Schwindel bei Bandscheibenvorfällen

Schwindel und Schwindelgefühl bei Bandscheibenvorfällen

Ein Bandscheibenvorfall kann sich, je nach Lage und Intensitätsgrad, mit ganz unterschiedlichen Symptomen bemerkbar machen. Ein Symptom, das regelmäßig von Patienten im Zusammenhang mit einem Bandscheibenvorfall genannt wird, ist das Schwindelgefühl.

Tauchen die Beschwerden des Schwindels das erste Mal auf, wird oftmals weder vom Patienten noch vom behandelnden Arzt direkt an die Wirbelsäule gedacht. Vielmehr wird zumeist eine allgemeine körperliche Schwäche vermutet. Diesem Symptom des Schwindelgefühls oder sogar Schwindelanfällen genau nachzugehen, ist gar nicht so einfach: Schwindel kann in ganz unterschiedlichen Formen auftreten und ist das Leitsymptom zahlreicher Krankheiten und Erkrankungen.

Wie kann also aus einem Schwindelgefühl ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert werden? Und was haben unsere menschlichen Nerven damit zu tun?

Die verschiedenen Formen des Schwindelgefühls

Schwindel äußert sich in vielfältigen Formen. Die Beschwerden sind dabei unter anderem abhängig von der allgemeinen physischen und psychischen Verfassung des Patienten und der genauen Erkrankung, die hinter diesem Symptom steckt.

Schwindelgefühle können spontan ohne ersichtlichen Grund auftreten (episodischer Schwindel) oder aber auch regelmäßig und fortwährend zutage treten.

Schwindel und Gleichgewichtsstörungen gibt es in unterschiedlichen Ausprägungen. Die Betroffenen fühlen sich als würden sie Karussell fahren und die Umgebung dreht sich. Weitere Patienten berichten, dass regelmäßig ein Schwanken auftritt. Stark ausgeprägte Schwindelanfälle gehen einher mit gestörten Funktionen der Augenmuskulatur (Nystagmus), der Wahrnehmung von Scheinbewegungen und der Kombination aus verschiedenen weiteren Beschwerden, wie etwa Übelkeit, Erbrechen und starkem Schwitzen.

Schwindel als Symptom eines Bandscheibenvorfalls

Es gibt drei verschiedene Arten von Bandscheibenvorfällen:

Schwindel tritt im Normalfall nur bei einer Art des Bandscheibenvorfalls als Symptom auf: Dem Vorfall der Halswirbelsäule (HWS). Sollte es bei einem LWS oder BWS Prolaps zu Schwindelgefühl kommen, so ist dies in den allermeisten Fällen auf die Schmerzen oder Medikation zurückzuführen. Das austretende Material des Gallertkerns durch den Faserring ist hierfür jedoch nicht der Auslöser.

Ebenfalls wichtig für Ihr Verständnis: Wenn Sie unter Schwindel leiden, bedeutet das nicht automatisch, dass Sie einen Bandscheibenvorfall erlitten haben. Sie sollten sich jedoch in jedem Fall von einem Arzt untersuchen lassen, denn Schwindelgefühle können auf ganz unterschiedliche Krankheiten hinweisen. Dazu zählen Erkrankungen der Ohren, Herz- und Kreislauf-Krankheiten, neurologische Störungen, aber auch psychische Erkrankungen wie etwa Angststörungen.

Unsere Wirbelsäule besteht aus 7 Halswirbeln, 12 Brustwirbeln, 5 Lendenwirbeln und dem Kreuzbein. Insgesamt 23 Bandscheiben sind zwischen den Wirbeln angeordnet und schützen die Wirbelsäule und das Rückenmark durch ihre Pufferfunktion.

Nicht ohne Grund treten Schwindelattacken und das allgemeine Schwindelgefühl am häufigsten bei Bandscheibenvorfällen in der Nähe des Kopfes auf. Es hängt mit den Spinalnerven zusammen, die vom Rückenmark abzweigen und bei einem Bandscheibenvorfall eingeengt werden können. Im Bereich der Brustwirbelsäule und insbesondere der Halswirbelsäule verlaufen viele Nervenbahnen, die direkten Einfluss auf die menschlichen kognitiven Fähigkeiten haben und für unsere Wahrnehmungsfähigkeit verantwortlich sind. Beeinträchtigungen dieser Nerven können unter anderem zu Schwindelgefühlen führen.

Schwindel als Begleitsymptom bei HWS Bandscheibenvorfällen

Wie bereits geschildert, weist das Schwindelgefühl nicht direkt auf einen Bandscheibenvorfall hin. Zur Vorbereitung auf das Erstgespräch mit Ihrem Arzt, sollten Sie überprüfen, ob weitere Symptome und Beeinträchtigungen spürbar sind.

Der Hintergrund: Im Falle eines Bandscheibenvorfalls der Halswirbelsäule ist Schwindel im Normalfall nur ein Begleitsymptom. Sollten Sie nur unter Schwindelgefühl und unter keinen weiteren Beschwerden leiden, so ist die Wahrscheinlichkeit eines HWS Bandscheibenvorfalls gering.

Typische weitere Symptome eines HWS Prolapses sind Nackenschmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühle in der Hand, den Armen und Schultern, Schmerzen, Schwäche und Beeinträchtigungen in Kopf, Schulter, Arm, Hand, bis in die Finger.

Wie ein Bandscheibenvorfall Schwindelanfälle auslösen kann

Bei einem Bandscheibenvorfall tritt ein Teil der Gallertmasse aus dem Inneren der Bandscheibe durch den Faserring aus. Die Ursachen für einen Bandscheibenvorfall haben wir in einem eigenständigen, ausführlichen Artikel beschrieben.

Das ausgetretene Material kann im Wirbelkanal auf die vom Rückenmark abzweigenden Nerven treffen und diese Nervenbahnen einengen. Die Folge sind eine Vielzahl von Beschwerden, die von der Höhe des Bandscheibenvorfalls und dem genauen Verlauf des ausgetretenen Materials abhängen.

Eine erste Vermutung zur Diagnose kann der Arzt daher oft aufgrund der vom Patienten beschriebenen Beschwerden aufstellen. Der Grund dafür ist, dass den einzelnen Segmenten der Wirbelsäule bestimmte Symptome zugeordnet werden können. Die vom Rückenmark abzweigenden Nerven senden ihre Reize in bestimmte Bereiche des Körpers. Diese Hautareale nennen wir Dermatome.

Schwindel bei einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule (HWS)

Ein Schwindelgefühl ist am wahrscheinlichsten bei einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule (HWS). Die Spinalnerven, die im Bereich der Halswirbelsäule verlaufen, sind zum Teil für unseren Kopf und somit auch die Ohren und Augen mitverantwortlich. Bei posttraumatischen Bandscheibenvorfällen (z.B. nach einem Unfall), kann Schwindel genauso vorkommen wie bei zervikalen Diskushernien durch degenerative Ursachen.

Schwindel bei einem Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule (BWS) und der Lendenwirbelsäule (LWS)

Doch auch bei einem Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule (BWS) und der Lendenwirbelsäule (LWS) kann es zu Schwindel kommen. Die Ursache dafür ist in den meisten Fällen jedoch nicht anatomisch durch den eigentlichen Vorfall zu begründen. Sollten Schwindelgefühle bei Patienten aufkommen, dann liegt die Ursache viel häufiger in den Schmerzen und den Medikamenten.

Nur in sehr seltenen Fällen besteht auch bei diesen Arten des Prolaps das Risiko, dass Nerven eingeklemmt werden, die für unseren Gleichgewichtssinn und die Wahrnehmung wichtig sind. Bandscheibenvorfälle der Lendenwirbelsäule beeinträchtigen unter Umständen das Gefühl in den Beinen, so dass es zu Gleichgewichtsstörungen und Unsicherheiten im Stehen und Gehen kommen kann.

Schwindel bei weiteren Wirbelsäulenerkrankungen

Es gibt weitere Wirbelsäulenerkrankungen, die mit Schwindel einhergehen können: Insbesondere bei Spinalkanalstenosen ist Schwindelgefühl ebenfalls eines der Symptome. Bei einer Stenose des Spinalkanals kommt es zu einer Verengung des Wirbelkanals. Dieser Kanal wird durch die übereinanderliegenden Wirbellöcher der einzelnen Wirbel gebildet und durch ihn verläuft, gut geschützt, das Rückenmark. Verengt sich der Spinalkanal, zum Beispiel durch den Aufbau von Kalkablagerungen, entsteht Druck auf Rückenmark, Nerven und Blutgefäße. Die Folge können auch in diesem Fall Schwindel und Gleichgewichtsstörungen sein, genau wie bei einem Bandscheibenvorfall.

Die Diagnose

Zunächst einmal wird der Arzt im persönlichen Gespräch verstehen wollen, ob und wenn ja welche weiteren Beschwerden vorliegen. Verspüren Sie neben dem Schwindelgefühl etwa auch ein Kribbeln in den Händen oder Beinen? Leiden Sie unter Taubheitsgefühlen? Verspüren Sie Schmerzen, zum Beispiel im Rücken oder Nacken? Darauf basierend kann der Spezialist erste Rückschlüsse ziehen.

Wichtig und entscheidend für eine korrekte Diagnose sind jedoch die bildgebenden Verfahren. Mittels Kernspintomographie / MRT kann genau erkannt werden, ob beim Patienten ein Bandscheibenvorfall, eine Spinalkanalstenose vorliegen oder ob die Beschwerden aus ganz anderen Ursachen resultieren.

Unsere Empfehlung

Sollten Sie Schwindel verspüren, egal ob regelmäßig oder episodisch, dann suchen Sie einen Arzt auf. Nicht zwingend lassen sich diese Beschwerden auf einen Bandscheibenvorfall oder generell eine Wirbelsäulenerkrankung zurückführen. In jedem Fall bedarf es jedoch einer gründlichen Untersuchung.

Dr. med. Munther Sabarini

Autor
Dr. med. Munther Sabarini
Facharzt für Neurochirurgie

Informationen zum Artikel

Der Artikel wurde zuletzt am 27.07.2022 geprüft und aktualisiert.

Über den Autor

Dr. med. Munther Sabarini ist Direktor und Gründer der Avicenna Klinik. Der Facharzt der Neurochirurgie hat sich insbesondere auf die Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen spezialisiert. Dr. Munther Sabarini hat mehr als 30 Jahre Berufserfahrung. In dieser Zeit behandelte er über 30.000 Patienten.

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