Was sind Spinale Adhäsionen?

Verwachsungen oder Vernarbungen können überall entstehen - so auch rund um die Wirbelsäule, an den Neuralstrukturen, aber auch im Bauch und sogar am Herzen. Das andere Wort für Verwachsungen heißt Adhäsion - ‚adhere‘ bedeutet „an etwas kleben oder haften“. Es handelt sich um fibröse Fasern, die sich auf die Strukturen oder Organe kleben. Adhäsionen entstehen nach chirurgischen Eingriffen, Verletzungen, Blutungen und Entzündungen. Wenn Vernarbungen nach anatomisch „erfolgreichen“ Wirbelsäuleneingriffen entstehen, dann reden wir von einem Postnukleotomie-Syndrom. Auch „geheilte“ Bandscheibenvorfälle hinterlassen Verwachsungen, die sich auf die Neuralstrukturen aufkleben und drucken, wie der Vorfall selbst.

Häufigkeit - das sagen internationale Studien über Spinale Adhäsionen aus

Internationale Studien belegen, dass Verwachsungen nach chirurgischen Eingriffen häufiger vorkommen als man glaubt. Studien belegen, dass 67 Prozent der Menschen, die früher einmal operiert wurden, auch Verwachsungen hatten. Die Rate betrug 81 bzw. 93 Prozent bei Patienten mit großen bzw. mehreren Operationen. Bei Menschen, die niemals eine Operation hatten, betrug die Anzahl der Verwachsungen nur 10,4 Prozent. Das sogenannte Postnukleotomiesyndrom entwickeln etwa 15 Prozent aller Patienten, die sich einer Bandscheibenoperation unterzogen haben. Bei zwei Drittel dieser Betroffenen sind die Ursachen kernspintomographisch sichtbarere Vernarbungen oder Verwachsungen im Periduralraum.

Ursachen der Spinalen Adhäsionen

WIE entstehen spinale Verwachsungen - wenn nicht als Operationsfolgen an der Wirbelsäule? Die Antwort ist nicht ganz einfach, weil es sich bei den Adhäsionen um eines der am besten bewahrten Geheimnisse oder Rätsel der modernen Medizin handelt. Es ist sogar möglich, dass Menschen eine genetische Veranlagung zur Adhäsionsbildung haben. Aber einiges weiß man natürlich - u. a.:

Verwachsungen können sich bilden aufgrund von unterschiedlichen - auch nicht-chirurgischen - Veränderungen: Entzündungen, Verletzungen, Chemotherapie, Bestrahlungen oder bösartige Erkrankungen wie Krebs können Verwachsungen auslösen. Verwachsungen entstehen auch nach einer spontanen Blutung im Epiduralraum, nach Trauma und Entzündungen und nach einem ‚geheilten‘ Bandscheibenmaterialaustritt im Spinalkanal. All diese Prozesse stellen ‚Fremdkörper’ in diesem Bereich dar. So könnten Verwachsungen als Schutzreaktion verstanden werden. Vernarbungen machen die Nervenwurzeln fast unbeweglich und verschlechtern auch die Durchblutung und die Liquor-Zirkulation.

Symptome von Spinalen Adhäsionen

Oft handelt es sich um mittelausgeprägte langwierige Schmerzen im Bein, Arm oder Rücken. Einige Wochen oder Monate nach dem Geschehen (chirurgischer Eingriff, Bestrahlungen, Verletzung usw.) entstehen brennende oder ziehende Schmerzen oft mit Missempfindungen im Bein oder Arm.

Diagnose Spinale Adhäsionen

Jede Diagnose beginnt mit dem Arzt-Patienten-Gespräch. So auch in diesem Fall. Schildern Sie Ihrem Arzt, wo und wie lange Sie Schmerzen haben. Eine Kernspintomographie mit Kontrastmittel zeigt die Verwachsungen eindeutig. Ein Kontrastmittel ist eine Flüssigkeit. Kontrastmittel soll dabei helfen, dass sich die Narben-Gewebe in der MRT-Untersuchung deutlicher von anderen Strukturen abheben. So kann man zwischen einem erneuten Bandscheibenvorfall oder Verwachsungen unterscheiden.

Behandlung der Verwachsungen

Eines muss man ganz deutlich sagen: Bei der Therapie von Adhäsionen gibt es keine einfache Lösung.

Kann man Verwachsungen intra-operativ vermeiden? Die intraoperative Manipulationen spielen auch eine Rolle: Je minimal-invasiver der Eingriff ist desto weniger Verwachsungen entstehen. Herkömmliche Eingriffe mit größeren Öffnungen neigen mehr dazu, Verwachsungen zu verursachen. Vorsichtiges mikrochirurgisches Präparieren während der Operation und Vermeidung von Blutungen verursachen weniger Vernarbungen. Gegen Verwachsungen ist die Infiltration des OP-Feldes mit Anti-Narben-Gel sinnvoll.

Auch nach der Operation sollte das Gewebe Zeit haben, um sich zu erholen und zu regenerieren. Frühzeitige Belastung und Beanspruchung des Gewebes führt eher zur Entwicklung von Adhäsionen.

Sollten jedoch die Schmerzen allein auf Vernarbungen um die ausreichend dekomprimierten Nervenwurzel zurückzuführen (Neuer Vorfall oder Instabilität muss ausgeschlossen werden) sein, dann gibt es drei Therapiewege - das sind die medikamentöse, die chirurgische und/oder die psychologische Behandlung. Es hat sich gezeigt, dass eine sorgfältige und präzise OP-Technik der effektivste Weg ist, die Verwachsungen aufzulösen und einer erneuten Bildung von Adhäsionen vorbeugt. Die mikrochirurgische Variante ist die sogenannte  Adhäsiolyse mit der Infiltration von Anti-Narben-Gel. Ein anderes Verfahren ist die Epiduroskopie. Mit diesem Verfahren kann Ihr Arzt Verwachsungen und Entzündungen im Wirbelkanal sichtbar machen und mit feinen Instrumenten auflösen.

Zur medikamentösen Schmerztherapie gehört eine Kombination aus Schmerzmitteln. Die Schmerztherapie beginnt mit einfachen Schmerzmitteln, begleitet von Physiotherapie und Psychosozialtherapie. Nicht selten landen Patienten bei starken Morphinpräparaten, kombiniert mit antineuropathischen und antidepressiven Substanzen.

Eine gute Alternative wäre dann die Rückenmarkstimulation, bei der elektrische Impulse erzeugt werden, um die Schmerzimpulse zu ändern oder zu unterdrücken (spinal cord stimulation).

Prognose - so hilft die Mikrochirurgie bei Spinalen Adhäsionen

Die Mikrochirurgie ist eine gute Alternative zur Abtragung der Verwachsungen. Das Anti-Narben-Gel schützt vor Narbenentwicklung. Wichtig ist die adäquate postoperative Versorgung. Eine kombinierte Therapie wie oben geschildert ist oft erfolgreich.

Dr. med. Munther Sabarini

Autor
Dr. med.Munther Sabarini
Facharzt für Neurochirurgie

Hans-Heinrich Reichelt

Co-Autor
Hans-Heinrich Reichelt
Chefredakteur Medizin für Menschen

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