Was ist ein Wirbelbruch?

Die Achse des menschlichen Körpers ist die Wirbelsäule: Sie erfüllt wichtige statische Aufgaben und dient dem Schutz innerer Organe und des Rückenmarks und erlaubt Bewegung. Bei gesunden Menschen weist die Wirbelsäule eine hohe Stabilität auf, und es erfordert viel Krafteinwirkung, einen Wirbelbruch hervorzurufen. Die Wirbelsäule besteht aus insgesamt sieben Hals-, zwölf Brust-, fünf Lenden-, fünf verschmolzenen Kreuz- und vier bis fünf Steißbeinwirbeln. Zusammen mit einem komplexen Band- und Muskelapparat ist die Wirbelsäule also ein funktionelles, elastisches System, das Belastungen auffangen kann.

Zu einem Wirbelbruch der eigentlich sehr stabilen Wirbelkörper kann es kommen, wenn diese von außen massiv traumatisiert werden (Auto-, Fahrrad- und Motorradunfälle, Kopfsprung in flaches Wasser, Sturz, Sport, Gewalt). Dies geschieht nur bei einer großen äußeren Krafteinwirkung. Einen Aufprall extremen Ausmaßes kann die Muskulatur nicht abfangen. Zusätzlich wird die Wirbelsäule beim Sturz einseitig abgebremst. Der Wirbelkörper schlägt auf und bricht. Es kommt zu einem Wirbelbruch (fractura vertebrae). Eine Wirbelfraktur kann den Dornfortsatz, den Wirbelkörper oder den Wirbelbogen betreffen.

Für eine Wirbelfraktur gibt es diese Synonyme: Wirbelkörperbruch, Bruch des Wirbelkörpers, Kompressionsfraktur, Stauchungsfraktur, Biegungsfraktur, Berstungsfraktur.

1994 wurde von Friedrich Paul Magerl (* 21. Mai 1931 in der Steiermark), einem österreichischen Chirurgen und Pionier der Wirbelsäulenchirurgie, eine Klassifikation zur Beurteilung von Verletzungen im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule eingeführt, die bis heute üblicherweise zur Beurteilung herangezogen wird.

Typ A: Kompressionsverletzungen: Hierbei wird der Wirbel gestaucht. Das passiert vor allem im vorderen Bereich der Wirbel.

Typ B: Distraktionsverletzungen: Durch ein Drehmoment zerreißt der Wirbel in Querrichtung. Solche Verletzungen entstehen überwiegend im hinteren Wirbelbereich.

Typ C: Rotationsverletzungen: Sie entstehen während einer Drehung. Auch längsverlaufende Bänder und nicht selten Bandscheiben sind betroffen.

Wirbelbrüche - am häufigsten ist die Lendenwirbelsäule betroffen

Etwa 250.000 Wirbelbrüche (Wirbelfrakturen), zu denen auch die Wirbelkörperfraktur zählt, treten pro Jahr in Deutschland auf. Während bei jüngeren Betroffenen in der Regel Verkehrs- und Sportunfälle die Ursachen für einen Wirbelbruch sind, gehen Wirbelfrakturen bei älteren Menschen vor allem auf eine schwache Knochenstruktur durch Osteoporose zurück. In 20 Prozent der unfallbedingten Brüche sind zwei oder mehrere Wirbel betroffen. Jeder zweite Patient (54,4 %) zieht sich eine Begleitverletzung zu. Und das Risiko, ein neurologisches Defizit zu erleiden, steigt signifikant mit zunehmender Verletzungsschwere, so dass ca. 53 Prozent der Patienten sogar eine Myelopathie aufweisen. Am häufigsten zeigen sich Wirbelbrüche an der Lendenwirbelsäule (LWS) oder der Brustwirbelsäule (BWS).

Ursachen für Wirbelbruch

Die Worte ‚Unfall‘ und ‚Leichtsinn‘ fallen immer wieder, wenn wir von traumatischen Wirbelbrüchen reden. Da ist jemand die Treppe hinuntergestürzt oder von der Leiter gefallen. Da hat jemand einen Schlag bekommen, oder jemand  hat einen Kopfsprung ins Wasser gemacht, ohne zu wissen, dass das Wasser nur ganz seicht ist. Da hat jemand im Sportunterricht einen unglücklichen Purzelbaum auf der Gymnastikmatte gemacht, oder da ist jemand bei Glatteis oder im Herbst auf feuchtem Laub ausgerutscht. Es gibt Hunderte von Möglichkeiten, sich bei einem Unfall (selbst verschuldet oder auch nicht) einen Wirbelbruch zuzuziehen. Die Übergänge zwischen HWS und BWS, zwischen BWS und LWS sowie zwischen LWS und dem Kreuzbein, gelten als besonders verletzungsgefährdet.

Außer traumatische Frakturen bestehen auch sogenannte pathologische Frakturen wie bei Osteoporose, Knochenkrebs oder Metastasen am Skelett; Eine Spondylitis (Knochenentzündung), Knochenerweichung (Osteomalazie) und Rheuma kommen als Auslöser in Frage. In diesen Fällen setzt die Wirbelfraktur ohne eine erkennbare Verletzung ein.

Wirbelbruch - das sind die Symptome

Je nach Lokalisation der Fraktur bestehen Schmerzen über dem verletzten Wirbelkörper und den benachbarten Wirbelsäulenabschnitten. Größere Verletzungen gehen in jedem Fall mit einer erheblichen Schmerzsymptomatik einher. Klemmt der Wirbelbruch zum Beispiel das Rückenmark ein, kann es zu Ausfällen der Motorik oder Beeinträchtigungen der Sensibilität kommen.

Häufig verspüren Patienten jedoch bei einer Verletzung der Wirbelsäule plötzliche Rückenschmerzen – oft mit ausgeprägten Bewegungseinschränkungen. Je nach betroffenen Strukturen treten zudem Gefühlstörungen wie Kribbeln oder Taubheit auf. Diese können bis in die Arme und Beine ausstrahlen. Symptome bei einem Schleudertrauma der Halswirbelsäule (HWS) treten in einigen Fällen sogar erst nach einigen Tagen auf.

Patienten gehen häufig erst zum Arzt, wenn ein Wirbelbruch auf umliegende Strukturen drückt. Dann zeigen sich die Symptome wie zum Beispiel Lähmungserscheinungen in den Extremitäten oder Störungen der Sensibilität.

Diagnose Wirbelbruch - so kann ein Arzt die Fraktur erkennen

Zur Diagnostik gehört das Vorgespräch zwischen Arzt und Patient - das sogenannte Anamnesegespräch. Wir sagen das so oft und ausdrücklich, weil Sie bitte verinnerlichen müssen, dass es wichtig ist. Achten Sie deshalb beim Arzt darauf, dass er sich Zeit nimmt für Sie, dass er Ihnen zuhört. Und nehmen auch Sie sich Zeit! Sagen Sie dem Facharzt, ob es ein Sturz, ein Unfall oder ein anderes potentiell auslösendes Ereignis gegeben hat. Klären Sie den Doktor darüber auf, ob es bereits zu Lähmungserscheinungen, einem Taubheitsgefühl oder Problemen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang gekommen ist. Er wird Sie auch nach Vorerkrankungen in Bezug auf das Skelettsystem befragen - antworten Sie klar und so hilfreich für den Arzt, dass er in die Lage versetzt wird, eine wirklich treffende Diagnose zu stellen. Denn nur eine genaue Diagnose gibt ihm die Möglichkeit, erfolgreich zu therapieren, Ihnen zu helfen.

Auf die Anamnese folgt die eingehende körperliche und neurologische Untersuchung. Nachdem der Arzt aufgrund seiner Untersuchung eine Verdachtsdiagnose gestellt hat, ordnet er bildgebende Verfahren an.

Mit Hilfe einer Röntgenaufnahme, Computertomographie (CT)  und/oder MRT (Kernspintomographie) kann der Arzt den Wirbelbruch ansehen und auch klar erkennen, um welche Art Fraktur und um welches Ausmaß es sich tatsächlich handelt. Auf dieser Grundlage entscheiden Arzt und Patient über die weitere Behandlung des Wirbelbruchs. Weitere Untersuchungen wie Knochendichtemessung oder neurophysiologische Untersuchungen sind oft notwendig.

Bei der klinischen Untersuchung prüft der Arzt, ob das Gehen oder Stehen möglich ist, ein Check der Beweglichkeit also. Um zu sehen, ob neurologische Ausfälle vorliegen, werden Hirnnerven, Sensibilität und Motorik geprüft.

Zur Diagnostik sollten Sie noch wissen: Grundsätzlich diagnostiziert der Arzt entweder eine stabile oder eine instabile Wirbelfraktur. Bei stabilen Frakturen sind Weichteile und Bänder nicht in Mitleidenschaft gezogen, und der Spinalkanal ist nicht eingeengt. Glücklicherweise handelt es sich bei etwa 85 Prozent aller Wirbelsäulenfrakturen um stabile Frakturen. Sie heilen normalerweise ohne Operation wieder aus. Ein instabiler Wirbelbruch liegt vor, wenn der betroffene Wirbelsäulenabschnitt durch Kräfte, die von unterschiedlichen Richtungen einwirken, deformiert worden ist. Dazu zählen beispielsweise Distraktionsverletzungen (Typ B) und Rotationsverletzungen (Typ C). Ein instabiler Wirbelbruch kann bis zu einer Querschnittlähmung führen.

Die erfolgreiche Behandlung eines Wirbelbruchs hängt von vielen Faktoren ab

Die Therapie variiert zwischen Ruhigstellung und Krankengymnastik bis zu Eingriffen wie Stabilisierung, Wirbelkörperersatz oder Kyphoplastie unter anderem mit Cage- (Platzhalter) Implantation.

Je nach Schweregrad der Fraktur an einem oder mehreren Wirbelkörpern wird über die Behandlung entschieden. Leichte Stauchungen von Wirbelkörpern, Weichteilverletzungen und glatte, stabile Brüche erfordern in der Regel keine Operation. Mit konservativen Therapien, die je nach Verletzung eine Ruhigstellung, Massagen, Physiotherapie, Wärme oder Kälteanwendungen umfassen, erreichen wir gute Heilungschancen.

In einigen Fällen ist ein Wirbelkörperersatz oder eine Kombination der oben genannten Eingriffe notwendig. Welche Methode im Einzelfall am besten geeignet ist, hängt von der Art der Verletzung (u. a. wie stabiler oder instabiler Bruch) und auch vom Alter des Patienten ab.

Bei einem komplizierten Wirbelbruch mit verschobenen Bruchkanten oder Splittern, stehen uns verschiedene Operationen zur Verfügung. Mithilfe der Mikrochirurgie entlasten wir die Neural- (Nerven-) Strukturen. In einigen Fällen sind Stabilisierungsmaßnahmen (Spondylodese) notwendig. Hierbei nehmen wir eine Verblockung (Versteifung, Fusion, Verplattung) des betroffenen Wirbelsäulenabschnittes vor. Auch andere Therapieoptionen kommen hier in Frage.

Das Ziel der operativen Behandlung ist es, die Wirbelsäule rasch wieder auszurichten und zu stabilisieren, um den Druck auf die Nerven so schnell wie möglich zu nehmen.

Prognose - so leben Sie nach einem Wirbelbruch schmerzfrei

Bei der Prognose für die Zeit nach einem Wirbelbruch gibt es leider keine klaren Regeln. Und es wäre auch verantwortungslos, wenn wir das nicht so klar sagen. Ein bisschen Glück und - selbstverständlich - ein rückenschonendes Verhalten gehört dazu, um nach der Behandlung schmerzarm bzw. schmerzfrei zu leben. Grundsätzlich kann man sagen: Die Heilungsdauer ist bei einem Wirbelbruch davon abhängig, wie schwer die Verletzungen sind. Ein stabiler Wirbelbruch wird normalerweise nach wenigen Wochen bzw. Monaten wieder knöchern fest, ohne sich weiter zu verschieben. Sie kommen also relativ schnell wieder ‚auf die Beine‘, ‚in die Gänge‘ und werden idealerweise auch ohne Folgeschäden leben  können.

Die Heilungsdauer nach instabilen Wirbelbrüchen kann bis zu einem halben Jahr oder noch länger dauern. Leider muss man sagen, dass trotz eines guten Heilungsverlaufs Schmerzen und verminderte Beweglichkeit zurück bleiben können. Die Dauer der Ausheilung eines Wirbelbruchs fällt in jedem Fall sehr unterschiedlich aus. Viele Faktoren wie Alter, Ausmaß der Verletzung und auch die anschließende Behandlung beeinflussen die Genesung.

Deshalb gilt umso mehr: PASSEN SIE AUF SICH AUF!  Wer risikoreiche Sportarten betreibt, soll in jedem Fall die richtige Schutzkleidung dafür tragen. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass Motorradfahren, Snowboarden und Springreiten zum Beispiel ein hohes Risiko darstellen, einen Wirbelbruch zu erleiden. Motorradfahrer sollten NIE ohne die richtige Schutzkleidung die Maschine starten, bei risikoreichen Sportarten kann das Anlegen von sogenannten Rückenprotektoren oft Schlimmes verhüten.

Dr. med. Munther Sabarini

Autor
Dr. med.Munther Sabarini
Facharzt für Neurochirurgie

Hans-Heinrich Reichelt

Co-Autor
Hans-Heinrich Reichelt
Chefredakteur Medizin für Menschen

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