Konservative Therapie für die Wirbelsäule

Anwendungsbereich der konservativen Therapie

Konservative Therapie kann bei unspezifischen Rückenschmerzen, bei Verspannungen und bei Schmerzen durch das Facettensyndrom, bei Bandscheibenprotrusionen, Bandscheibenvorfälle, Spinalkanalstenosen, Wirbelgleiten und anderen Wirbelsäulenerkrankungen eingesetzt werden. Die konservative Therapie wird dabei als Haupt- oder als Begleittherapie empfohlen.

Wichtig ist zunächst, eine klare Diagnose zu erstellen. Abhängig von den Beschwerden, der Diagnose beziehungsweise der Schwere der Befunde (neurologisches Defizit, MRT-Befund), dem Alter der betroffenen Person, dem Allgemeinzustand, den psychosozialen Umständen und anderen Faktoren entscheiden wir, ob und wie lange die konservative Therapie angesetzt werden kann oder darf.

Dabei berücksichtigen wir, dass die konservative Therapie in der Regel die Ursache nicht beseitigen kann, aber die Symptome für gewisse Zeit lindert. Es gilt jedoch zu bedenken, welche dauerhaften Schäden entstehen könnten, wenn die Ursache nicht behandelt wird und ausschließlich die konservative Therapie herangezogen wird.

Bandscheibenvorfall und Co. konservativ behandeln – die Methoden

Wir stellen Ihnen auf dieser Seite zahlreiche Therapieverfahren vor, mit denen wir beispielsweise einen Bandscheibenvorfall konservativ behandeln können. Auch andere Erkrankungen der Wirbelsäule lassen eine konservative Therapie zu. Je nach Art Ihrer Erkrankung oder Verletzung empfehlen wir in der Avicenna Klinik die folgenden Methoden.

Elektro-Therapie – TENS

TENS (die transkutane elektrische Nervenstimulation) ist eine Methode der konservativen Therapie, die in der Naturheilkunde beheimatet ist. Sie ist die Fortsetzung einer Methode, die Ägypter bereits vor 4.500 Jahren zur Schmerzlinderung angewandt haben, indem sie Fische auf die geplagten Körperteile legten. Diese Fische gaben kleine Stromstöße ab und unterbrachen damit den Schmerzreiz auf dem Weg zum Gehirn. Genau diesen Vorgang imitieren wir mit dem TENS-Gerät, das ebenfalls elektrische Impulse mittels Hautelektroden auf betroffene Körperteile überträgt. Der Strom entlädt quasi die Weiterleitungsstation am Rückenmark, somit sind die schmerzleitenden Nerven nicht mehr in der Lage, die Schmerzimpulse Richtung Hirn zu leiten. Jede:r Schmerztherapeut:in kennt diese Schmerztherapie und sie wird vielfach angewandt.

Peri-Radikuläre Therapie – PRT

Die Peri-Radikuläre Therapie (PRT) ist ein weit verbreitetes Verfahren, das vielen Patient:innen die Rückenschmerzen nimmt beziehungsweise diese erheblich reduziert.

Bei der PRT liegt die betroffene Person auf dem Bauch. Der Facharzt oder die Fachärztin setzt unter Bildwandler- (C-Bogen) oder Computertomographie- (CT) Kontrolle eine hauchdünne Hohlnadel ein. Ein spezielles Lokalanästhetikum wird an die entzündete, schmerzhafte Nervenwurzel injiziert, um den Reiz und die Schwellung zu lindern. Bei Bedarf kann diese Behandlung mehrfach wiederholt werden. Weil die Punktionsnadel äußerst gezielt an den Nervenwurzeln angesteuert werden kann, bietet die PRT ein hohes Maß an Sicherheit.

Injektionstherapie

„Ich gebe Ihnen mal eine Spritze…“ Diesen Satz haben Sie sicher schon oft gehört, wenn Sie mit Schmerzen zu Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin gegangen sind. Dann haben Sie eine Spritze gegeben und meist waren Sie schon nach kurzer Zeit „ein neuer Mensch“, also schmerzfrei. Diese Art Rückenschmerzen konservativ zu behandeln, ist tatsächlich sehr effektiv und sie hat einen Namen: Injektionstherapie. Mit dieser Behandlung können wir bestimmte Schmerzkreisläufe unterbrechen und den Schmerz unterdrücken beziehungsweise mindern. Doch was passiert bei der Injektionstherapie? Wir bringen ein Medikament gezielt an den Schmerzpunkt – zum Beispiel Wurzel, Gelenk oder Wirbel – ein. Bei Entzündungen wird meist ein entzündungshemmendes Mittel eingesetzt. Bei einer Arthrose, die zwar nicht heilbar, aber deren Schmerzen gelindert werden können, injizieren wir in erster Linie Hyaluronsäure oder Orthokin, einen natürlichen Bestandteil des menschlichen Körpers.

Medikamentöse Maßnahmen, um Rückenschmerzen konservativ zu behandel

Schmerzmittel sind in der Schmerztherapie unverzichtbar und wirken in der Regel zuverlässig. Ganz gleich, ob es sich in Ihrem Fall um akute oder chronische Schmerzen handelt: Ihr Facharzt Herr Dr. Sabarini wird Ihnen genau die richtigen Medikamente verordnen. Eine exakte ärztliche Kontrolle ist schon deshalb wichtig, weil die Medikamente unterschiedlich wirken und unterschiedlich stark sind. Grund genug also, dass die meisten Schmerzmittel nicht ohne Rezept in der Apotheke zu bekommen sind. Manche Schmerzmittel (beispielsweise Opioide) wirken zentral auf das Nervensystem, andere wiederum wirken direkt am Ort des Schmerzes. Opioide werden vornehmlich bei chronischen Schmerzen (beispielsweise bei Tumorschmerzen) verordnet, die vorwiegend peripher wirksamen Schmerzmittel sind indiziert bei akuten Schmerzen und Entzündungen. Noch effektiver ist die Verabreichung der Medikamente mittels Infusionen in die Vene. So wirken sie schneller und eine Beeinträchtigung des Magen-Darm-Trakts wird dadurch vermieden. Alternativen sind Schmerzpflaster.

Akupunktur

Die Akupunktur ist Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Liste von Beschwerden erstellt, bei denen Akupunktur eingesetzt werden kann. Die Wissenschaft weiß noch nicht restlos, was bei einer Akupunkturbehandlung im Körper abläuft. Doch wissenschaftliche Untersuchungsverfahren haben nachgewiesen, dass gut angewandte Akupunktur positive Wirkungen entfaltet. Dazu gehört speziell die Schmerztherapie. Die Traditionelle Chinesische Medizin hat ein anderes Körper- und Therapie-Verständnis als die westliche Welt. Das Zauberwort bei den Chinesen heißt Qi, das ist die Lebensenergie. Wenn sie fließt und ausgewogen ist, ist der Mensch gesund. Wenn sich Beschwerden melden, ist das Qi gestört und der Energiefluss behindert. Mit Akupunkturnadeln, die an mehreren Akupunkturpunkten – von insgesamt 361 – auf den sogenannten Yin- und Yang-Meridianen gesetzt werden, können Blockaden gelöst werden. Für die Therapie werden sterile Nadeln benutzt, die etwa 20 bis 30 Minuten in der Haut bleiben. Schwangere sollten aufpassen: Akupunkturnadeln können zwar Probleme rund um die Schwangerschaft mildern, sie können allerdings auch vorzeitig Wehen auslösen.

Physiotherapie

Die Krankengymnastik wird fast immer vom Arzt verordnet, wenn es darum geht, die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des Körpers zu verbessern und Schmerzen – unter anderem nach einem Bandscheibenvorfall – konservativ zu behandeln. Meist ist diese Behandlungsform eine zusätzliche Therapie, mit der letztendlich Krankheiten aus fast allen medizinischen Fachbereichen therapiert werden können. Krankengymnastik darf nur von ausgebildeten Physiotherapeut:innen angewandt werden. Schließlich müssen die Handgriffe sitzen und genau in der Dosis durchgeführt werden, die der betroffenen Person hilft und nicht schadet. Sehr geschätzt und erfolgreich ist Physiotherapie bei der Stärkung von geschwächten Muskeln sowie bei Entspannungsübungen für verspannte Muskeln.

Wärme- und Kältetherapie

Als sehr wirkungsvoll, um Rückenschmerzen konservativ zu behandeln gelten die Wärme- oder die Kältetherapien, die in den Bereich der Physiotherapie gehören. Ihr vordergründiges Therapieziel ist klar: Schmerzen lindern! Sie können sowohl lokal als auch am ganzen Körper eingesetzt werden. Die Kältetherapie in Form von Eisgüssen und Bädern ist eine gute Behandlungsmethode bei Schwellungen und Gelenkentzündungen. Verfahren der Wärmetherapie sind unter anderem Wärmepackungen, die aus Moor oder Fango bestehen. Sie wirken intensiv auf das Gewebe ein und sind dadurch durchblutungsfördernd, muskelentspannend und natürlich schmerzlindernd. Therapeuten setzen neben Fango und Moor auch spezielle Strahler mit Heißluft ein, womit die schmerzenden Körperstellen erwärmt werden. Ganz bestimmte Körperregionen – dazu gehören alle Gelenke und die Wirbelsäule – reagieren auf diese Therapie mit Rotlicht sehr positiv.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten der Wirbelsäule mit konservativer Therapie

Zur konservativen Wirbelsäulentherapie gehören zudem Osteopathie, manuelle Therapie, Massagen, Magnetfeldtherapie, Schröpfen, Reizstrom, Gerätetraining, Chirotherapie, Einrenkung und viele weitere. Insbesondere bei Letzterem ist Vorsicht geboten, falls eine Osteoporose vorliegen sollte.

Dr. med. Munther Sabarini

Autor
Dr. med. Munther Sabarini
Facharzt für Neurochirurgie

Informationen zum Artikel

Der Artikel wurde zuletzt am 16.08.2024 geprüft und aktualisiert.

Über den Autor

Dr. med. Munther Sabarini ist Direktor und Gründer der Avicenna Klinik. Der Facharzt der Neurochirurgie hat sich insbesondere auf die Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen spezialisiert. In über 30 Jahren beruflicher Erfahrung hat er mehr als 30.000 Patientinnen und Patienten behandelt.

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Probleme mit der Wirbelsäule? Therapie in der Avicenna Klinik in Berlin!

Seit dem Jahr 2001 hat die Avicenna Klinik ihren Sitz in Berlin. Unsere Ärzte haben auf ihrem jeweiligen Gebiet (Neurochirurgie, Wirbelsäulenchirurgie, Anästhesie, Orthopädie) jeweils eine internationale Erfahrung von mindestens 25 Jahren.

Wenn Sie sich für Ihre Schmerzen in der Wirbelsäule eine effektive Therapie wünschen oder beispielsweise einen Bandscheibenvorfall konservativ behandeln lassen möchten, nehmen Sie bitte den Kontakt mit uns auf.

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