Was ist eine Kyphoplastie?

Die Kyphoplastie ist ein perkutanes (durch die Haut) minimal-invasives Verfahren zur Therapie von schmerzhaften Wirbelbrüchen an der Brust- und  Lendenwirbelsäule. Sie ist eine sehr effektive Schmerzbehandlung, die seit 1999 in den USA und seit 2001 in Deutschland angewandt wird. Internationale klinische Studien belegen, dass die Kyphoplastie zu einer schnellen Schmerzlinderung und somit zu einer höheren Lebensqualität führt. Mit anderen überzeugenden Worten: Der Alltag kann wieder besser bewältigt werden.

Das Wort Kyphoplastie kommt aus dem Griechischen. ‚Kyphos‘ heißt so viel wie ‚Wirbel‘, ‚plastein‘ bedeutet ‚bilden‘. Wir wissen: Jeder einzelne Wirbelkörper erfüllt eine Schutzfunktion für die Wirbelsäule. Wenn auch nur ein einzelner Wirbelkörper porös, brüchig oder gar gebrochen ist, ist die Stabilität der Wirbelsäule gefährdet. Bei einem Bruch entstehen starke Schmerzen, es kommt zu Deformität der Wirbelsäule (Kyphose). Wenn Knochenfragmente in den Spinalkanal gelangen, kommt es zu neurologischen Ausfällen. Ein wieder aufgebauter, stabilisierter Wirbelkörper bildet nach seiner Behandlung quasi keine Gefahr mehr für seine Umgebung, keine Gefahr mehr für die Statik der Wirbelsäule. Aber wie nun kann der Wirbelkörper stabilisiert werden?

Dank der Kyphoplastie - hierbei wird durch eine Kanüle ein spezieller Zement eingeführt. Das Material besteht unter anderem aus dem Calciumphosphatsalz Hydroxylapatit, das auch im natürlichen Knochen vorkommt. Deshalb wird es vom menschlichen Körper sehr gut angenommen und vertragen. Der Zement wird dem Wirbelkörper im gelartigen Zustand zugeführt. Dann wird er hart und sichert die Stabilität des bisher porösen und instabilen Wirbelkörpers.

Wann ist eine Ballon-Kyphoplastie sinnvoll?

Wirbelkörperbrüche (200.000 Menschen erleiden jährlich einen Wirbelbruch) treten besonders häufig bei Frauen auf, die unter Osteoporose (Knochenschwund) leiden. (In Deutschland sind mindestens sechs Millionen Menschen von Osteoporose betroffen.) Dies führt zur Instabilität der Wirbelsäule, zu Wirbelverformungen und einer Verringerung der Körpergröße (Höhenminderung). Die Osteoporose ist ein Hauptgrund für eine Kyphoplastie, besonders dann, wenn konventionelle Therapien keine Besserung der Beschwerden mehr bringen.

Aber auch bei Patienten mit einem spinalen Trauma oder einem osteolytischen (knochenauflösenden) Tumor an der Wirbelsäule können Wirbelkörperbrüche entstehen. Ebenso durch angeborene Wirbelkörperdefekte, beispielsweise durch einen Keilwirbel.

Operationsverlauf - so läuft die Ballon-Kyphoplastie ab

Der Eingriff dauert - abhängig von der Anzahl der Wirbelbrüche - etwa eine gute Stunde. Er kann unter Vollnarkose aber auch mit lokaler Anästhesie erfolgen. Welches Verfahren gewählt wird, hängt vom Krankheitsbild des Patienten ab.

Sie sollten schon einen Tag vor der Operation in der Klinik aufgenommen werden. Das Pflegepersonal wird sicherstellen, dass Sie am OP-Tag auch OP-reif in den OP geschoben werden - u. a. gehört dazu, dass Sie nüchtern sind.

Vor dem eigentlichen Eingriff muss sichergestellt sein, dass andere Schmerzursachen auszuschließen sind. Außerdem müssen wir von dem Patienten zuverlässig erfahren, dass er keine Allergie gegen das Kontrastmittel hat. Eine Röntgenaufnahme in zwei Ebenen von Brustwirbelsäule (BWS) und/oder Lendenwirbelsäule (LWS) des stehenden Patienten gibt uns exakten Aufschluss zur Beurteilung der Fraktur und der Wirbelsäulenausrichtung. Die Ballon-Kyphoplastie erfolgt typischerweise in Bauchlage. Wenn der Rücken desinfiziert und mit sterilen Tüchern abgedeckt worden ist, kann auf dem röntgenstrahlendurchlässigen Wirbelsäulen-OP-Tisch mit der Ballon-Kyphoplastie begonnen werden. Die OP erfolgt in mehreren Schritten, und sie ist minimalinvasiv und perkutan. Perkutan bedeutet „durch die Haut“.

Bei Schritt 1 führen wir unter ständiger Röntgenkontrolle ein oder zwei Kanülen, sogenannte Arbeitskanäle - abhängig von der Technik - in den Wirbelkörper ein. Das poröse Knocheninnere wird für die Materialimplantation präpariert.

Bei Schritt 2 führen wir einen Ballon durch das Hohlinstrument - meist kommen allerdings zwei Ballons zum Einsatz - auf jeder Wirbelkörperseite einer.

Bei Schritt 3 werden die Ballons vorsichtig geweitet, um die zusammengesunkenen Bereiche des Wirbels wieder aufzurichten und somit in die normale Position bringen. Durch die Aufdehnung des Ballons entsteht ein Hohlraum im Wirbelkörper.

Bei Schritt 4 lassen wir quasi die Luft aus dem Ballon und entfernen ihn durch die Kanüle.

Bei Schritt 5 injizieren wir Knochenzement. Der Zement härtet schnell aus, und der gebrochene Wirbel wird wieder aufgebaut und stabilisiert. So ist die Gefahr gebannt, dass das Rückenmark eingeklemmt wird und es zu neurologischen Ausfällen kommt.

Nun kann sich auch die Wirbelsäule wieder neu stabilisieren.

Direkt nach der Operation

Unmittelbar nach der Ballon-Kyphoplastie werden Sie in den Aufwachraum geschoben. Hier bleiben Sie noch einige Zeit unter Beobachtung, der Arzt wird zu Ihnen kommen und Ihnen - idealerweise - sagen, dass alles gut verlaufen ist. Die Kyphoplastie ist zwar ein minimalinvasiver Eingriff, aber es ist ein chirurgischer Eingriff, und der birgt Risiken in sich und kann zu Nebenerscheinungen führen.

Die nächsten Tage nach der Operation

Nach der etwa einstündigen Ballon-Kyphoplastie bleiben Sie im Normalfall 6-10 Tage in der Klinik. Sie werden schon sehr schnell ermuntert, noch auf der Station die ersten Schritte zu gehen. Ihr Arbeitgeber wird ein Weilchen warten müssen, bis Sie wieder bei ihm sind: etwa vier bis sechs Wochen. Das Auto muss ebenfalls vier Wochen ohne Sie als Fahrer unterwegs sein. Schwimmen dagegen dürfen Sie sofort, Radfahren nach sechs Wochen, zum Golfen und zum Tennis können Sie sich erst nach zehn Wochen wieder verabreden.

Vorteile/Komplikationen einer Ballon-Kyphoplastie

Sie werden es sehr schnell spüren: Ihre Rückenschmerzen sind deutlich reduziert, sehr wahrscheinlich sind sie komplett beseitigt. Dadurch bekommen Sie wieder eine Mobilität, die Ihre Lebensqualität wesentlich verbessert. Außerdem ermöglich die Ballon-Kyphoplastie, dass Ihre Wirbelhöhe wieder hergestellt und damit die Ausrichtung Ihrer Wirbelsäule korrigiert wird. Noch ein Vorteil: Da die Ballon-Kyphoplastie ein minimal-invasives Verfahren ist, behalten Sie nach dem Eingriff lediglich einige millimetergroße Narben.

Allerdings: Die Ballon-Kyphoplastie kann die Osteoporose nicht beseitigen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie auch nach dem Eingriff Ihre Osteoporose gezielt behandeln - idealerweise mit Physiotherapie, um die Muskulatur rund um die Wirbelsäule aufzubauen, und mit medikamentöser Behandlung. Die Medikamente, die Sie möglicherweise bereits verschrieben haben bekommen, greifen in erster Linie in den Calciumstoffwechsel ein, der für den Knochenaufbau- und Abbau mitverantwortlich ist. Schließlich kann der Verlauf einer Osteoporose durch einen gesunden Zellstoffwechsel verzögert, möglicherweise sogar gestoppt werden.

Dr. med. Munther Sabarini

Autor
Dr. med.Munther Sabarini
Facharzt für Neurochirurgie

Hans-Heinrich Reichelt

Co-Autor
Hans-Heinrich Reichelt
Chefredakteur Medizin für Menschen

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