Was ist eine Spondylodese?

Die Spondylodese ist eine operative Versteifung von betroffenen Wirbelsäulenabschnitten. Sie gilt als therapeutische Maßnahme, wenn konservative Behandlungen zu keiner Besserung führten. Sie ist ein letzter Schritt in der Therapie-Entscheidung, d. h. - sie ist alternativlos, wenn eine deutliche Instabilität der Wirbelsäule vorliegt. Wir führen häufig Stabilisierungen an der Wirbelsäule durch. Unter Vollnarkose fixieren unsere Ärzte vornehmlich mithilfe von Titanelementen instabile Abschnitte. Eingesetzte Wirbelblöcke verwachsen nach einigen Monaten mit dem umgebenden Gewebe, und eine natürliche Versteifung setzt ein.

Durch die Fixierung von Wirbeln erreichen wir eine achsengetreue Rekonstruktion. Wir heben die Instabilität der Wirbelsäule auf, der Schmerz wird deutlich gelindert, und die Beweglichkeit bleibt dennoch nahezu erhalten. Eine Spondylodese kann in verschiedenen Etagen der Wirbelsäule gemacht werden - der Eingriff ist nicht auf die Lendenwirbelsäule (LWS) beschränkt, sondern kann auch in der Halswirbelsäule (HWS), in der Brustwirbelsäule (BWS) und am Ilio-Sakral-Gelenk (ISG) realisiert werden.

Wann ist die Spondylodese wirklich notwendig?

Eine Spondylodese ist angesagt bei Instabilität der Wirbelsäulensegmente, wie bei Wirbelgleiten (Spondylolisthese) und Deformitäten (Skoliosen und Kyphosen). Eine Instabilität der Wirbelsäule kann auch durch Verschleiß der Bandscheiben, Fehlstellung, Arthrose, Verletzungen durch Sport oder einen Unfall, Entzündungsprozesse, nach mehrfachen Operationen an der Wirbelsäule, Wirbelkörperbrüchen, und Wirbelkörpertumoren entstehen. Sollten konservative Therapien keine Aussicht auf eine langfristige Besserung haben, sollten neurologische Ausfällen vorliegen, oder wenn die Gefahr auf Verschlimmerung der Instabilität besteht, dann kommt in diesen Fällen die Spondylodese als die beste Therapie in Frage.

Operationsverlauf - durch die Spondylodese soll wieder eine stabile Wirbelsäule hergestellt werden

Eine Versteifung ist eine große Operation, die vom Chirurgen-Team allerhöchste Konzentration und Präzision erfordert. Nicht nur, weil hier in einem extrem sensiblen Körperbereich benachbarte Wirbelkörper miteinander verbunden werden, sondern auch, weil so eine Operation endgültig ist - sie kann nicht wiederholt bzw. Fehler können hinterher kaum korrigiert werden. Die Operation erfolgt unter Vollnarkose. Der Patient wird in Bauchlage gelagert, wenn der Eingriff von der Rückseite erfolgen soll, oder in Rückenlage, wenn der Zugang zur Wirbelsäule durch einen Schnitt im linken Unterbauch erfolgt. In manchen Fällen - wenn der Chirurg von beiden Seiten handeln will - muss der Patient während der OP gewendet werden. Wir können hier natürlich nicht jeden Handgriff darlegen - aber wir möchten Ihnen einen Einblick in den OP-Verlauf geben. Unser Ziel ist es, wieder eine stabile Wirbelsäule herzustellen, instabile Wirbelkörper mit benachbarten zu verbinden. Also verbinden wir diese Wirbelkörper mit Schrauben und Platten, die für immer im Körper bleiben. Bei einer vorliegenden Spinalkanalstenose wird dieser Wirbelkanal zunächst erweitert. Falls ein Vorfall vorliegt, wird dieser zuvor ausgeräumt, falls Wirbelkörper oder weitere Knochenstrukturen beschädigt sind, werden diese entfernt. Mit anderen Worten: Bevor wir mit der Versteifung beginnen, müssen die Neuralstrukturen ausreichend Platz für immer erhalten. Das Knochenmehl, das wir dabei sammeln, wird später eingesetzt.

Die Wirbelgelenke werden aufgefrischt. In einigen Fällen wird die betroffene Bandscheibe entfernt und durch einen Platzhalter (Cage) ersetzt. Dann wird das Knochenmehl in die aufgefrischten Wirbelgelenke implantiert. Titanelemente (Schrauben)  werden durch den Pedikel - der Pedikel ist der Bereich zwischen dem Wirbelkörper und dem Wirbelbogen - in den Wirbelkörper eingeführt und mit Stäben endgültig fixiert. Wenn Wirbelkörper selbst stark beschädigt sind (z. B. durch einen Tumor einen Bruch oder eine Entzündung), werden die benachbarten Segmente für die Stabilisierung gewählt. Bei Bedarf wird der Wirbelkörper mit einem künstlichen Wirbelkörper ersetzt (Wirbelkörperersatz). Nun kann die endgültige Verwachsung der Wirbelkörper beginnen.

Direkt nach der Operation

Nach der etwa 2- bis 5-stündigen Versteifung unter Vollnarkose werden Patienten durch geschultes Personal für mehrere Stunden überwacht. Die Dauer der Überwachung hängt u. a. davon ab, ob Ihr Chirurg den OP-Zugang von vorn (also dorsal) oder von der Rückseite (also ventral) oder möglicherweise von beiden Seiten vorgenommen hat. In jedem Fall sind Sie unter Kontrolle, wenn Sie sich im Aufwachraum von OP und Anästhesie erholen. Wundern Sie sich nicht - Sie werden mit einem Drainageschlauch aufwachen. Den hat Ihr Arzt vor dem endgültigen Wundverschluss ins OP-Gebiet gelegt, damit Blut und Wundflüssigkeit abfließen können. Danach werden Sie auf die Station verlegt.

Die nächsten Tage nach der Operation

Geduld ist angesagt! Schließlich ist das, was Sie hinter sich haben, ein großer Eingriff! Das bedeutet: In der Zeit danach müssen Sie die korrekte Nachbehandlung beachten. Zum besseren Verständnis: Die Wirbelsäule besteht aus 26 Wirbeln, 23 Bandscheiben und unzähligen Muskeln, Sehnen und Bändern. In dieses Gerüst, das wir Wirbelsäule nennen, und das uns aufrecht und beweglich hält, ist nun ein ganz bestimmter, natürlicher Bestandteil gegen ein Implantat ausgetauscht worden. Das verändert die Statik - und deshalb muss der Körper in der Zeit nach dem Eingriff lernen, damit umzugehen. Also - gut 10-12 Tage werden Sie im Krankenhaus bleiben müssen, 3 - 6 Monaten nach der Spondylodese sollten Sie eine Bandage tragen. Sie sorgt dafür, dass alles ‚an seinem Platz‘ bleibt, dass Sie der Wirbelsäule zusätzlichen Halt geben. Etwa eine Woche nach der Entlassung beginnen Sie mit Physiotherapie, um Bauch- und Rückenmuskulatur zu stärken, und damit Sie lernen, falsche Bewegungen zu vermeiden. Es kann sein, dass Ihnen nachts manche Liegeposition nicht gut tun, und am Tage sollten Sie möglichst wenig sitzen. Ihr Arbeitgeber wird etwa 3 - 6 Monate auf Sie verzichten müssen. Schweres Tragen und Heben ist in dieser Phase komplett untersagt, wenn Sie daran interessiert sind (und das werden Sie sein), dass die knöcherne Verwachsung mit dem Implantat bestens funktioniert.

Vorteile/Komplikationen - eine Spondylodese kann nicht rückgängig gemacht werden

Versteifung an einigen Wirbelsäulensegmenten bedeutet nicht Unbeweglichkeit. Bei einer Versteifung der Brustwirbelsäule spüren die Patienten keine Einschränkungen in ihrer Bewegung, da die Brustwirbelsäule sowieso „unbeweglich“ ist. Eine Versteifung im Bereich der Halswirbelsäule verursacht minimale Bewegungseinschränkungen, da die Halsbewegungen eher zwischen Schädel und den ersten Wirbel (C1-Atlas) stattfindet. Bei der Versteifung im Bereich der Lendenwirbelsäule ist die Beweglichkeit leicht reduziert, da Körperbeugung (Flexion und Antiflexion) eher im Hüftgelenk stattfindet. Mögliche Einschränkungen könnten durch Rückenschule und in Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten umgangen werden.

Eine Spondylodese ist ein endgültiger Eingriff, sie kann nicht rückgängig gemacht werden. Durch die Stabilisierung eines Wirbelsäulensegmentes könnten die benachbarten Abschnitte verstärkt belastet werden, was zu neuen Beschwerden führen kann. Risiko auf Nachblutung oder Entzündung nach der Operation ist selten. Noch seltener entstehen neurologische Ausfälle oder Probleme mit dem Implantat.

Eines muss klar gesagt werden: Trotz einer Versteifung in der Wirbelsäule verbessert die Spondylodese die Beweglichkeit des Rückens, da die schmerzbedingte Bewegungseinschränkung wegfällt. In Zahlen ausgedrückt: Die Erfolgsrate bei solchen Versteifungsoperationen liegt bei etwa 85 bis 90 Prozent. D. h. - der Patient muss nach der Spondylodese entweder überhaupt keine Schmerzmedikamente mehr einnehmen, zumindest kann er sie wesentlich reduzieren. Nach 3 - 6 Monaten ist er wieder voll arbeitsfähig, und auch in seiner Freizeitaktivität muss er sich nicht, bzw. kaum einschränken.

Dr. med. Munther Sabarini

Autor
Dr. med.Munther Sabarini
Facharzt für Neurochirurgie

Hans-Heinrich Reichelt

Co-Autor
Hans-Heinrich Reichelt
Chefredakteur Medizin für Menschen

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