Definition - was ist ein Hämangiom

Hämangiom = Blutschwamm. Jeder von uns hat so einen Blutschwamm - auch Erdbeerfleck genannt - schon einmal gesehen. Eltern sind besonders erschrocken, wenn ihr Baby mit einem sichtbaren Blutschwamm (meist im Gesicht oder am Haarschopf) auf die Welt kommt. Tatsächlich kann dieser Blutschwamm in mehreren Organen vorkommen; dann allerdings nicht mehr sichtbar - im Knochengewebe, im Lungengewebe, im Nierengewebe, in der Leber, Im Pankreasgewebe (Bauchspeicheldrüse). Hämangiome sind Fehlbildungen durch einen Überschuss an Gewebe, die in den Venen, den Arterien oder in den Lymphgefäßen wuchern.

Ein Hämangiom in den Wirbelkörpern bzw. im Wirbelbogen ist fast immer ein Zufallsbefund, welcher im Rahmen einer ganz anderen Untersuchung entdeckt wird. Betroffen sind meist die Brust- und Lendenwirbelsäule, Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Wenngleich derartige Geschwülste an sich gutartig sind, können sie zur Gefahr werden. Durch ihr Wachstum fordern sie Platz in der Wirbelsäule, können auf Nerven drücken und wichtige Strukturen angreifen bzw. zerstören. Sie könnten selten eine Instabilität verursachen mit Gefahr an Wirbelbrüche.

Häufigkeit

Von diesen Wucherungen der feinen Blutgefäße sind nicht nur weiche Körperregionen wie beispielsweise die Haut betroffen - sie kommen ebenso im Knochenskelett vor. 40 Prozent aller Hämangiome des knöchernen Skeletts finden sich an der Wirbelsäule. Die häufigsten benignen (gutartige) Tumore der Wirbelsäule stellen mit 11 Prozent die Hämangiome darf.

Ursachen der Hämangiome

Blutschwämmchen entstehen, wenn sich Blutgefäße neu bilden und dabei wuchern. Ihre genaue Ursache ist nicht bekannt; möglich sind genetische und erbliche Faktoren. Grundsätzlich können Hämangiome überall dort entstehen, wo es Blutgefäße gibt, also nach außen hin sichtbar, aber auch innerlich an den Organen.

Symptome

Die Symptome sind vielschichtig: Fast immer kommt es zu schmerzhaft eingeschränkten Beweglichkeit in dem Wirbelsäulenabschnitt, in dem sich das Hämangiom eingenistet hat - achten Sie dabei besonders auf Druck- und Klopfschmerzhaftigkeit. Möglich sind auch Sensibilitätsstörungen und Blasen-Mastdarm-Störungen. Patienten berichten auch immer wieder über sogenannte Ruheschmerzen - das sind Schmerzen in Ruheposition - also ohne, dass  der Körper in irgendeiner Form belastet wird. Bei bösartigen (malignen) Tumoren kommt es zu weiteren Symptomen - u. a.: Fieber, Gewichtsabnahme, Nachtschweiß, Lymphknotenvergrößerungen, Abgeschlagenheit.

Diagnostik, wie diagnostiziert man ein Hämangiom

Die meisten Patienten, die sich an ihren Facharzt wenden, sind ratlos und verängstigt. „Was wächst da in meinem Körper?“ ist eine Frage, die Ärzten immer wieder gestellt wird. Nun, die Frage kann auch der beste Facharzt nicht sofort beantworten, aber er kann ein Diagnoseverfahren einläuten, an dessen Ende Klarheit herrscht. Zur Diagnose gehört als Allererstes bekanntlich immer das Gespräch, das Anamnesegespräch zwischen dem Arzt und dem Patienten. Es muss ausführlich und gewissenhaft (von Arzt und vom Patienten) geführt werden, damit der Arzt Informationen bekommt, die ihn auf die richtige Spur bringen. Nach der Befragung des Klienten folgen die Schritte, die der Arzt anordnet. Das sind normalerweise neurologische Untersuchungen, Ultraschall, Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT), Labordiagnostik, möglicherweise auch nuklearmedizinische Untersuchungsverfahren und eine Biopsie (Entnahme einer Gewebeprobe.)

Therapie: so behandelt man ein Hämangiom erfolgreich

Kleine stabile Hämangiome benötigen keine Eingriffe sondern nur Kontrolluntersuchungen, in etwa 1 Mal im Jahr eine MRT-Kontrolle, um zu sehen, ob das Hämangiom sich vergrößert hätte. Um Wirbelbrüche zu vermeiden, kann die Kyphoplastie angewandt werden. Liegt schon eine Instabilität bzw. ein Bruch vor, dann werden die betroffenen Segmente stabilisiert werden. Sollte das Hämangiom im Spinalkanal eindringen oder liegen schon gebrochene Knochenfragmente im Spinalkanal, dann werden diese aus dem Spinalkanal mikrochirurgisch entfernt werden.

So ein Eingriff mag in der Theorie einfach klingen, in Wahrheit erfordert er höchste chirurgische Kunst. Schließlich beheimatet die Wirbelsäule mit dem Rückenmark und den Spinalnerven lebensnotwendige und äußerst sensible Bestandteile des Nervensystems. Bei der Entfernung des Hämangioms darf es in keinem Fall zu Schädigungen der Nerven kommen, weil Schädigungen der Nerven eigentlich immer irreparabel sind.

Prognose

Entwarnung für die Zukunft, also die Prognose ist gut! ABER ein dickes ABER: Nach der operativen Therapie sollte der Patient mindestens ein Jahr lang engmaschig eine fachärztliche Kontrolle akzeptieren. Die sogenannte Verlaufskontrolle erfolgt im Rahmen einer Kernspintomografie und Röntgenuntersuchungen.

Dr. med. Munther Sabarini

Autor
Dr. med.Munther Sabarini
Facharzt für Neurochirurgie

Hans-Heinrich Reichelt

Co-Autor
Hans-Heinrich Reichelt
Chefredakteur Medizin für Menschen

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