Nackenschmerzen

Was sind Nackenschmerzen?

Unser Hals ist etwas Besonderes: Er ist (normalerweise) wunderbar beweglich und trägt täglich eine schwere Last; unseren Kopf. Der Hals ist voll mit Nerven, vielen Muskeln und sieben Wirbelkörpern. Er ist bereit, viele Sünden des Alltags zu tragen und zu verzeihen. Doch wenn es ihm zu viel wird, reagiert er – und zwar nicht gerade freundlich, sondern mit Schmerzen.

Nackenschmerzen treten sehr häufig auf

Fast jeder dritte Erwachsene hat einmal im Jahr (jeder zweite Erwachsene einmal im Leben) mit verspannungsbedingten Nackenschmerzen zu tun. Dabei sind Frauen öfter betroffen als Männer. Oft dabei: ein steifer Hals, Schmerzen an Schulter und Arm. Bei jedem zehnten Erwachsenen mit wiederkehrenden Nackenschmerzen werden sie chronisch. Berufsbedingt verursachte Nackenschmerzen sind am häufigsten.

Bei Nackenschmerzen gibt es manchmal einen ernsten Hintergrund

Bei Nackenschmerzen gibt es manchmal einen ernsten Hintergrund

Einige Ursachen für Nackenschmerzen sind Haltungsprobleme und überlastete Muskeln im Nacken- und Schulterbereich. Auf Dauer verkürzen und verhärten sie sich - und werden schmerzhaft. Manchmal haben Nacken- und Rückenschmerzen ihre Wurzeln auch in der Psyche, oder aber die Psyche greift irgendwann in das Schmerzgeschehen ein. Auch in Folge von Unfällen können Nackenschmerzen auftreten. Nackenschmerzen nach einem Auffahrunfall sind meist Folge eines Schleudertraumas. Bei dem abrupten Aufprall wird der Kopf vor und zurück geschleudert, Muskulatur und Bänder am Hals werden überdehnt.

Degenerative Veränderungen des Bewegungssystems sind die häufigste Ursache für Nackenschmerzen. Das können zum Beispiel die Degeneration der Bandscheibe, Verschleiß der Wirbelsäule, BandscheibenvorwölbungenBandscheibenvorfall, Instabilität, Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke (Arthrose), die Bildung knöcherner Sporne an den Wirbeln (Spondylose) oder die Verkalkung von Bändern sein. Auch das Fibromyalgie-Syndrom (chronische Schmerzkrankheit der Muskeln) kommt als Ursache infrage. Dieses Syndrom geht mit erheblichen Muskelschmerzen einher. Der Nacken ist hier nur eine von mehreren Schmerzzonen am Körper.

Infektionen im Kopf- und Halsbereich, rheumatische Krankheiten sowie einige Tumor- und Knochenerkrankungen gehören zwar auch zu den Ursachen, sind aber eher selten für die Nackenschmerzen verantwortlich.

Begleitsymptome von Nackenschmerzen

Nackenschmerzen selbst sind ein Symptom, das verschieden Gründe haben kann. Häufig leiden die Betroffenen unter einem steifen Hals. Weitere Symptome können Schmerzausstrahlung in den Arm, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindelgefühle, Ohrengeräusche, Taubheitsgefühle und Kribbeln am Arm sein.

So stellt Ihr Arzt die treffende Diagnose

Was bedeutet eigentlich Diagnose? Die Diagnose ist die Feststellung oder Bestimmung einer Krankheit. Das Wort ist abgeleitet vom altgriechischen Begriff „diágnosis“ (Unterscheidung, Entscheidung).

Unkomplizierte Nackenschmerzen mit vorwiegender Muskelverspannung diagnostiziert Ihr Arzt klinisch. Das heißt er stellt Ihnen Fragen und veranlasst eine körperliche Untersuchung. Mit seinen Händen tastet er die Halswirbel ab, so kann er leicht Verspannungen aufspüren. Er klopft Ihre Wirbelsäule ab und prüft, ob es irgendwo schmerzt. Strahlt der Schmerz in ein oder in beide Beine aus, untersucht Ihr Arzt, ob bestimmte Nervenwurzeln gereizt sind. Bei dieser neurologischen Untersuchung testet er die Muskelkraft und Ihre Reflexe. Bei der Sensibilitätsprüfung streicht der Arzt mit der Hand über Schultern, Arme oder Hände, um zu testen, ob eine Gefühlminderung besteht.

In der weiterführenden Diagnostik kann Ihr Arzt bildgebende Verfahren einsetzen. Das sind Röntgenaufnahmen, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie zur Schichtbilddarstellung der (Hals-)Wirbelsäule, möglicherweise auch des Halses oder Kopfes. Mit diesen Untersuchungen kann festgestellt werden, ob ein Bandscheibenvorfall, eine BandscheibenprotrusionSpinalkanalstenose, Syringomyelie, ob Zysten, Tumore oder eine Arthrose der kleinen Wirbelgelenke vorliegen.

Nehmen Sie Nackenschmerzen nicht auf die leichte Schulter

Schmerzen sind immer ein Hinweis, ein Alarmsignal. Deshalb ist es wichtig, auf Schmerzen zu achten. Nehmen Sie Nackenschmerzen nicht auf die leichte Schulter! Ein kurzzeitig eingenommenes Schmerzmittel kann die Schmerzen lindern oder beseitigen. Eine Halskrause, die den Nackenbereich für eine Weile stillhält, kann eine gute Therapie sein, ebenso Physiotherapie. Als Therapie bei Nackenschmerzen können auch physikalische Anwendungen wie Strom- oder Ultraschallbehandlungen verordnet werden. Sie fördern die Durchblutung und Stoffwechselprozesse im Gewebe und wirken entspannend. Gelockerte Muskeln werden besser durchblutet, was die Schmerzen lindern kann. Dringend zu empfehlen ist eine Arbeitsplatzgestaltung nach ergonomischen Gesichtspunkten, um das Wiederauftreten von Genickschmerzen zu verhindern. Bei überlagerten Depressionen können psychotherapeutische Therapieansätze zum Einsatz kommen. Spritzen, unter anderem auch CRT-gesteuert, könnten helfen.

Anhaltende Schmerzen trotz umfangreicher Schmerzbehandlung und/oder Anzeichen einer Nervenschädigung am Hals – etwa durch einen Bandscheibenvorfall oder eine Verengung des Wirbelkanals im Bereich der Halswirbelsäule – machen eine Operation (Mikrochirurgie) häufig unumgänglich. Bei bestimmten Indikationen kommen andere Therapien infrage, wie zum Beispiel Thermodenervation, perkutane Nukleotomie (PN), perkutane Laser-Diskus-Dekompression (PLDD), Bandscheibenersatz und andere. Das gilt auch bei Instabilität der Halswirbelsäule, wo möglicherweise eine Verplattung infrage käme.

Seien Sie gut zu Ihrem Nacken, Sie brauchen ihn noch!

Das ist grundsätzlich zum Thema „Prognose“ zu sagen. Aber natürlich haben wir noch ein paar detaillierte Vorschläge, damit Sie auch (bzw. wieder) an Ihrem Nacken Freude haben! Suchen Sie sich aus unseren Ratschlägen die heraus, die Ihres Erachtens für Sie nötig, machbar und hilfreich sind!

  • Überdenken Sie Ihr Schlafverhalten. Schlafen Sie möglichst nicht auf dem Bauch. Denken Sie über eine passgenaue Matratze nach, und besorgen Sie sich ein ergonomisches Kissen.

  • Wärme ist Balsam für einen schmerzenden Nacken. Ein warmer, kuscheliger Schal tut’s natürlich auch, um den Muskeln die Anspannung zu nehmen. Meiden Sie Zugluft und Feuchtigkeit, schützen Sie Ihren Nacken und Hals vor Kälte.

  • Vermeiden Sie Stress.

  • Ganz wichtig: Ihr Arbeitsplatz. Stellen Sie Ihren Schreibtisch, Bürostuhl und Computer so auf, dass der Bildschirm auf Augenhöhe ist. Die sogenannte Schildkrötenhaltung – Rücken rund, Hals herausgerückt – schadet der Muskulatur.

  • Benutzen Sie Ihr Handy so wenig wie möglich. Die Positionen, die Sie beim Telefonieren, Nachrichtenschreiben oder Surfen einnehmen ist Gift für Ihren Nacken und führt schnell zu Nacken- und Rückenschmerzen.

  • Wenn Sie mit dem Auto unterwegs sind: Fahren Sie nicht stundenlang am Stück, sondern machen Sie Pausen.

  • Bewegung gilt als sehr gutes Mittel gegen bestehende Verspannungen. Brustschwimmen ist bei Nackenschmerzen jedoch der falsche Ansatz.

  • Fragen Sie im Kollegen- oder Freundeskreis, ob jemand einen bewährten Physiotherapeuten kennt. Wenn ja, können Sie bei derartigen Therapeuten gute Hilfe erfahren. Vorsicht ist bei Chiropraktik geboten. Bei Nackenschmerzen dürfen diese nur dann ausgeführt werden, wenn die Diagnostik abgeschlossen ist.

Halten Sie sich daran, haben Sie gute Chancen schmerzfrei zu werden.

Dr. med. Munther Sabarini

Autor
Dr. med. Munther Sabarini
Facharzt für Neurochirurgie

Informationen zum Artikel

Der Artikel wurde zuletzt am 17.12.2025  geprüft und aktualisiert.

Über den Autor

Dr. med. Munther Sabarini ist Direktor und Gründer der Avicenna Klinik. Der Facharzt der Neurochirurgie hat sich insbesondere auf die Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen spezialisiert. Dr. Munther Sabarini hat mehr als 30 Jahre Berufserfahrung. In dieser Zeit behandelte er über 30.000 Patienten.

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