Was ist eine Occipitalis-Neuralgie?
Es gibt Schmerzen, die wünscht man seinem schlimmsten Feind nicht! Das sind die Schmerzen, die bei der sogenannten Occipitalis-Neuralgie. entstehen. Diese anfallsartigen Beschwerden im Kopf, Gesicht und oftmals im Nacken sind tatsächlich wie eine Folter - sie können Sekunden aber auch viele qualvolle Minuten dauern. Im schlimmsten Fall werden sie chronisch. Durchschnittlich sind die betroffenen Menschen 54,1 Jahre alt. Ausgelöst werden sie durch eine Reizung oder einen Druck auf zwei Nerven - auf den großen und kleinen Hinterhauptnerv. Der große heißt Nervus occipitalis major (lat. Nervus ‚Nerv‘, occipitalis ‚zum Hinterhaupt gehörend‘, major ‚groß‘, der Kleine endet mit minor.) Diese Ausgangspunkte der Schmerzen, die von der Schädelbasis durch die Muskeln im Hinterkopf in die Kopfhaut verlaufen, versorgen Muskeln im Nackenbereich und leiten die sensiblen Empfindungen der Haut des Hinterkopfes zum Gehirn. Nicht selten handelt es sich bei Migränen eher um Neuralgie des Okzipital-Nervsangenommen.
Die Ursachen für den Hinterhauptkopfschmerz
Immer wieder stellen Patienten und Patientinnen die verständlichen Fragen ‚Warum?‘ ‚Habe ich etwas falsch gemacht?‘ ‚Liegt die Ursache in meinen Genen?‘ Ehrlicherweise kennen wir Ärzte auch nicht immer die Antwort - bei der Occipitalis-Neuralgie ist es wie bei vielen anderen Krankheitsbildern: Es gibt nicht unbedingt DIE Ursache, es kann mehrere Gründe geben. Grundsätzlich ist sicher zu sagen, dass die Neuralgie durch eine Einengung verursacht ist. So eine Einengung (Entrapment) wiederum kann mehrere Gründe haben. Sie kann durch eine direkte Verletzung des Hinterkopfes oder des Nackens entstehen - ob bei einer Sportverletzung, einem Verkehrsunfall, einem Treppensturz. Auch der Alltag, der bei vielen Menschen aufgrund der einseitigen Arbeit am Computer zur Muskelverspannung und Nervenbelastung führt, gilt als verantwortlich. Denn durch die stundenlange sitzende Tätigkeit am Bildschirm können Muskelsteifheit am Hinterkopf und Einklemmung der Okzipitalnerven entwickelt werden. Selbst Arthrose der Wirbelgelenke (Facetten-Arthrose der Halswirbelsäule) kann schlimmen Schmerzen im Hinterkopf auslösen. Tumore und Infektionen sind selten die Ursachen einer Okzipitalneuralgie - stattdessen sind aber Patienten mit Diabetes gefährdet. Sie haben ein erhöhtes Neuralgie-Risiko, weil der Diabetes Neuropathie und Nervenentzündungen verursachen kann, die unter anderem auch die Okzipitalnerven berühren können. Last not least als Ursache für den Hinterhauptkopfschmerz: Narben, die nach Operationen an der Halswirbelsäule oder nach Frakturen des Schädels die Nerven einklemmen.
Symptome beim Hinterhauptkopfschmerz
Menschen, die von einer Occipitalis-Neuralgie (es gibt wirklich unterschiedliche Schreibweisen) betroffen sind, kennen die Symptome! Sie führen direkt vom Ausbreitungsgebiet der verantwortlichen Nerven in den Bereich der Augen - in die Schädelseite, in den Schläfenbereich, in den Nacken. Die Schmerzen treten in Attacken auf, es gibt auch Patienten, die von anhaltenden Beschwerden sprechen. Sie werden überwiegend als brennend, pochend oder elektrisierend beschrieben. Teilweise treten die Schmerzen nur auf einer Seite auf, oftmals aber auch beidseitig. Die Kopfhaut reagiert unterschiedlich: Es kann zu einem leichten Taubheitsgefühl auf der Kopfhaut kommen - anderseits können Patienten nicht die Haare berühren bzw. sich waschen, weil Kopfhaut und Haare bei der kleinsten Berührung extrem mit Schmerzen reagieren. Selbst das Liegen auf dem Kopfkissen ist oftmals nicht oder nur unter stärksten Beschwerden möglich. Patienten, die zusätzlich betroffen sind, leiden unter Muskelkrämpfen, Nackensteifigkeit und/oder Lichtempfindlichkeit. Nicht selten strahlen die Schmerzen in die Schulterregionen, sogar in die Arme. Es entstehen Verspannungen und Bewegungseinschränkungen im Nacken.
Wie wichtig ist die Diagnose für die Therapie?
Wenn Patienten zu uns in die Klinik kommen und über die soeben genannten Symptome klagen, dann liegt für uns der Verdacht nahe, dass es sich um eine Occipitalis-Neuralgie handelt. Aber wir Ärzte machen bekanntlich keine Verdachts-Diagnose und schon gar keine Verdachts-Behandlung, sondern vor jeder Therapie steht eine wasserdichte Diagnose. Erst, wenn wir genau wissen, wo die Ursache für Beschwerden liegen, können wir verantwortungsvoll handeln und behandeln. Wie diagnostizieren wir nun die Occipitalis-Neuralgie? Auch hier beginnt - wie immer - die Diagnosesuche mit der sogenannten Anamnese. Das ist das Arzt-Patienten-Gespräch, in dem uns der Patient alles über seine aktuellen Beschwerden schildert. Wenn in diesem Fall immer mehr alles auf Occipitalis-Neuralgie hinweist, nutzen wir während einer aktuellen Kopfschmerzattacke einen Vorgang, der meist Antworten gibt. Durch eine Nervenblockade mit einem örtlichen Betäubungsmittel versuchen wir, die Schmerzen auszuschalten. Wenn das gelingt und die Schmerzen am Hinterkopf zu 80 Prozent und mehr minimiert sind, gehen wir als Diagnose von einer Reizung der Hinterkopf-Nerven aus. Manchmal kann uns auch eine MRT für den gesamten Schädel und Halswirbelsäule bei der Diagnose helfen.
Therapie und Behandlung der schmerzhaften Neuralgie
Und nun? Das ist die verständliche Frage der Patienten, wenn die Diagnose als sicher gestellt ist. Wie sieht jetzt die Hilfe aus, die Therapie, um endlich wieder schmerzfrei zu leben? Wenn konservative Methoden wie beispielsweise Ruhe, Physio und Chiropraktik keine Erfolge bringen, dann empfehlen wir die Denervierung. Als Denervierung, auch Entnervung oder Enervation genannt, bezeichnet man die vollständige oder partielle Unterbrechung der Weiterleitung von Schmerzimpulsen. Das moderne minimal-invasive Verfahren ist nicht nur mit Hitze (bei etwa 75 Grad, sondern auch mit Kälte (Kryo-Denervation bei etwa minus 60 Grad Celsius) möglich. Seit mehr als 200 Jahren ist die Wirkung von Hitze oder Kälte auf gereizte Nerven in der medizinischen Literatur bekannt. Diese Therapie zwar beseitigt nicht die Ursache, aber sie befreit Patienten über mehrere Wochen oder Monate - selbst Jahre sind möglich - von diesen unerträglichen Schmerzen. Alternativ ist auch die Infiltration des Nervens mit einem Betäubungsmittel oder Cortison möglich. Allerdings muss auch dieses Verfahren oftmals wiederholt werden, solange nicht die Ursache für die Neuralgie behoben worden ist.
Prognose und Prävention - so führen Sie ein schmerzfreies Leben
Sie atmen auf nach der Behandlung! Endlich keine Schmerzattacken mehr, die Sie in die Verzweiflung treiben. Endlich geben diese verdammten Nerven, die Ihnen das Leben zur Hölle gemacht haben, Ruhe. Das ist das Ergebnis der Medizin.
Nun sind Sie gefragt! Die Nerven sind wie ein Stimmungsbarometer in Ihrem Körper! Sie geben total Ruhe, wenn alles in Ordnung ist - aber sie schreien unüberspürbar auf, wenn die Balance aus dem Gleichgewicht gerät. Deshalb: Lassen wir uns froh sein, dass es Nerven gibt, dieses unglaubliche sensible Geflecht, das sich im wahrsten Sinne des Wortes von Kopf bis Fuß durch unseren Körper zieht. Und achten Sie in Zukunft darauf, dass die Nerven keinen Grund haben, sich gereizt zu fühlen, sprich zu reagieren d.h.: Verhindern Sie die Ursachen, wie Sie sie unter dem Stichwort ‚Ursachen‘ finden: Verkrampfen Sie nicht am Schreibtisch, verhindern Sie durch sinnvolle Ernährung Diabetes, achten Sie, dass Sie nicht stürzen und somit möglicherweise die Nerven am Hinterkopf einengen, einquetschen!
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Der Artikel wurde zuletzt am 12.12.2025 geprüft und aktualisiert.
Über den Autor
Dr. med. Munther Sabarini ist Direktor und Gründer der Avicenna Klinik. Der Facharzt der Neurochirurgie hat sich insbesondere auf die Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen spezialisiert. Dr. Munther Sabarini hat mehr als 30 Jahre Berufserfahrung. In dieser Zeit behandelte er über 30.000 Patienten.
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