Was ist das Steißbein, und wo sitzt es am Rückgrat?

Das Steißbein ist das Schlusslicht des Rückgrats. Die zwei bis fünf Knochensegmente, die das Steißbein bilden, sind meistens fest miteinander verbunden und bilden einen dreieckigen Knochen. Als unterste Spitze der Wirbelsäule dient das Steißbein als Ansatz für die Muskeln, Sehnen und Bänder des Beckens. Das Steißbein ist zwar klein, kann aber großen Einfluss auf unser Wohlbefinden haben. Das Steißbein hat nicht den besten Ruf. Zumal es den meisten Menschen erst zu Bewusstsein kommt, wenn sie einmal darauf gefallen sind - egal, ob auf nassem Herbstlaub, vereisten Bürgersteigen oder rutschigem Treppenabsatz.

Wie das Schienbein ist das Steißbein nur von einer dünnen, empfindlichen Knochenhaut umgeben, die kaum Schutz bietet. Entwicklungsgeschichtlich handelt es sich beim Steiß um den rückgebildeten körpernahen Teil des Schwanzskeletts. Beim Gehen oder Stehen bewegt sich das Steißbein nicht. Beim Sitzen konnte durch Röntgenaufnahmen festgestellt werden, dass das Steißbein eine Beweglichkeit bis zu 20 Grad nach vorne und hinten haben kann. Eine sogenannte Coccygodynie ist die Bezeichnung für Schmerzen in der Umgebung des Steißbeins (Os coccygis). Verletzungen des Steißbeins sind oft schmerzhaft und langwierig. Noch Jahre nach einem Sturz erinnert man sich daran, wo man gerade war, als der Schmerz durch den ganzen Körper ging - stechend, ziehend, qualvoll.

Bei Steißbeinschmerzen sind Frauen häufiger betroffen als Männer

Der Grund: Das Steißbein ist durch die Schwangerschaft und vor allem durch die Entbindung stark belastet. Weitere Fakten, die Sie interessieren und beeindrucken werden: Der häufigste Grund für Schmerzen im Steißbein ist zu langes Sitzen. Tatsächlich verbringt ein Büroarbeiter im Laufe seines Berufslebens  80.000 Stunden in der Po-Ebene. Die Sesshaftigkeit des eigentlich bewegungsaktiven Menschen summiert sich in den westlichen Ländern oft auf 10 bis 14 Stunden täglich. 14 Millionen Schüler und Studenten werden überwiegend sitzend unterrichtet. Der Durchschnittsdeutsche sitzt 9,6 Stunden am Tag. Das lässt nicht nur die Haltemuskulatur verkrümmen und führt zu Rückenschmerzen, sondern begünstigt auch Gefäßerkrankungen wie beispielsweise die Steißbeinfistel. Eine Steißbeinprellung tritt weit häufiger auf als ein Bruch des Steißbeines.

Steißbeinschmerzen haben unterschiedliche Ursachen

Weshalb die Steißbeinschmerzen auftreten, lässt sich nicht in jedem Fall sicher feststellen.  Allerdings: Schmerzen am Steißbein sind oft die Folge von Stürzen auf das Gesäß - beispielsweise durch Sportunfälle. Prellungen oder Brüche verursachen starke Schmerzen, die man besonders beim Sitzen, Treppensteigen, beim Stuhlgang und selbst beim Geschlechtsverkehr spürt. Auch schwere Entbindungen, Irritationen im Bereich der Muskelansätze bzw. Sehnen am Knochen (Tendopathien), Tumore im Bereich des Steißbeins oder angeborene Steißbeinanomalien sind als Ursachen bekannt. Selbst langes Sitzen auf weicheren Unterlagen (z.B. Sofa) kann bei manchen Menschen zu Steißbeinschmerzen führen. Auf Englisch hat die Coccygodynie deshalb auch den Beinamen ‚television bottom‘, was so viel bedeutet wie ‚Fernsehhintern‘. Weitere mögliche Ursachen für Steißbeinschmerzen können sein: Knochenhautentzündung, Steißbeinverrenkung, Steißbeinfistel, Fehlstellungen des Steißbeins, Verletzungen im Beckenbereich, Lumbalgien (z.B. Hexenschuss), Bandscheibenvorfall, chirurgische Eingriffe, Nervenreizungen, gynäkologische Probleme (z.B. Endometriose).

Ein typisches Symptom ist ein stechender, brennender Schmerz im Steißbeinbereich

Nicht bei allen Krankheiten gibt es typische Symptome, die entscheidende Hinweise auf das Problem geben. Bei Steißbeinschmerzen ist das anders. Das typische Symptom ist ein stechender, brennender Schmerz im Steißbeinbereich. Es ist auch möglich, dass sich die Schmerzen in weitere Regionen wie Hüfte-, Lenden-und Analbereich ausweiten. Das größte Problem: Patienten, die unter Steißbeinschmerzen leiden, können in der Regel nicht lange und nur schlecht auf harten Flächen sitzen. Die Schmerzen können gleich beim Sitzen auftreten, erst bei längerem Sitzen oder sogar erst beim Aufstehen. Derartige Beschwerden treten bevorzugt nach einer Entzündung der Knochenhaut (Periost) auf. Darüber hinaus können attackenförmige Nervenschmerzen auftreten. Sie werden dadurch ausgelöst, dass das Nervengeflecht am unteren Kreuzbein und Steißbein in Mitleidenschaft gezogen ist. Doch egal aus welchem Grund: Betroffene können meist tage-, wochen-, manchmal sogar monatelang nicht sitzen, ohne zu leiden. Achtung! Wer nicht beim Facharzt Hilfe sucht, muss damit rechnen, dass Steißbeinschmerzen chronisch werden (können).

Diagnose Steißbeinschmerzen

Voraussetzung für eine aussagekräftige Diagnostik ist das sogenannte Anamnesegespräch. Hier  schildert der Patient detailliert seinen Schmerz- und Krankheitsverlauf. Als erstes beginnt danach die körperliche Untersuchung, d.h.: Ist der Druck aufs Steißbein schmerzhaft, handelt es sich ziemlich sicher um eine Coccygodynie. Eine klinische Untersuchung und bildgebende Verfahren runden das Diagnostik-Verfahren ab. Da muss man wissen: Bildgebende Verfahren (z. B. Röntgen des Steißbeins, Computertomographie, Kernspintomographie) lassen meist keine sichtbaren Veränderungen erkennen. Sie sollten aber dennoch gemacht werden, um eine lokale Entzündung oder einen Tumor auszuschließen. Wesentlich aussagekräftiger ist eine Magnetresonanztomographie (MRT), bei der man knöcherne Verletzungen, Frakturen und Verletzungen der angrenzenden Weichgewebe besser beurteilen kann.

Auch Tumore sind im MRT gut zu erkennen. Besteht tatsächlich ein Verdacht auf eine Entzündung oder einen Tumor, ordnet der Arzt bei der bildgebenden Untersuchung Kontrastmittel an, um den betroffenen Körperbereich noch detaillierter darzustellen. Weiter - die Untersuchung von innen: Über den Enddarm kann der Arzt ertasten, wie beweglich das Steißbein ist, Spannungen im Becken oder Veränderungen der inneren Organe aufspüren. Ist diese Untersuchung - das Abtasten des Steißbeins - für den Patienten schmerzauslösend, bewahrheitet sich der Verdacht Steißbeinschmerzen.

Zu den Therapien gehören Physio und Schmerzmittel

Eine akute Coccygodynie kann durch begleitende, allgemeine Therapieansätze gelindert werden. Konservative Therapien wie medikamentöse Schmerztherapie und lokale Spritzen lindern schon die Schmerzen. Chronische Steißbeinschmerzen sind jedoch wegen ihrer Langwierigkeit gefürchtet. Falls keine Ursache auffindbar ist, können örtliche Infiltrationen mit Kortikoiden oder Lokalanästhetika an der Verbindung zwischen dem Kreuz- und dem Steißbein eingebracht werden. Schmerzmittel als Tabletten können zur Unterstützung beim Behandeln verabreicht werden. Zusätzliche Maßnahmen können Krankengymnastik/Physiotherapie, bestimmte Übungen und die Versorgung mit einem Sitzring sein.

Zu den möglichen Behandlungen bei Steißbeinschmerzen zählen neben konservativen Therapien aber auch Infiltrationen und Denervierung. Bei der Denervierung (auch Denervation genannt), führt der Arzt unter Bildwandler-Kontrolle eine Spezial-Kanüle genau an der Stelle ein, wo sich die gereizten Nerven (Äste des Spinalnervs) befinden. Der kleine Nerv wird mit der Nadel gereizt (stimuliert), um zu sehen, ob die richtige Stelle getroffen ist (Neurostimulation). Danach wird ein Laser, der per Glasfasern durch die Nadel kommt, direkt auf die betroffene Stelle geleitet. Die Hitze der Laserenergie legt die gereizten Nervenfasern dann still (Denervation).

Eine operative Entfernung des Steißbeins (Steißbein OP) wird bei länger anhaltenden Steißbeinschmerzen in Betracht genommen, ist aber in den seltensten Fällen wirklich nötig.

Prognose - Sie müssen ein rückengerechtes Verhalten lernen

Kennen Sie den Satz „ Solange die Menschen nicht nach Bewegung, sondern nach Sitzplätzen verlangen, bleibt es schwierig, sie von den negativen Folgen des Sitzens zu entlasten“? Das heißt: Nach einer Behandlung am Steißbein müssen Sie sich als Patient langfristig ein rückengerechtes Verhalten in Alltag und Freizeit, vor allem bei der Art des Sitzens, zulegen und Ihre Muskulatur stärken. Im Klartext: Integration von mehr Bewegung in den Tag; beispielsweise mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, möglichst viele kleine Wege im Büro gehen (etwa zum Drucker…), Spaziergang in der Mittagspause. Vordergründig geht es immer darum, das Steißbein zu schonen.

Hier drei Tipps: Perfekt wäre es, wenn Sie Ihren Bürostuhl durch einen ergonomischen Bürostuhl oder einen ergonomischen Hocker austauschen. Hilfreich ist ein Steißbeinkissen, bei dem das Steißbein nahezu druckfrei liegt. Sie werden sich über die Linderung mehr als wundern. Und: Kommen Sie raus aus dem Teufelskreis des Sitzens - das ist sicher auch an Ihrem Arbeitsplatz möglich. Leben Sie nach der 40-15-5 Regel. Das bedeutet: 40 Minuten sitzen, 15 Minuten im Stehen arbeiten, 5 Minuten rumlaufen. Bauen Sie gymnastische Übungen in Ihren Alltag ein - damit können Sie die Rückenmuskulatur und den Beckenboden stärken …und gleichermaßen das Steißbein gut entlasten.

Dr. med. Munther Sabarini

Autor
Dr. med.Munther Sabarini
Facharzt für Neurochirurgie

Hans-Heinrich Reichelt

Co-Autor
Hans-Heinrich Reichelt
Chefredakteur Medizin für Menschen

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