Was ist ein Rezidiv-Bandscheibenvorfall?

Jährlich erfolgen in den USA circa 480.000 operative Eingriffe an der Lendenwirbelsäule – meist zur Behandlung von Bandscheibenvorfällen. Die Mehrheit der Patienten berichtet anschließend über hervorragende Ergebnisse. Doch bei 10 bis 15 Prozent der erfolgreich Operierten tritt ein erneuter Vorfall an der gleichen Stelle, ein sogenanntes Rezidiv (lat. recidere - ‚zurückfallen‘), auf. Betroffene verspüren in diesem Fall trotz zuvor erfolgter OP wieder Schmerzen. Sie ähneln den Schmerzen vor der ersten Operation. Auch die Symptome sind ähnlich. Die Schmerzen strahlen wieder ins Bein aus, es kann auch zu neurologischen Ausfällen (Taubheitsgefühl) kommen. Manche Patienten berichten sogar, dass die Schmerzen stärker sind als beim ersten Bandscheibenvorfall. Ursache dafür sind Vernarbungen im Bereich der Nervenwurzel, die auf die erste OP zurückzuführen sind. Rezidive entstehen meist Monate oder Jahre nach dem ersten Eingriff – ganz selten früher.

Weil der Eingriff keine nachhaltige Verbesserung gebracht hat, sind Patienten, aber auch Operateure, sehr enttäuscht. Dabei entstehen Rezidive in der Regel nicht aufgrund falschen Verhaltens der Patienten oder einer falschen Operationstechnik. Die Ursachen eines Bandscheibenvorfall-Rezidivs liegen hier:

  1. Im Fortschreiten des Verschleißprozesses.
     
  2. In der noch vorhandenen Muskelschwäche.
     
  3. In nicht ausreichender Therapie nach der Operation.
     
  4. Durch frühzeitige Belastungen. Tatsächlich begehen manche operierte Patienten den Fehler, ihren Bandscheiben zu früh zu viele Belastungen zuzumuten (u. a. schweres Heben und Tragen).
     
  5. Eine gewisse Rolle spielt auch die Operationstechnik - ob sie mikrochirurgisch durchgeführt wurde oder nach den herkömmlichen Methoden. Einige Autoren erklären einen erneuten Bandscheibenvorfall mit der Tatsache, dass der Riss im Faserring noch immer offen ist; Der Faserringriss stellt sozusagen ein „Tor“ dar, durch das erneut Bandscheibengewebe austreten kann.

Diagnose des Bandscheibenvorfall-Rezidivs

Sind Sie „erfolgreich“ an einem Bandscheibenvorfall operiert worden, aber Ihre Beschwerden sind erneut aufgetreten, dann sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen. Nur er kann feststellen, ob es zu einem Rezidiv gekommen ist. Die Technik hilft bei der exakten Diagnose.

Ihr Operateur wird sicher als erstes eine MRT (Magnetresonanztomographie) des operierten Wirbelsäulenbereiches veranlassen. Hier wird Kontrastmittel eingegeben, um zwischen postoperativen Vernarbungen (Spinal Adhäsionen) und einem erneuten Vorfall zu unterscheiden. Das Narbengewebe nimmt Kontrastmittel auf, neu vorgefallenes Bandscheibengewebe nicht. Liegt der Vorfall schon mehrere Jahre zurück, kann auf Kontrastmittel verzichtet werden, weil der Radiologe dann auch ohne Kontrastmittel einen erneuten Vorfall von einer Vernarbung unterscheiden kann.

Bei Patienten mit einem Herzschrittmacher und ähnlichen elektromagnetischen Geräten wird eine CT (bzw. CT-Myelographie) veranlasst.

Die MRT zeigt dann, ob ein neuer Vorfall vorliegt, die genaue Größe und Lokalisation.

Therapie des Bandscheibenvorfall-Rezidivs

Was ist nun zu tun?

Auf Grund der Beschwerden, des neurologischen Befundes und der MRT-Ergebnisse wird ein Therapieplan mit Ihnen besprochen. Selbstverständlich wird zunächst eine konservative Therapie (Schmerzmittel und Physiotherapie)  angestrebt. CT-gesteuerte PRTs (Spritzen) könnten auch für eine gewisse Zeit helfen, den Schmerz lindern. Sollten sich die Beschwerden eher im HWS-, BWS- oder LWS-Bereich befinden, könnte die Thermo-Denervation angesetzt werden. Liegt eine neue Protrusion (Vorwölbung) vor, dann käme die Laser-Diskus-Dekompression (PLDD) in Betracht.

Die Entscheidung für eine erneute Operation (Mikrochirurgie) zur Entfernung des „neuen“ Vorfalls trifft man, wenn die oben genannten Therapien nicht geholfen haben bzw. wenn sie nicht angesetzt werden können. Das Vorgehen beim chirurgischen Eingriff entspricht dem Vorgehen wie bei der ersten Operation – mit dem Unterschied, dass hier oft Verwachsungen vorliegen, die abgetragen werden. Der stationäre Aufenthalt beträgt um die 5 Tage.

Es wird natürlich auch die Überlegung angestellt, die gesamte Bandscheibe zu entfernen, aber das ist keine einfache Entscheidung. Warum? Weil sie Risiken in sich birgt, die für die Zukunft bedacht werden müssen.

Das Problem lautet: Fehlt die Bandscheibe, beschleunigt dies die Degeneration der angrenzenden Wirbelkanten. Langfristig verursacht diese operative Vorgehensweise oft eine erhebliche Verschlechterung und hat später weitere Eingriffe und im schlimmsten Fall eine Wirbelsäulenversteifung zur Folge. Auch ein Ersatz für die Bandscheibe (Bandscheibenersatz – künstliche Bandscheibe, oder Platzhalter (Cage)) bedeutet mehr oder weniger eine Versteifung des Segments. Auch die künstlichen Bandscheiben im LWS-Bereich (risikoreicher abdominaler Zugang) versteifen sich oft nach einigen Jahren.

Mediziner kennen dieses Problem seit Jahren. Eine Lösung ist, den Riss mit einem sogenannten Titanstopfer zu verschließen. Wenn sich der Patient dafür entscheidet, muss er über die nicht zu unterschätzenden Gefahren aufgeklärt werden. Das bedeutet, das Implantat kann verrutschen und dabei Nerven verletzen. Außerdem zu berücksichtigen: die Entstehung unklarer MRT-Bilder durch die Bildung von Schatten, den sogenannten Artefakten, im Fall eines erneuten MRTs.

Es besteht eine Alternative, den Riss des Faserringes mit einem stabilen Spezialfaden zu verschließen

Sind Rezidive zu vermeiden?

Antwort JEIN!

Wir gehen allerdings davon aus, dass eine zeitgerechte und korrekte Mobilisierung nach der ersten Operation und eine korrekte postoperative Nachbehandlung die besten Therapien darstellen, um ein Rezidiv zu verhindern. Der Patient freilich trägt auch eine große Verantwortung, schmerzfrei zu bleiben. Das bedeutet: Trotz hervorragender Ergebnisse nach der ersten Operation sollte er sein Leben vorsichtig angehen und auf frühzeitige Belastungen verzichten. Wichtig ist es auch, den Rückenmuskulatur langsam aber kontinuierlich zu stärken.

Prognose

Warum ist die Angst vor einem dritten Rezidiv-Vorfall meist unbegründet? Warum kommt es so gut wie nie zu einem dritten Vorfall? Die Antwort liegt in der Erfahrung des zweiten Rezidivs. Es hat alle Alarmsirenen klingeln lassen und ein neues Verhalten eingeläutet. Diese meist jüngeren Bandscheiben-Rezidiv-Patienten haben überwiegend gut erhaltene Bandscheiben, und sie sind bereit, ihre Rückenmuskulatur zu stärken. Sollte es dennoch zu einem neuen Vorfall kommen, ist auch das kein Untergang: Eine wirksame Therapie mit gezielter Krankengymnastik ist immer möglich. Eine stationäre Rehabilitation ist in der Regel nicht notwendig. Durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen kann der Genesungsprozeß begleitet werden.

Dr. med. Munther Sabarini

Autor
Dr. med. Munther Sabarini
Facharzt für Neurochirurgie

Hans-Heinrich Reichelt

Co-Autor
Hans-Heinrich Reichelt
Chefredakteur Medizin für Menschen

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