Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (LWS)

Was ist ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (LWS)?

Ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (LWS) ist ein Durchbruch eines Teiles des Gallertkerns der Bandscheibe durch ihren Faserring. Medizinisch wird ein Bandscheibenvorfall in der LWS auch lumbaler Bandscheibenvorfall oder lumbale Diskushernie genannt.

Um einen solchen LWS-Vorfall zu erklären, muss man die Funktion und den Aufbau der Bandscheiben verstehen: Die 23 Bandscheiben im menschlichen Körper fungieren wie ein Puffer zwischen den Wirbelkörpern. Jede Bandscheibe ist mit einem Gallertkern (Nucleus pulposus) ausgestattet, der wiederum von einem harten, festen Faserring (Anulus fibrosus) umhüllt ist. Mit seinen Lamellen soll der Faserring die Bandscheibe in ihrer Position stabilisieren. Bei dauerhafter falscher oder zu starker Belastung und altersbedingtem Verschleiß kommt es zur Minderung der Elastizität und zu kleinen Einrissen im äußeren Faserring. Dadurch kann ein Teil des Gallertkerns aus dem Ring austreten, in den Wirbelkanal gelangen und auf das Rückenmark mit seinen Spinalnerven drücken. Wenn das passiert, sprechen wir von einem Bandscheibenvorfall, der normalerweise sehr schmerzhaft ist. Die Schmerzen können bei den Betroffenen in Arme und Beine ausstrahlen, Kribbeln, Taubheit und Lähmungen können hinzukommen.

Warum ist der Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule am häufigsten?

Tatsächlich ist der Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule der, der am häufigsten auftritt. Neun von zehn Bandscheibenpatienten sind davon betroffen. Der Grund für den hohen Anteil an LWS Bandscheibenvorfällen: Das Gesamtgewicht der Wirbelsäule lastet am stärksten auf den unteren Bandscheiben mit ihren fünf Wirbelkörpern der Lendenwirbelsäule. Einerseits hat die Natur sie besonders kräftig ausgestattet, andererseits sind sie am häufigsten vom Verschleiß betroffen. Weniger häufig fallen Schäden in der Halswirbelsäule (HWS) an, noch seltener in der Brustwirbelsäule (BWS). Allein 800.000 Mal jährlich wird die Diagnose Bandscheibenvorfall gestellt. Am häufigsten erhalten Patienten zwischen 45 und 55 Jahren diese Diagnose.

Aufbau der Lendenwirbelsäule (LWS)

Der Bereich der Wirbelsäule zwischen der Brustwirbelsäule und dem Kreuzbein wird als Lendenwirbelsäule (LWS) bezeichnet. Sie besteht aus fünf Wirbeln und ihren Gelenken sowie aus den zwischen den Lendenwirbeln liegenden Bandscheiben.

Wenn Ärzte ein Rezept ausschreiben oder beispielsweise einen Entlassungsbefund formulieren, dann zählen sie von oben nach unten, das bedeutet: Oben liegt der L1, es folgen L2, L3, L4 und L5. Die fünf Wirbel bestehen wiederum aus fünf knöchernen Teilen. Das sind ein Wirbelkörper, ein Dornfortsatz, zwei Querfortsätze und ein Wirbelbogen. Die Lendenwirbelsäule hat, wie die Halswirbelsäule, eine physiologische Krümmung nach vorne (Lordose). Bei einer übermäßig ausgeprägten Vorwärtskrümmung der Wirbelsäule im Lendenbereich kommt es zum Hohlkreuz. 

Kreuzbein und Steißbein befinden sich am Ende der Lendenwirbelsäule. Wie diese Körperteile schmerzen können, weiß ein jeder, der schon mal mit voller Wucht auf seinem Allerwertesten gelandet ist.

Welches sind die Ursachen für einen Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule?

Es gibt nicht die eine Ursache für einen LWS Bandscheibenvorfall. Vielmehr gibt es mehrere Ursachen, die zu einem lumbalen Bandscheibenvorfall führen können.

Die häufigsten Ursachen für einen Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule:

  • Schweres, abruptes Heben oder falsches Drehen.
  • Ein alters- und belastungsbedingter Verschleiß (Degeneration) des Bindegeweberinges der Bandscheibe
  • Übergewicht, mangelnde Bewegung, ständiges Sitzen, spezifische berufliche Belastungen, denen beispielsweise Berufskraftfahrer ausgesetzt sind.
  • Ruckartige Bewegungen sowie Sportarten (Reiten, Mountainbiking), bei denen die Wirbelsäule erschüttert oder in sich verdreht wird (Tennis, Squash).
  • Genetisch bedingt, also Veranlagung, familiäre Vorbelastung. Wer von solchen Fällen in der Familie weiß, sollte besonders rückenfreundlich leben und auf eine gesunde Körperhaltung achten.
  • Unfälle
  • Rauchen
  • Schwache oder geschwächte Muskelkondition, also untrainierte Rückenmuskulatur
  • Rheumatisch entzündliche Erkrankungen, angeborene Fehlbildungen, Infektionen oder Osteoporose (Knochenschwund)
  • Während der Schwangerschaft aufgrund einer hormonell bedingten Schwäche des Bindegewebes.
  • Eine Veränderung der Wirbelsäule, beispielsweise ausgelöst durch Wirbelbrüche, entzündliche Erkrankungen oder auch Tumore, kann ein Auslöser für einen LWS-Bandscheibenvorfall sein.

Mit Blick auf diese Liste, wird sofort deutlich, weshalb sich ein lumbaler Prolaps nicht auf einen einzelnen Grund zurückführen lässt. Erfahrungsgemäß kommen viele Faktoren zusammen, die dann gemeinsam die Ursache bilden.

Welche Symptome deuten auf einen Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule hin?

Bei den Symptomen der LWS Bandscheibenvorfälle verhält es sich wie bei den Ursachen: Es gibt nicht das Symptom, das auf einen Bandscheibenvorfall an der LWS hindeutet, sondern meistens mehrere Symptome. Grundsätzlich sollten Sie bedenken: Oftmals kündigt sich ein lumbaler Bandscheibenvorfall über mehrere Tage mit ausstrahlenden Rückenschmerzen an. Wenn die Schmerzen bis in die Beine ziehen und nicht nach spätestens fünf Tagen aufhören, sollten Sie zu einem Facharzt gehen und sich untersuchen lassen.

Die häufigsten Symptome für einen LWS Bandscheibenvorfall:

  • Heftige Rückenschmerzen, die oft als andauernd, stechend und sich bei Bewegung verstärkend beschrieben werden. Sie verstärken sich ebenfalls sehr ausgeprägt, wenn der Betroffene etwas hochhebt oder sich nach vorn beugt. Auch durch Niesen oder Husten können sich die Rückenschmerzen verstärken.
  • In vielen Fällen verursacht der Druck des Gallertkerns auf eine Bandscheibe im LWS-Areal Schmerzen, die über das Gesäß bis ins Bein ausstrahlen. Patienten klagen oftmals über ein pelziges Taubheitsgefühl. Es fühlt sich an, als würden Ameisen über das Bein laufen. Diese Gefühlsstörungen nennen wir Parästhesien.
  • Nicht ausgeschlossen sind Muskelverspannungen im unteren Rücken, eventuell kann es zur Lähmung der Beinmuskulatur, Darmmuskulatur oder Blasenmuskulatur kommen.
  • Manche Patienten schildern, dass ihre Reflexe vermindert sind. 
  • Manche Menschen klagen auch über plötzliches Einknicken des Beines.
  • Möglich sind auch Kälte- und Wärmeempfindungen in den Beinen, die vorher nicht da waren.
  • Viele Patienten nehmen einen Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule als einen "Hexenschuss" wahr, können kaum noch auf den Fersen oder Fußspitzen stehen oder gehen. Wer sich nicht schnell in die Hände eines Facharztes begibt, sondern stattdessen die Schmerzen mit Schmerzmitteln bekämpft, setzt sich der Gefahr aus, zusätzlich unter Übelkeit und depressiven Verstimmungen zu leiden.

Wie erklären sich die unterschiedlichen Symptome?

Zwei Faktoren bestimmen maßgeblich die genauen Symptome bei einem LWS Bandscheibenvorfall. Von ihnen ist abhängig, welche Einschränkungen und Beschwerden bei Betroffenen vorliegen.

  • Die Höhe des Bandscheibenvorfalls in der LWS
  • Die Frage, ob das ausgetretene Material auf das Rückenmark oder seitlich auf die Spinalnerven drückt

Fachärzte können mittels der geäußerten Symptome bereits erste Erkenntnisse zur Position des Prolapses gewinnen. Wie ist das möglich? Die sogenannten Dermatome helfen dem Spezialisten dabei. Ein Dermatom ist ein genau lokalisierter Hautbereich, der von Spinalnerven eines bestimmten Wirbelsäulenabschnitts sensibel versorgt wird. Wenn beispielsweise Finger kribbeln und sich taub anfühlen, wenn es in den Füßen und Zehen zu Ausfällen kommt, wenn möglicherweise Gangprobleme vom Patienten gemeldet werden, dann bekommt der Arzt erste Hinweise, in welchem Wirbelsäulenbereich sich der Bandscheibenvorfall ereignet hat und Spinalnerven attackiert.

Spinalnerven sind Teil des sogenannten Peripheren Nervensystems (PNS). Die Hauptaufgabe dieses Nervensystems ist es, den Rest des Körpers mit dem Gehirn zu verbinden. Klagt der Patient über Ausfälle, die ab der Taille beginnen und mit einer Ausstrahlung ins Bein verbunden sind, liegt die Ursache im Lendenwirbelbereich.

Ein genaueres Beispiel bei LWS Bandscheibenvorfällen: Klagt ein Patient über Gefühlsstörungen, Kribbeln oder Lähmungen, die über den Fuß bis in die Zehenspitzen ausstrahlen, so besteht der Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall zwischen L5 und S1. Wenn ein Patient über Gefühlsstörungen, Schmerzen und motorische Einschränkungen im Bereich der Hüfte und des Gesäßes verspürt verspürt, ist vermutlich ein höher liegender Spinalnerv betroffen (z.B. L1).

Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls der Lendenwirbelsäule hängen also in höchstem Maße von der genauen Wirbelposition ab. Bei allem Wissen um die Dermatome und Sensibilitätsstörungen muss man jedoch betonen: Sie geben dem Doktor erste Hinweise für die Diagnostik. Sie ersetzen aber keinesfalls eine MRT-Untersuchung.

Diagnose eines Bandscheibenvorfalls in der Lendenwirbelsäule (LWS)

Um eine Krankheit erfolgreich behandeln zu können, muss der Arzt erst einmal eine exakte Diagnose stellen. Ohne Diagnose kann man keine Therapie starten. Um eine Diagnose zu stellen, nutzt der Doktor sein medizinisches Wissen, seine Augen, seine Ohren, seine Hände - und die modernste Technik, die heute zur Verfügung steht. Das sind die bildgebenden Verfahren wie MRT und Computertomographie (CT).

Anamnese

Um eine Diagnostik zu stellen beginnen Ärzte mit der sogenannten Anamnese. Das Wort Anamnese (griech. anamnesis = „Erinnerung“) umfasst das Erfragen und die Aufzeichnung der Beschwerden und (Leidens-)Geschichte des Patienten. In Notfällen ist die Anamnese meist sehr kurz, um (lebens-)wichtige Maßnahmen nicht zu verzögern. In Normalsituationen nehmen wir uns für eine Anamnese ausreichend Zeit. Die Fragen, die wir stellen, sind etwa diese: Wo genau liegt der Schmerz? Wie lange haben Sie bereits Schmerzen? Trat der Schmerz plötzlich auf, oder hat er sich entwickelt? Wie fühlt sich der Schmerz an? Ist er grell, stechend, dumpf? Verstärkt sich der Schmerz beim Husten, beim Niesen, bei ruckartigen Bewegungen? Beim Tragen? Strahlen die Schmerzen in die Beine und sogar in die Füße aus? Empfinden Sie Gefühlsstörungen wie Taubheit oder Kribbeln? Und wenn ja - wo?  Auch berufliche und psychosoziale Umstände werden bei der Anamnese in Betracht gezogen.

Nach dem Gespräch geht es für den Patienten in die Neurologie, denn eine eingehende neurologische Untersuchung ist notwendig. Dazu überprüft der Arzt die Reflexe, die Sensibilität, die Beweglichkeit und eventuell die Nervenleitgeschwindigkeit. Je nachdem, ob und wohin die Schmerzen ausstrahlen, kann der Arzt Rückschlüsse daraus ziehen, auf welcher Höhe der Wirbelsäule ein Bandscheibenvorfall vorliegt. Dabei kann auch das Wissen um die beschriebenen Dermatome kann nützlich sein.

Bildgebende Verfahren

Die wichtigsten bildgebenden Verfahren sind das klassische Röntgenbild, die Kernspintomographie (MRT) oder ein Computertomogramm (CT). Das Röntgenbild gibt Aufschluss darüber, ob sich Wirbelkörper gegeneinander verschoben haben, wie die Wirbelstruktur ist, wie groß der Abstand zwischen den einzelnen Wirbeln ist. In der Avicenna Klinik sind wir in der besonderen Situation, dass wir unseren Patienten das sogenannte offene MRT anbieten können. Es ermöglicht uns, auch klaustrophobische Patienten oder solche bis 250 Kilogramm komfortabel zu untersuchen.

Was uns das MRT sagt?  Es hilft, den Bandscheibenvorfall von anderen Erkrankungen abzugrenzen, die ähnliche Beschwerden verursachen. Mit dem MRT kann man den exakten Ort des Bandscheibenvorfalls in der Lendenwirbelsäule feststellen. Eine Kernspintomographie (MRT) zeigt die konkreten Veränderungen: Bandscheibenvorfall, seine Größe und genaue Lokalisation, das Vorhandensein von Arthrose, Verschleiß, Instabilität und Veränderungen in den Neuralstrukturen (Myelopathie) und gibt uns weitere wichtige Informationen.

Dr. Munther Sabarini: „Wir gucken quasi im wahrsten Sinne des Wortes in den Körper hinein!“

Welche Therapie wird bei einem Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule angewandt?

Die Entscheidung zu treffen, welche Therapie bei einem LWS Bandscheibenvorfall empfohlen wird, ist eine große Verantwortung. Bevor wir Ihnen in der Avicenna Klinik einen operativen Eingriff empfehlen, könnten möglicherweise konservative Therapien vor allem gegen Schmerzen und Verspannungen helfen, beispielsweise: Medikamentöse Therapie, Injektionen, Computertomographie (CT)- gesteuerte Spritzen (PRT), Infusionen, Krankengymnastik, Physiotherapie, Manuelle Therapie, Osteopathie, Elektrotherapie und weitere.

Welche Therapie bei einem Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule letztendlich von uns empfohlen wird, muss aufgrund folgender Faktoren getroffen werden:

  • Beschwerden: Schmerzen, Missempfindungen, Kraftminderung und/oder Blasenentleerungsstörungen.
  • Erfolg der bisherigen Therapien und Dauer des Erfolges, Nebenwirkungen der verabreichten Medikamente.
  • Allgemeinzustand des Patienten: schwere Herzerkrankung, Blutverdünnungsmittel?
  • Neurologischer Befund: Liegen Sensibilitätsstörungen, Reflexabweichungen, motorische Ausfälle oder Atrophien vor?
  • Ergebnisse der MRT: kleiner oder großer Vorfall, begleitet von Enge, Instabilität?
  • Psychosoziale Faktoren, Beruf, Karriere, Versorgung.

Aufgrund dieser Faktoren werden die Vorteile und Nachteile verschiedener Therapiemöglichkeiten und Eingriffe genau erläutert. Dann kann eine klare Empfehlung ausgesprochen werden, welches Behandlungskonzept in Frage kommt. Dieses sollte nicht nur die Symptome lindern, sondern auch die Ursache beseitigen. Schließlich geht es um dauerhafte Linderung der Schmerzen und um weitere permanente irreversible Nervenschäden zu verhindern.

Konservative Behandlung eines LWS Bandscheibenvorfalls

Bevor wir in der Avicenna Klinik einen operativen Eingriff empfehlen, besprechen wir mit den Patienten die konservative Behandlung eines LWS Bandscheibenvorfalls.

Zur konservativen Behandlung gehört neben allgemeiner Schonung regelmäßig und konsequent durchgeführte Physiotherapie. Um Schonhaltungen zu verhindern und damit die Bewegungsübungen relativ schmerzfrei gemacht werden, verordnen wir schmerzlindernde Medikamente. Zusätzlich können Wärmeanwendungen, Fango- und Moorpackungen, Massagen und Wassertemperatur helfen. Sie lockern die Rückenmuskulatur, dadurch wiederum können schmerzhafte Verspannungen gelöst werden. Osteopathie und Elektrotherapie können positive Wirkungen haben, sinnvoll können auch CT-gesteuerte Spritzen (PRT) sein.

Operation des Bandscheibenvorfalls LWS

Eine Bandscheibenoperation erfolgt heutzutage mikrochirurgisch, dass heißt über einen kleinen Schnitt am Rücken und unter Verwendung eines Mikroskops oder einer Kamera. Der Eingriff dauert etwa 60 Minuten, je nach Lage, Größe und Alter des Bandscheibenvorfalls. Dabei wird die Bandscheibe teilweise oder komplett entfernt. Alle minimalinvasiven Operationstechniken haben das Ziel, die gequetschte Nervenwurzel durch die Befreiung von vorgefallenem Bandscheibengewebe zu entlasten. 

Die Bandscheibenoperation an der Lendenwirbelsäule kann perkutan endoskopisch (über ein schmales Rohr mit Optik und Lichtquelle) oder mikrochirurgisch realisiert werden. Minimal-invasive Prozeduren sind zum Beispiel die perkutane Laser-Diskus-Dekompression (PLDD) bei kleineren Vorfällen oder die perkutane Nukleotomie (PN).

Mithilfe einer Bandscheiben-Zell-Transplantation kann jetzt erstmals das Volumen der Bandscheiben erhalten und die Elastizität wiederhergestellt werden - durch eine biologische Erneuerung des Bandscheibengewebes.

Individuelle Anpassung der Therapie

Welche von all diesen und anderen Methoden in Ihrem Fall in Frage kommt, wird beim Gespräch mit dem Arzt individuell mit Ihnen besprochen. Sollte ein operativer Eingriff nötig werden, bespricht er genau, welche Bandscheibenoperation für Sie infrage kommt. Allgemein ist bekannt, dass sich so mancher Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule ohne Operation ‚erledigt‘. Weil es aber dennoch sehr häufig zu einem operativen Eingriff kommt, ist die Operation eines lumbalen Bandscheibenvorfalls der häufigste chirurgische Eingriff an der Lendenwirbelsäule. 

Die Vorteile der Mikrochirurgie gegenüber der großen klassischen Operation sind offensichtlich für den Patienten: Sie bietet einen schonenden Zugang, eine gezielte Freilegung der OP-Stelle und verhindert umfangreiche Narbenbildung. Sie gibt dem Patienten somit ein größtmögliches Maß an Sicherheit.

Dr. Munther Sabarini: „Die Erfolgsquote bei so einer Operation, die im Normalfall risikoarm ist und ohne Komplikationen verläuft, spricht für sich: 95 Prozent aller Operierten erleben nach dem Eingriff sofort eine Besserung der Symptome. Und das ist genau das Ergebnis, was sich letztendlich Patient und Chirurg wünschen.“

Wann kann ich nach einem Bandscheibenvorfall LWS wieder arbeiten und Sport treiben?

Sie werden nach einem lumbalen Bandscheibenvorfall wieder arbeiten und selbstverständlich wieder Sport treiben können und dürfen. Nahezu jede sportliche Aktivität ist nach der konservativen oder chirurgischen Therapie von Nutzen. Die Heilungschancen für Bandscheibenvorfälle sind gut, solange die Nerven schnell genug entlastet werden.

Grundsätzlich gilt: Die Patienten dürfen wenige Tage nach der Operation wieder nach Hause. Sie sollten nicht selbst Auto fahren, sondern sich abholen lassen. Und sechs Wochen lang muss sich der Patient nach dem Eingriff schonen, damit im inneren und äußeren OP-Feld ein guter Heilungsprozess einsetzen kann.

Noch in der Klinik beginnen physiotherapeutische Behandlungen. Verordnet wird normalerweise eine ambulante Krankengymnastik, manche Patienten entscheiden sich für eine stationäre Anschlussheilbehandlung. Der Vorteil: Hier achten Therapeuten und Therapeutinnen im Rahmen einer persönlichen Betreuung darauf, dass die Reha-Übungen auch korrekt und in regelmäßigen Abständen gemacht werden. Wer seine Übungen ambulant bzw. zu Hause macht, sollte wissen, dass der Grad der Besserung u.a. stark vom Ausmaß des Bandscheibenvorfalls und seinen neurologischen Schädigungen abhängt. Obendrein sind Disziplin und Eigeninitiative des Patienten notwendig und sinnvoll.

Bewegung hilft bei der Rehabilitation

Bewegung, Bewegung, Bewegung - das ist die Zauberformel, die Sie schnell wieder auf die Beine bringt. Wandern, walken, Radfahren, das sind Bewegungen, die sich in der Reha-Phase positiv bezahlt machen. Achten Sie beim Wandern auf gutes Schuhwerk mit weichen, dicken Sohlen zur Entlasung der Wirbelsäule. Außerdem: Drei kurze Spaziergänge sind besser als ein sehr langer! Auch isometrische Übungen, sogenannte Muskeln gleichmäßig anspannende Spannungsübungen, werden Ihnen helfen. Dabei werden die segmentalen, stabilisierenden Muskeln des Rumpfes aktiviert. Duschen ist bereits in der ersten Woche nach der OP erlaubt, allerdings keine Wannenbäder!

Wenn Sie sich in der Rehaphase einerseits nicht über- und andererseits nicht unterfordern, werden Sie einen guten Monat nach der Operation wieder an Ihrem Arbeitsplatz sein. Und die Schmerzen, die Ihnen das Leben schwer gemacht haben, sind Vergangenheit.

Dr. med. Munther Sabarini

Autor
Dr. med. Munther Sabarini
Facharzt für Neurochirurgie

Informationen zum Artikel

Der Artikel wurde zuletzt am 21.07.2022 geprüft und aktualisiert.

Über den Autor

Dr. med. Munther Sabarini ist Direktor und Gründer der Avicenna Klinik. Der Facharzt der Neurochirurgie hat sich insbesondere auf die Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen spezialisiert. Dr. Munther Sabarini hat mehr als 30 Jahre Berufserfahrung. In dieser Zeit behandelte er über 30.000 Patienten.

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Quellenangaben und weiterführende Literatur

  • Dt. Ges. f. Orthopädie und orthopäd. Chirurgie + BV d. Ärzte f. Orthopädie (Hrsg.): Leitlinien der Orthopädie. Dt. Ärzte-Verlag, 2. Auflage, Köln 2002.

  • Jürgen Krämer, Robert Krämer & Jörg Herdmann: Mikrochirurgie der Wirbelsäule. Georg Thieme Verlag KG, 6. Auflage, Stuttgart, 2005.

  • H.S. Füeßl: Wie sich ein Bandscheibenvorfall ohne Operation zurückbildet. MMW-Fortschritte der Medizin, 158(12), Springer Medizin, 2016.

  • W. Börm & F. Meyer. Spinale Neurochirurgie: Operatives Management von Wirbelsäulenerkrankungen. Schattauer. 1. Edition, Stuttgart 2008

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