Metastasen in der Wirbelsäule - Symptome & Therapie

Metastasen in der Wirbelsäule – was bedeutet das?

Metastasen im Knochen sind eine schwere Komplikation einer Krebserkrankung. Bei Knochenschmerzen ist es deshalb wichtig, die Ursachen frühzeitig abklären zu lassen. Auf diese Weise können Metastasen der Wirbelsäule und der Wirbelkörper frühzeitig erkannt und behandelt werden. Es gibt Möglichkeiten, das Wachstum der Metastasen zu hemmen und die Tumore somit zu stabilisieren.

Das Organ, in das viele Krebsarten bevorzugt metastasieren, ist – nach Leber und Lunge – das Skelett, also die Knochen. Die Bereiche der Knochen, in denen die Blutbildung stattfindet, bieten den Tumorzellen günstige Wachstumsbedingungen. Die Wirbelsäule ist der häufigste Ort von Skelettmetastasen,die etwa zwei Drittel aller Knochentumoren ausmachen. Tumore in der Wirbelsäule sind somit keine Seltenheit. Überwiegend sind Metastasen in der Wirbelsäule im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule lokalisiert.

Die Diagnose Krebs

Die Diagnose Krebs ist immer eine Erschütterung für den Patienten. Wenngleich moderne Medizin und forschende Wissenschaft viele Möglichkeiten geschaffen haben, dass (mancher) Krebs heilbar ist und die Diagnose nicht mehr grundsätzlich Tod bedeutet, ist diese Krankheit immer noch eine Geißel der Menschheit. Sie verändert das Leben und ist ein Einschnitt in den Alltag. Sie lässt viele Betroffene über die Lebenserwartung neu nachdenken.

Dramatisch wird es, wenn der Primärtumor streut. Krebs kann sich nicht nur ins Nachbargewebe ausbreiten. Krebszellen neigen dazu, sich über Blutgefäße und Lymphgefäße in weitere Organe auszubreiten und dort Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, zu bilden.

Häufigkeit von Knochenmetastasen

Zehn Prozent der Karzinompatienten haben im Laufe ihrer Erkrankung Metastasen an der Wirbelsäule. Die Ausbreitung der Krebserkrankung in das Knochengewebe ist die häufigste bösartige Erkrankung der Knochen.

Am häufigsten treten Knochenmetastasen bei Brustkrebs, Prostatakrebs, Lungenkrebs, Schilddrüsenkrebs, Malignem Melanom (Schwarzer Hautkrebs), Nierenkrebs und dem Multiplen Myelom auf. Bei einer gründlichen Autopsie lassen sich bei 70 Prozent aller Patienten, die an Krebs versterben, Knochenmetastasen nachweisen. Bei 210.000 Krebstoten pro Jahr in Deutschland liegen demnach in etwa 150.000 Fällen Knochenmetastasen vor.

Ausbreitung von Metastasen im Körper

Tochtertumore, so lautet der Beiname von Metastasen. Das Wort Metastase selbst stammt aus dem Griechischen und bedeutet ‚Wanderung‘. Metastasen sind somit Krebszellen auf Wanderschaft.

Einige Krebszellen verlassen den Tumor, wandern unkontrolliert durch den Körper und siedeln sich dann in den Knochen an. Dort sind diese Zellen dann im wahrsten Sinne des Wortes zerstörerisch. Sie setzen quasi einen Wettkampf in Gang: Den Kampf zwischen knochenabbauenden und knochenaufbauenden Prozessen. Die Krebszellen produzieren Botenstoffe (Zytokine) und mehrere Wachstumsfaktoren. Dadurch werden knochenabbauende Zellen, die sogenannten Osteoklasten, stärker stimuliert und das Gleichgewicht zwischen Knochenbau und Knochenaufbau zugunsten des Abbaus gestört. Bitterer Sieger sind also die Metastasen, tragischer Verlierer ist der Mensch.

Metastasen breiten sich über zwei Wege im gesamten Körper aus:

  • Über das Blut (die sogenannte hämatogene Metastasierung)
  • Über die Lymphbahnen (die sogenannte lymphogene Metastasierung)

Unterschied zwischen spinalen Tumoren und Metastasen an der Wirbelsäule

Tumore in der Wirbelsäule können in unterschiedlichen anatomischen Lagen wachsen und werden dementsprechend in drei Kategorien eingeteilt: Extradurale Tumore (außerhalb der Rückenmarkshäute), intradurale-extramedulläre Tumore (innerhalb der Rückenmarkshäute aber außerhalb des Rückenmarks) und intradurale-intermedulläre Tumore (innerhalb der Rückenmarkshäute und innerhalb des Rückenmarks).

Metastasen wiederum haben ihren Ursprung an einer anderen Stelle des Körpers. Sie entstehen also in der Regel nicht innerhalb der Wirbelsäule. Vielmehr setzen sich die Krebszellen von außen am Wirbelkörper fest und gelangen nur selten in den Spinalkanal. Somit sind Metastasen an der Wirbelsäule extradurale Tochtertumore.

Symptome von Metastasen an der Wirbelsäule

Wenn Krankheiten sich ohne Alarmsignale und Symptome im Körper verbreiten, sprechen wir von einem schleichenden Prozess. Knochenmetastasen haben diese Eigenschaft glücklicherweise nicht! Sie sind zu fühlen, zu spüren und quasi auch zu sehen, wie etwa durch eine erhebliche Gewichtsabnahme.

In den meisten Fällen sind Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule das erste Symptom für eine Krebserkrankung mit Knochenbeteiligung. Von vielen Betroffenen wird der Schmerz, der sich auch in Ruhephasen nicht bessert, als tief bohrend und schlecht lokalisierbar beschrieben. Verantwortlich für diese Schmerzen sind Nerveneinengungen, Minderdurchblutung und die Freisetzung von entzündungsfördernden Botenstoffen.

Motorische und autonome Funktionseinschränkungen gelten bei Knochenmetastasen als die zweithäufigsten Symptome. 85 Prozent der Patienten mit Metastasen der Wirbelsäule leiden an diesen Symptomen. Dazu gehören Taubheit in den Extremitäten, Gangstörungen (Kraftminderung in den Beinen), Appetitlosigkeit und rasche Ermüdbarkeit, also Leistungsabfall. Oft kommt es auch zu Blasenentleerungsstörungen, vermehrtem Harndrang oder der Unfähigkeit, den Urin zu halten sowie Stuhlinkontinenz.

Schweregrad der Symptome von spinalen Metastasen

Bei Metastasen an der Wirbelsäule lassen sich die Symptome anhand ihres Schweregrades in ein System, die Brice-McKissock-Gradierung, einordnen. Diese Klassifikation findet auf Basis von vier Stufen statt, die dem Grad der Störung durch die Metastasen entsprechen. Zugrunde gelegt werden dabei insbesondere die motorischen Symptome.

Brice-McKissock-Klassifikation

Stufe

Grad der Störung

Beschreibung

1

Gering

Patient kann laufen

2

Moderat

Patient kann Beine bewegen, aber nicht gegen Schwerkraft

3

Schwerwiegend

Geringe motorische und sensorische Restfunktion

4

Komplett

Keine motorische und sensorische Funktion, erloschener Sphinkertonus

Was Sie bei der Diagnose von Metastasen der Wirbelsäule beachten müssen

Am Anfang einer aufschlussreichen, treffsicheren Diagnostik steht immer das Gespräch zwischen Ihnen und Ihrem Arzt. Ihm werden Sie schildern, wo und wann Sie welche Schmerzen plagen und wohin diese ausstrahlen.

Durch Ihre sehr persönlichen Schilderungen kann sich Ihr Doktor ein erstes Bild machen. Allerdings reicht dies nicht für eine endgültige Diagnose. Neben der ausführlichen Anamnese und der klinischen Untersuchung haben bildgebenden Verfahren eine besondere Bedeutung in der Diagnose von Metastasen an der Wirbelsäule. Dazu gehört insbesondere die sogenannte Skelettszintigrafie (Ganzkörperknochenszintigrafie).

Zeigen sich in diesen Aufnahmen auffällige Herde, schließen sich weitere bildgebende Verfahren an. Dafür kommen Röntgen, Computertomografie (CT) und Kernspintomografie (MRT) in Frage. Die Computertomografie hat hinsichtlich der Beurteilung der Stabilität von Wirbelkörpern einen hohen Stellenwert. Das MRT ist das Mittel der Wahl zur Beurteilung der Ausdehnung in den Spinalkanal.

Für eine ausführliche Diagnostik ist die Kombination mehrerer Untersuchungsverfahren notwendig. Eine Biopsie des Knochens erfolgt normalerweise nur, wenn der ursprüngliche, primäre Tumor, von dem die Metastasen an der Wirbelsäule abstammen, unbekannt ist. Bei einer Biopsie entnehmen Ärzte eine Probe aus dem verdächtigen Bereich.

Eine Positronen-Emissions-Tomografie (PET) ist eine Ganz-Körper-Screening-Methode, um bei Patienten mit einem bekannten Karzinom Metastasen nachzuweisen. Das PET hat Stärken, aber – wenn es darum geht, das umliegende Gewebe sichtbar zu machen – auch ein paar Schwächen.

Die komplizierte Therapie von Wirbelsäulenmetastasen

Metastasen an der Wirbelsäule stellen meist eine komplexe Situation im Rahmen einer bösartigen systemischen Grunderkrankung dar. Für die Therapie ist daher eine intradisziplinäre Therapie eines vielseitigen Ärzteteams nötig. Dazu gehören Spezialisten der Strahlentherapie (Radio-Onkologen), medizinische Onkologen, Schmerztherapeuten und Neurochirurgen. Dieses Team berücksichtigt bei seiner Therapie mehrere Gesichtspunkte: die klinische Symptomatik (Schmerz/Neurologie), die Wirbelsäulenstabilität, die Anzahl der Metastasen an der Wirbelsäule, den Mobilitätsanspruch des Patienten und die Wahrscheinlichkeit, in welcher Form der Krebs auf Strahlen- oder Chemotherapie reagieren kann/wird.

Grundsätzlich geht es in der Therapie der Metastasen der Wirbelsäule darum, die Lebensqualität zu verbessern, in dem die Schmerzen gelindert oder eliminiert und die Körperfunktionen aufrecht gehalten werden. Bei der Therapieplanung spielt der Allgemeinzustand des Patienten eine wesentliche Rolle. Nicht jeder Patient hat die Kraft, eine umfangreiche Therapie über sich ergehen zu lassen. Diese umfasst beispielsweise Operationen, um Frakturen zu versorgen und die Stabilisierung der Wirbelkörper zu gewährleisten. Andere wiederum sind noch so stark, dass unterschiedliche Therapieformen im Rahmen der Behandlung ausprobiert werden können.

Grundsätzlich ist es leichter, „nur“ einen Primärtumor zu besiegen als eine ganze Armee von bösartigen Angreifern, die aus unterschiedlichsten Richtungen angreift. Dennoch gibt es eine Reihe von wirkungsvollen Behandlungen bei Knochenmetastasen. Die wichtigsten und etablierten Behandlungen sind die Bestrahlung, die Hormontherapie, die Chemotherapie, die Bisphosphat-Therapie, die Antikörper-Therapie und die chirurgische Therapie. Mit der Mikrochirurgie entfernen wir die Metastasen von der Wirbelsäule und stabilisieren – falls notwendig – die betroffenen Segmente.

Verbesserung der Lebensqualität und Lebenserwartung

Durch neurochirurgische Eingriffe mit Dekompression und eventuellen stabilisierenden Maßnahmen – oft begleitet von Chemotherapie und/oder Strahlentherapie – verbessern wir die Lebensqualität der Betroffenen und lindern Schmerzen, sodass Patienten mit Metastasen an der Wirbelsäule am Leben teilnehmen können – solange es geht. Im besten Fall wird dadurch die Lebenserwartung der Patienten verlängert.

Dr. med. Munther Sabarini

Autor
Dr. med. Munther Sabarini
Facharzt für Neurochirurgie

Informationen zum Artikel

Der Artikel wurde zuletzt am 11.12.2025 geprüft und aktualisiert.

Über den Autor

Dr. med. Munther Sabarini ist Direktor und Gründer der Avicenna Klinik. Der Facharzt der Neurochirurgie hat sich insbesondere auf die Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen spezialisiert. Dr. Munther Sabarini hat mehr als 30 Jahre Berufserfahrung. In dieser Zeit behandelte er über 30.000 Patienten.

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Quellenangaben und weiterführende Literatur

  • W. Hacke: Neurologie. Springer-Verlag, 14. Auflage, 2016.

  • J.-C. Tonn, F.W. Kreth, O. Schnell, B. Meyer, C. Belka, S.E. Combs, C. Lumenta. Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Hirntumoren und spinalen Tumoren. W. Zuckschwerdt Verlag, 4. Auflage, München, 2016.

  • W. Börm, Frerk Meyer. Spinale Neurochirurgie - Operatives Management von Wirbelsäulenerkrankungen. Schattauer Verlag, Stuttgart, 2009.

  • M. Luhn: Spinale Metastasen - eine Operationsindikation? retrospektive Analyse aus der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums in Jena von 1995 bis 2006. Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena, 2011.

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