Was ist eigentlich ein Facettensyndrom?

Die Worte Facettensyndrom, Facettengelenksyndrom, Wirbelgelenkarthrose oder Spondylarthrose drücken alle das gleiche aus: eine degenerative Erkrankung der kleinen Wirbelsäulengelenke (Facettengelenke). Von Arthrose spricht man, wenn die Knorpelflächen zweier Knochen, die in einem Gelenk aneinander liegen, beschädigt oder zerstört sind. Aufgabe der Gelenkknorpel ist es, das Gelenk zu schützen und für schmerzfreie Bewegungen zu sorgen. Durch die Abnutzung verringert sich der Abstand zwischen den einzelnen Wirbeln und reibt schließlich Knochen auf Knochen, und das verursacht Schmerzen. Meist verschleißen die Wirbelgelenke in den Regionen, die zeitlebens besondere Belastungen aushalten müssen. Kein Wunder also, dass die degenerative Erkrankung der Wirbelgelenke am häufigsten im Bereich der Lendenwirbelsäule auftritt.

Unsere Wirbelsäule besteht bekannterweise aus 33 Wirbeln. Jeder Wirbel setzt sich wiederum aus einem Wirbelkörper und einem Wirbelbogen zusammen, welcher das Rückenmark umhüllt. Die Wirbelbögen haben Fortsätze nach oben und unten; Je zwei untere Fortsätze bilden mit den oberen Fortsätzen des nächsten Wirbelbogens das sogenannte Facettengelenk. Dieses ist von schmerzempfindlichen Nervenfasern durchzogen. Zwischen den Wirbeln sitzen die Bandscheiben als Stoßdämpfer und erlauben Bewegungen der Wirbel gegeneinander.

Ist der Abstand, also die Höhe, zwischen den Wirbeln vermindert, funktioniert das Facettengelenk nicht mehr korrekt und wird fehlbelastet. Wir sprechen dann vom sogenannten Facetten(gelenk)-Syndrom. Zusätzlich kommt es zum Reizzustand durch Ablagerung von Verkalkungen in der Gelenkskapsel.

Rückenschmerzen haben eine lange Tradition

Bereits Anfang des letzten Jahrhunderts haben Ärzte die Facettengelenke als mögliche Ursache für Rückenschmerzen entdeckt. Tatsächlich gehören degenerative Veränderungen der Wirbelsäule wie ein Facettensyndrom praktisch unumgänglich dazu, wenn man älter wird. Bereits mit 40 Jahren ist jeder zweite Einwohner in Deutschland davon betroffen. Fast 60 Prozent der erwachsenen Deutschen leiden hin und wieder unter Beschwerden einer Arthrose in der Wirbelsäule.

Das sind die Ursachen für Rückenschmerzen

Die Wirbelgelenkarthrose ist eine der häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen. Die Ursachen für einen verringerten Abstand zwischen den Wirbelkörpern, vor allem in der Lendenwirbelsäule (LWS), sind häufig altersbedingte Verschleißerscheinungen. Als weitere Ursache für das Facettengelenksyndrom sind oft auch vorangegangene Bandscheibenoperationen zu sehen. Denn wenn die Bandscheiben eine verminderte Funktionstüchtigkeit aufweisen, erhöht sich die Belastung der Wirbelgelenke. Bandscheibe und Facettengelenke stehen durch ihre ähnliche Funktion in einer engen Wechselbeziehung. Schäden an einer der beiden Strukturen führen meist zu Schäden an der anderen Struktur. Auch Entzündungen, Zysten und Tumore der Wirbelgelenke können das Facettensyndrom verursachen. Dadurch können starke Schmerzen entstehen, worauf der Körper mit einer unwillkürlichen Verhärtung (Verspannungen) der umliegenden Muskulatur reagiert.

Schon kleine degenerative Veränderungen können zu starken Schmerzen führen

Die Symptome einer Wirbelgelenkarthrose sind vielfältig und sagen nicht unbedingt Konkretes über die Schwere der Arthrose aus. Tatsächlich können minimale degenerative Veränderungen starke Schmerzen auslösen, während größere Verschleißerscheinungen manchmal nur wenige Beschwerden verursachen. Meist klagen die Patienten über starke lokale Schmerzen in einem begrenzten Bereich der Lenden- (LWS), Brust- (BWS) oder Halswirbelsäule (HWS). Wenn es einen Schmerz gibt, ist er zumeist dumpf, er kann aber auch stechend oder bohrend sein. Im Laufe des Tages nehmen die Schmerzen oftmals zu, da die Wirbelsäule durch den aufrechten Gang belastet wird, während sie nachts weitgehend entlastet ist. Es treten meist Rückenschmerzen beim Bücken, bei Drehbewegungen, bei Positionswechsel auf. Zusätzlich können im Rahmen eines Facettensyndroms auch Hüftbeschwerden auftreten. Insgesamt können die Symptome eines Facettensyndroms zu schweren Einschränkungen der Aktivitäten des täglichen Lebens führen.

So helfen Sie dem Arzt bei der Diagnostik

Die Diagnose wird klinisch, d. h. aufgrund der angegebenen Beschwerden (Anlaufschmerz morgens, Schmerz bei Streckung und Drehung, lokaler Druckschmerz) und der körperlichen und neurologischen Untersuchung gestellt. Röntgenaufnahmen zeigen meist eine Arthrose der Wirbelgelenke, das MRT zeigt außer der Arthrose auch noch die anatomischen Veränderungen.

Die Therapie beginnt mit einem wichtigen Test

Die primäre Therapie ist konservativ, also ohne Operation. Da sich die Ursache einer fortgeschrittenen Wirbelgelenkarthrose nicht beseitigen lässt, stehen Schmerz- und Physiotherapie im Vordergrund. Idealerweise wird eine Krankengymnastik mit wirbelsäulenfreundlichen Sportarten wie Rückenschwimmen, Radfahren, Tanzen oder Nordic Walking ergänzt. Wenn die konservativen Methoden nicht (mehr) greifen, lassen sich die Schmerzen beim Facettengelenksyndrom durch eine minimalinvasive Behandlung mit einem Laser (Thermo-Denervation).

Bei der Thermodenervation besteht das Ziel darin, den Schmerz, der von den Nerven in der Gelenkkapsel gemeldet wird, zu blockieren. Zunächst erfolgt ein Test: Dazu wird zuerst ein lokales Betäubungsmittel über eine Injektion am Rücken direkt an das Wirbelgelenk gebracht. Bei einer Testanästhesie führt der Arzt unter Durchleuchtungskontrolle eine Nadel genau an die Stelle des Gelenkes, an der der Nerv um die Gelenkkapsel zieht. Es wird dann eine kleine Menge Betäubungsmittel injiziert.

Kommt es nach diesem Test zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden und Schmerzen, ist die Diagnose des Facettensyndroms gesichert. Später kann dann eine Verödung der kleinen Nerven am Gelenk erfolgen. Dieser Test ist eine relative Indikation und kein absoluter Hinweis. Die Verödung kann in Form von Hitze- oder Kälteapplikation erfolgen. Eine intraoperative Nervenstimulation erfolgt, um motorische Nervenfasern auszuschließen. Dann wird ein Laser, der per Glasfasern durch die Nadel kommt, direkt auf die betroffene Stelle geleitet. Die Hitze der Laserenergie legt den betroffenen Nerv still (Denervation).

Der Effekt dieser Behandlung kann für 1 bis 3 Jahre halten, so dass es den Patienten möglich ist, wieder ein normales Leben zu führen und aktiv durch Übungen an der Therapie teilnehmen. Der Eingriff erspart vielen eine große Operation. Er dauert weniger als eine Stunde und wird unter Vollnarkose über eine Punktion durchgeführt (kein Schnitt). Dies hat den Vorteil, dass dabei keine Muskeln, Knochen oder Bänder durchschnitten oder abgetragen werden. Weil außerhalb des Spinalkanals gearbeitet wird, ist das Risiko äußerst gering. Bereits nach einer Woche Schonzeit können Patienten mit Physiotherapie beginnen, um sich ein rückengerechtes Verhalten anzutrainieren. Liegt eine schwere Spinalkanalstenose oder Bandscheibenvorfall vor, dann käme hier die Mikrochirurgie in Frage. Liegt eine Instabilität vor dann können wir eine Stabilisierung in Betracht ziehen.

Es gibt Möglichkeiten, sich vor der Erkrankung zu schützen

Die Symptome des Wirbelgelenksyndroms lassen sich lindern und das Fortschreiten der Problematik bremsen. Sie können der Arthrose zwar nur bedingt vorbeugen, dennoch gibt es Maßnahmen, die Sie bis zu einem gewissen Grad vor der Erkrankung schützen, wie beispielsweise Rückenschule, Gewichtsreduktion, Rückenschwimmen. Ganz wichtig: Schwere körperliche Arbeit begünstigt eine Wirbelerkrankung. Das heißt - das Heben schwerer Lasten strapaziert den Rücken und die Wirbelsäule massiv, und die Wirbelgelenke verschleißen schneller, vor allem in der Lendenwirbelsäule.

Fazit: Führen Sie ein rückenfreundliches Leben.

Dr. med. Munther Sabarini

Autor
Dr. med.Munther Sabarini
Facharzt für Neurochirurgie

Hans-Heinrich Reichelt

Co-Autor
Hans-Heinrich Reichelt
Chefredakteur Medizin für Menschen

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