründer der Avicenna Klinik. Der Facharzt der Neurochirurgie hat sich insbesondere auf die Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen spezialisiert. Mit mehr als 30 Jahre Berufserfahrung behandelte er über 30.000 Patientinnen und Patienten.
Qualitätsrichtlinien für Inhalte der Avicenna Klinik
Alle Texte und Inhalte werden von medizinisch ausgebildeten, erfahrenen Experten auf diesem Fachgebiet verfasst. Erfahren Sie mehr über unsere Qualitätsrichtlinien für Inhalte.
Quellenangaben und weiterführende Literatur
Dt. Ges. f. Orthopädie und orthopäd. Chirurgie + BV d. Ärzte f. Orthopädie (Hrsg.): Leitlinien der Orthopädie. Dt. Ärzte-Verlag, 2. Auflage, Köln 2002.
Jürgen Krämer, Robert Krämer & Jörg Herdmann: Mikrochirurgie der Wirbelsäule. Georg Thieme Verlag KG, 6. Auflage, Stuttgart, 2005.
H.S. Füeßl: Wie sich ein Bandscheibenvorfall ohne Operation zurückbildet. MMW-Fortschritte der Medizin, 158(12), Springer Medizin, 2016.
W. Börm & F. Meyer. Spinale Neurochirurgie: Operatives Management von Wirbelsäulenerkrankungen. Schattauer. 1. Edition, Stuttgart 2008
Avicenna Klinik Berlin bei Bandscheibenvorfällen und mehr
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