Verschleiß, Abnutzung der Wirbelsäule - was ist das?

Unsere Wirbelsäule besteht aus Wirbelkörpern, Wirbelbögen, Wirbelgelenken, Dorn- und Querfortsätzen, Bandscheiben, Bändern, Ligamenten und mehr. Zur Wirbelsäule gehören auch der Spinalkanal und die Nervenaustrittsstelle (Neuroforamen). Unter Verschleiß oder Abnutzung verstehen sich die Abbauprozesse in diesen Strukturen und deren Funktion.

Beim Verschleiß und bei der Abnutzung der Bandscheibe reden wir von Degeneration. Es kommt zu Minderung der Zellanzahl mit Funktionsbeeinträchtigungen dieser Zellen. Dies führt zum Verlust an Wassergehalt und an Elastizität. Die Bandscheibenhöhe reduziert sich. Es entstehen Risse in der Bandscheibe, was später zu Bandscheibenvorfällen und anderen Verschleißstörungen führt.

Beim Verschleiß der Knochenstrukturen (Spondylose, Osteochondrose) sammeln sich Verknöcherungen (Knochenanbauten) am Rande der Knochen (Osteophyten). Das begrenzt die Beweglichkeit des betroffenen Segments. Verknöcherungen im Bereich des Spinalkanals führen zusammen mit Verdickungen und Verhärtungen der Bänder, Ligamente und Kapseln zu einer Spinalkanalstenose, und/oder zu Neuroforamenstenose, wenn dieses im Bereich der Nervenaustrittsstelle (Neuroforamen) geschieht. Verschleiß der Bandscheibe und Wirbeln führt oft zum Knochenödem. Arthrose der Wirbelgelenke bezeichnen wir als Wirbelgelenksarthrose oder Facettenarthrose.

Der Verschleiß fasst oft mehrere Strukturen zusammen und beginnt fast immer in der Bandscheibe. Neben dem Lebensalter kennen wir andere, äußere Gründe für Verschleißerscheinungen; Beispielsweise kann jahrelange schwere körperliche Arbeit zu verschleißartigen Veränderungen der Wirbelsäule führen. Weiterhin beeinflussen die individuelle Veranlagung des Menschen, Sportarten und deren Intensität sowie Rauchen und Übergewicht den Verschleiß. So ist es nur allzu logisch, dass sich das Beschwerdebild normalerweise schleichend entwickelt.

Grundsätzlich sollten wir alle verinnerlichen: Wenn wir uns bewusst machen, wie wenig viele Menschen auf ihren Rücken achten, dann verwundert es nicht, dass er eines Tages die Rechnung bringt…in Form von Beschwerden, die möglicherweise nicht mehr weg zu trainieren oder weg zu massieren sind.

Die meisten Rückenprobleme sind im Bereich der Lendenwirbelsäule

Schon bei drei Viertel aller Menschen im Alter von Ende zwanzig lassen sich Risse in einzelnen Bandscheiben erkennen. Mit Mitte dreißig haben vier von zehn Menschen abgenutzte Wirbelsäulengelenke, mit siebzig Jahren hat sie praktisch jeder. Wie stark der normale Verschleiß voranschreitet, wird von zwei Faktoren bestimmt: von unseren Genen und von unserer Lebensweise.

Schätzungen zufolge hatten 60 bis 80 Prozent der Bevölkerung schon mindestens einmal im Leben Rückenschmerzen. Etwa 40 Prozent haben oft oder sogar dauerhaft damit zu kämpfen. Mit 62 Prozent treten die meisten Rückenprobleme im Bereich der Lendenwirbelsäule auf. Hierbei handelt es sich um "Kreuzschmerzen" im klassischen Sinne. Die Halswirbelsäule ist zu 36 Prozent und die Brustwirbelsäule nur zu zwei Prozent betroffen.

Ursachen für den Verschleiß? Bandscheiben brauchen Bewegung

Fragen wir nach möglichen Ursachen für Wirbelsäulenverschleiß, dann lautet die Antwort: Es gibt nicht EINE Ursache - es gibt mehrere Ursachen! Und wenn wir Pech haben, beginnt der Verschleiß schon nach der Geburt, weil wir über entsprechende Gene verfügen! Das ist natürlich nicht die Norm - die Norm liegt eher in der Vielschichtigkeit! Die ersten Alterserscheinungen zeigen sich in der Regel an den Bandscheiben. Das liegt daran, dass das Knorpelgewebe nicht über Blutgefäße ernährt wird und einen verlangsamten Stoffwechsel hat. Deshalb werden sie dünner, reißen mitunter ein, puffern nicht mehr so stark und verlieren an Elastizität und Spannkraft. Weil durch den Volumenverlust auch der Abstand zwischen den einzelnen Rückenwirbeln schrumpft, lockern sich die haltenden Bänder.

Eine der Hauptursachen dafür liegt allerdings in uns selbst: Bandscheiben brauchen Bewegung - sie bleiben nur jung und elastisch, wenn sie durchgeknetet werden, damit ihr Stoffwechsel angekurbelt wird. Verschleiß an der Wirbelsäule kann alle Anteile der Wirbelsäule betreffen - also die Halswirbelsäule, die Brustwirbel- und die Lendenwirbelsäule. Wie überall, gibt es auch im Bereich der Wirbelsäule Schwachstellen - die liegen im Bereich des Überganges von Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein und im Bereich der unteren Halswirbelsäule im Übergang zur Brustwirbelsäule.

Die Bandbreite der Symptome ist breit

Spüre ich die Symptome einer degenerativen Wirbelsäule? Oh, ja … und wie! Zu den Symptomen ein allgemeines Wort: Schmerzen - wo auch immer im Körper - bewirken sie einen tristen Alltag, oft schlimme Nächte. Wer will schon Schmerzen? Niemand! Und doch sind Schmerzen ein Segen! Denn sie sind ein Hinweis, dass etwas nicht stimmt im Körper. DASS SIE ZUM ARZT GEHEN SOLLTEN!

Wenn in Ihrem Rücken der schleichende Prozess der degenerativen Wirbelsäule eingesetzt hat, äußert sich die Situation, wie schon betont, in ausbreitenden oder akuten Schmerzen. Das ist aber noch nicht alles: Es kann zu Einschränkungen der Beweglichkeit des Rückens kommen - immer wieder werden auch entzündliche Reaktionen in den Wirbelgelenken festgestellt. Sensibilität und/oder Motorik kann gestört werden - allerhöchste Zeit für einen Arztbesuch wird es bei Missempfindungen und Lähmungserscheinungen. Das ist ein Alarmsignal, dass Nervenstränge bedrängt werden. Sie zahlen dann mit ausstrahlenden Schmerzen in Gesäß und Beine offensichtlich gerade den Preis dafür, dass mit zunehmendem Alter der Rückenmarkskanal durch den jahrelangen Verschleiß und aufgrund der Verdickung der Gelenke eingeengt ist.

Im Bereich der Brustwirbelsäule kann die Facettengelenkarthrose auch Schmerzen im Bereich des Herzens auslösen. Auch die kleinen Rippengelenke können von einer Arthrose betroffen sein. Die extreme Abnutzung der Gelenke kann uns Schmerzen bereiten, die in Brust und Rücken ausstrahlen.

Sie sehen selbst: Die Bandbreite der möglichen Symptome, die auf einen Verschleiß der Wirbelsäule hinweisen, ist breit. Ein Grund mehr, einen Termin beim Arzt zu vereinbaren. Denn schleichende Prozesse lassen sich - wenn überhaupt - nur aufhalten, wenn man sie ernst nimmt und behandelt!

Diagnose Verschleiß der Wirbelsäule

Ob ein Verschleiß der Wirbelsäule vorliegt, entscheidet der Arzt, denn nur er kann es professionell beurteilen. Zuvor hat er mit dem Patienten ein intensives Anamnesegespräch geführt und danach für die Befunderhebung möglicherweise bildgebende Verfahren verordnet. Jede Erkrankung oder Verletzung im Inneren des Körpers stellt sich auf unterschiedliche Weise dar, und spezielle Geräte sind für genaue Diagnosen unerlässlich. Aus diesem Grund verfügen wir in der Avicenna Klinik über eine hochmoderne technische Ausstattung im Bereich der bildgebenden Diagnostik:

Offene Kernspintomographie (MRT): Ein MRT - auch als Kernspintomografie bekannt - kommt vollständig ohne Strahlung aus - im Gegensatz zu einer Computertomographie (CT) - und eignet sich somit auch gut zur Untersuchung von Kindern.

Digitales Röntgen: Trotz moderner Entwicklungen in der bildgebenden Diagnostik gilt für bestimmte Basisuntersuchungen die Röntgentechnik  weiterhin als notwendig. Digitales Röntgen ermöglicht uns die genaue Untersuchung von Lunge und Knochen, um Frakturen, degenerative Veränderungen, Osteoporose, Tumore sowie Gelenkerkrankungen zu erkennen.

Behandlungen bei Verschleiß der Wirbelsäule

So vielfältig sich Rückenschmerzen darstellen, so unterschiedlich sind auch die Möglichkeiten, zu helfen, idealerweise zu heilen. Erst nach Feststellung der Ursache Ihrer Beschwerden beginnen wir mit einer gezielten individuellen Behandlung. Frühzeitige Diagnostik und Therapie, interdisziplinäre Arbeit, Anwendung mehrerer Methoden, Betreuung auch nach der Behandlung sowie die Erarbeitung von zukünftigen Prophylaxe-Programmen bilden wichtige Bestandteile unserer Wirbelsäulentherapie. Leider existiert kein Allheilmittel gegen Rückenschmerzen.

Da die Ursachen für die allgemeine Diagnose ‚Verschleiß der Wirbelsäule‘ umfangreich sind, sind auch die Folgen komplex. Sie reichen von Muskelverspannungen und Bewegungseinschränkungen mit möglichen Nervenreizungen (Schmerzen), und es gilt, diesen Teufelskreis, in dem sich der Patient befindet, zu durchbrechen. Um das zu erreichen und wieder mehr Lebensqualität zu schaffen, ist auch die Bandbreite der Therapie umfangreich. Unsere Therapien umfassen konservative Therapieformen (beispielsweise Physiotherapie), CT-gesteuerte Infiltrationen und selbstverständliche chirurgische Therapien. Wir operieren in mikrochirurgischer Technik besonders schonend - und deshalb auch mit größtmöglicher Sicherheit für den Patienten. Bei den medikamentösen Verfahren werden überwiegend antientzündliche Medikamente eingesetzt.

Zu unserer Therapie gehört es auch, den Patienten zu ermuntern, nicht nur passiv auf unsere Hilfe zu setzen, sondern sich aktiv daran zu beteiligen. Das heißt: Bewegung und - falls Übergewicht eine Ursache für die Probleme sein sollte - auch eine Umstellung der Ernährung. Mit anderen Worten: EIGENVERANTWORTUNG für seine Gesundheit übernehmen. Außer konservativer Therapie stehen uns weitere Therapieansätze (je nach Stärke und Umfang des Verschleißes) zur Verfügung. Bei der Mikrochirurgie werden die komprimierenden Anbauten abgetragen um mehr Platz für die Nerven zu schaffen.

Prognose - starke Muskeln stabilisieren die Wirbelsäule

Erhöhte Belastungen der Wirbelsäule, viel körperliche Arbeit, sitzende Tätigkeiten ohne Ausgleich, Fehlbelastungen oder angeborene Fehlhaltungen - entweder die ganze Palette oder einzelne Bausteine haben Sie in die Situation gebracht, in der der Arzt von degenerativer Wirbelsäule spricht. Und wie geht es nun weiter? Aufgeben? Verzweifeln? Nein, natürlich nicht! In Sachen Verschleißerscheinungen gilt nach der medizinischen Behandlung: Starke und trainierte Muskeln stabilisieren die Wirbelsäule und können Abnutzungen bis zu einem gewissen Grad kompensieren. Wer sich also viel bewegt und rückenfreundlich verhält, kann oft auch mit einer alternden, im Prinzip aber unversehrten Wirbelsäule weitgehend schmerzfrei leben.

Dr. med. Munther Sabarini

Autor
Dr. med.Munther Sabarini
Facharzt für Neurochirurgie

Hans-Heinrich Reichelt

Co-Autor
Hans-Heinrich Reichelt
Chefredakteur Medizin für Menschen

Avicenna Klinik Berlin hilft Ihnen gern weiter

Seit dem Jahr 2000 hat die Avicenna Klinik ihren Sitz in Berlin. Unsere Ärzte haben auf ihrem jeweiligen Gebiet (Neurochirurgie, Wirbelsäulenchirurgie, Anästhesie, Orthopädie) jeder mindestens 25 Jahre internationale Erfahrung.

Falls Sie sich mit starken Rückenschmerzen, einem Bandscheibenvorfall oder dem Verdacht auf einen solchen in unserer Klinik vorstellen möchten, nutzen Sie folgenden Kontakt:

Avicenna Klinik
Paulsborner Str. 2
10709 Berlin

Telefon: +49 30 236 08 30
Fax: +49 30 236 08 33 11
E-Mail: info@avicenna-klinik.de

Sie können jederzeit anrufen, eine E-Mail schreiben oder ein Rückrufformular ausfüllen. Jeder Patient bekommt dann einen Termin bei einem Arzt unserer Klinik, der in jedem Fall ein Wirbelsäulenspezialist (Neurochirurg) ist. Anhand von MRT-Bildern (mitgebrachte oder bei uns im Haus erstellte) und einer eingehenden Untersuchung, wird der Arzt mit Ihnen alle verschiedenen Möglichkeiten einer Therapie oder Operation durchsprechen. Sie können unsere Fachärzte auch nur zum Einholen einer (Zweit-)Meinung in Anspruch nehmen.

Wenn Sie sich entscheiden sollten, Ihre Therapie und/oder Operation bei uns in Berlin durchführen zu lassen, wollen wir Ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten. In unserer Klinik stehen Sie als Mensch im Mittelpunkt. Dabei erwartet Sie eine hochmoderne Ausstattung in allen Bereichen – vom Operationssaal bis zum Patientenzimmer.

Neueste, schonende, minimalinvasive Behandlungsverfahren sind der Schwerpunkt unserer Klinik. Gemeinsam versuchen wir, eine geeignete Behandlung Ihrer Beschwerden zu finden. Erst nach ausführlichem Patientengespräch, Untersuchung und Diagnostik erfolgt die eigentliche Therapie. Jeder Patient erhält dadurch eine individuell abgestimmte Behandlung.

Ebenso wichtig wie eine optimale medizinische Betreuung, ist für uns die individuelle menschliche Fürsorge. Während Ihres stationären Aufenthalts steht Ihnen daher unser Pflegepersonal rund um die Uhr zur Verfügung. Außerdem kommunizieren unsere Mitarbeiter in mehreren Sprachen wie Englisch, Arabisch, Bulgarisch, Russisch, Polnisch, Türkisch, und Französisch. Wir kümmern uns um Ihre Sicherheit, respektieren Ihre Wünsche, Traditionen und Ihre Religion.

Unser Team setzt sich aus einem Pool hochqualifizierter Spezialisten zusammen. Sie arbeiten gemeinsam daran, dass Sie schnell wieder gesund werden.