Wirbelbruch bei Osteoporose / Osteoporotische Frakturen - Symptome & Behandlung

Was ist Osteoporose?

Osteoporose ist eine Alterserkrankung des Knochens. Der Name leitet sich vom griechischen ‚osteo‘ für Knochen und ‚poros‘ für die Pore, das Loch, ab - übersetzt bedeutet dieses ‚poröser Knochen‘. Wir alle wissen: Unser Körper wird von den Knochen bzw. dem Skelett gehalten, während die Muskeln für die Bewegung zuständig sind. Knochen und Muskeln spielen also zusammen. Ab dem 35. Lebensjahr nimmt der Kalzium-Gehalt im Knochen konstant ab. Es wird mehr Knochengewebe abgebaut als aufgebaut. Die Knochendichte vermindert sich - es entsteht Knochenschwund. Das Skelett ist nun anfälliger für Brüche (Frakturen). Am häufigsten entstehen Wirbelkörperfrakturen (Sinterung, Kompressionsfraktur), prozentual gefolgt von einem Oberschenkelbruch.

Außer bei Osteoporose können Wirbelbrüche auch unter anderen Umständen entstehen.

Häufigkeit - Osteoporose ist die häufigste Erkrankung im Alter

Osteoporose ist eine der häufigsten Erkrankungen im Alter. Frauen sind dabei eher betroffen als Männer. Bei ihnen beschleunigt sich der natürliche Abbau des Knochens durch die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren extrem. Schätzungsweise erkranken 30 Prozent aller Frauen und 20 Prozent aller Männer an Osteoporose.

Von Osteoporose bedingten Knochenbrüchen sind mehr Frauen betroffen als von Brustkrebs, Schlaganfall und Herzinfarkt zusammen. In Zahlen heißt das: Im Alter über 50 erleidet eine von zwei Frauen einen Knochenbruch wegen Osteoporose.

Zwischen 50 und 60 Jahren hat mindestens jede sechste bis siebte Frau (über 15 Prozent) Osteoporose. Bei den über 70-jährigen betrifft es über 45 Prozent. Bei Männern lässt sich die Erkrankung deutlich mehr Zeit - im Durchschnitt tritt Osteoporose bei ihnen erst zehn Jahre später auf. Nach Einschätzungen der WHO wird sich die Zahl der von dieser chronischen Knochenkrankheit Betroffenen weltweit in den nächsten 20 Jahren verdoppeln.

Ursachen von Osteoporose

Wenn Sie sich eine Osteoporose vorstellen, sollten Sie sich bildlich eine Brücke veranschaulichen. Die Statik und Belastbarkeit an einer Brücke hängt nicht nur von wenigen dicken Hauptträgern und Pfeilern ab. Die Konstruktion ist bis ins Detail der einzelnen Bausteine wichtig - und das bedeutet: Die Vernetzung, die Qualität der Baumaterialien und vor allem regelmäßige Wartung sind entscheidend. Beim Knochen ist das nicht anders, sondern genauso!

Es gibt verschiedene Ursachen, Einflüsse und Risikofaktoren, die den Knochenabbau fördern und somit die Entwicklung der Osteoporose beschleunigen. Es gibt unter anderem auch genetische Faktoren. Die Knochen werden porös und sind dadurch weniger stabil. Ist das Knochengewebe im Körper nicht mehr stabil, können harmlose Alltagssituationen zu einem Wirbelbruch bei Osteoporose führen. Insbesondere die Brustwirbel und die Lendenwirbel sind von Wirbelbrüchen betroffen. In diesen Bereichen ruht ein großes Gewicht auf den Wirbelkörpern. Für den übermäßigen Knochenabbau unterscheiden Mediziner überwiegend zwischen diesen Ursachen:

Die häufigste Form, die sogenannte postmenopausale Osteoporose, ist die Folge eines Östrogenmangels. Sie betrifft Frauen jenseits der Wechseljahre, denen es an Östrogen mangelt. Östrogen ist ein körpereigener Botenstoff, der an der Steuerung des weiblichen Zyklus beteiligt ist. Er hat unter anderem die Aufgabe, die Knochen zu schützen.

Die zweithäufigste Form, die Altersosteoporose, ist im Wesentlichen das Ergebnis des jahrzehntelangen, alterungsbedingten Knochenabbaus. Sehr selten entsteht eine Osteoporose infolge anderer Erkrankungen - dann spricht man von einer sekundären Osteoporose.

Außerdem gibt es eine Reihe von Risikofaktoren - diese sind: Mangel an Bewegung, Untergewicht (Body-Mass-Index unter 20), Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Kalziummangel und Vitamin-D-Mangel.

Symptome und Entstehung von Wirbelbrüchen bei Osteoporose

Eine Osteoporose entwickelt sich oft unbemerkt. Deutliche Hinweise gibt es kaum: Einige Patienten leiden verstärkt unter Rückenschmerzen, andere berichten von einem Schwächegefühl im Rücken. Die wenigsten verbinden diese Symptome aber mit der Knochenkrankheit bis, oft durch ein harmloses Stolpern oder eine abrupte Bewegung, die porösen Knochen brechen. Meist ist es kein einzelner Bruch, sondern ein langsames Zusammenbrechen im Innenraum, viele kleine Mikrofrakturen der „feinen Knochenbälkchen“ (Trabekel). Im gesunden Knochen ist die tragende Struktur (Trabekel) viel dichter, im kranken Knochen sind die feinen Knochenbälkchen ausgedünnt und zum Teil gebrochen.

Symptome von Wirbelbrüchen bei Osteoporose

Die Symptome von osteoporotischen Wirbelbrüchen hingegen sind überwiegend eindeutig; Es können mäßige bis stärkste Schmerzen auf Höhe der Fraktur sein, manchmal bis in die Unbeweglichkeit oder bei jedem Atemzug eventuell mit Ausstrahlung in die Rippen oder die Lendengegend. Es können Gefühlsstörungen und Teillähmungen als Hinweis auf eine Rückenmarksverletzung vorliegen. Auch ein schneller Verlust der Körpergröße um mehrere Zentimeter dient als Hinweis auf Osteoporose Brüche. Durch den Einbruch der Wirbelkörper verringert sich die Größe der gesamten Wirbelsäule. Knochenbrüche können also durchaus Einfluss auf die Körpergröße von Betroffenen haben.

Bei stabilen Wirbelbrüchen sind die Hinterkanten der Wirbel noch intakt - und damit das Gesamtgefüge stabil. Der Wirbelkanal mit dem darin verlaufenden Rückenmark ist nicht eingeengt. In diese Gruppe gehören meist Osteoporose-Brüche, die spontan oder nach kleinen Unfällen und Belastungen auftreten. Längerfristig führen die einwirkenden Kräfte (z. B. aufgrund des Körpergewichts) aber oft zu einer keilartigen Verformung des betroffenen Wirbelkörpers, der dadurch an seiner Vorderseite deutlich an Höhe verliert.

Sind mehrere Wirbel betroffen, entwickelt sich ein Rundrücken, bei stärkerer Ausprägung ein sichtbarer „Witwenbuckel“, der oft mit starken Schmerzen verbunden ist.

Diagnose von Osteoporose mit Knochendichtemessung

Häufig wird eine Osteoporose erst erkannt, wenn es für vorbeugende Maßnahmen schon zu spät ist: nach dem ersten Wirbelbruch. Die Verringerung der Knochensubstanz ist schließlich nicht schmerzhaft. Schmerzen setzen allerdings ein, wenn sich mit dem fortgeschrittenen Knochenschwund auch erste Frakturen einstellen. Zu Beginn einer möglichen Diagnose des osteoporotischen Wirbelbruchs sollte es zu einem ausführlichen Patientengespräch (Anamnese) kommen. Der Arzt (Neurochirurg, Orthopäde, Chirurg oder Unfallchirurg) wird dann eine eingehende körperliche und neurologische Untersuchung anordnen. Hier zeigen sich möglicherweise erste Hinweise darauf, dass ein Wirbelbruch vorliegt. Nachdem der Arzt aufgrund seiner Untersuchung eine Verdachtsdiagnose gestellt hat, ordnet er bildgebende Verfahren an.

Mit Hilfe einer Röntgenaufnahme, Computertomographie und/oder MRT (Kernspintomographie) kann der Arzt den Wirbelbruch ansehen und auch klar erkennen, um welche Art Fraktur und um welches Ausmaß es sich tatsächlich handelt. Auf dieser Grundlage entscheiden Arzt und Patient über die weitere Behandlung des Wirbelbruchs.

Die Knochendichtemessung ist das wichtigste und häufigste Verfahren zur Diagnose einer Osteoporose. Das entsprechende Verfahren hat einen Namen: DXA-Osteodensitometrie. Dabei wird Mithilfe von Röntgenstrahlen die Dichte der Lendenwirbel und des Oberschenkelknochens gemessen. Ein T-Score von 0 bis -1 bedeutet: Die Knochendichte ist normal. Ein Wert darunter bedeutet das Gegenteil: Die Knochendichte liegt deutlich unter der eines gesunden Menschen.

Welche Behandlung und Therapie für Sie am wichtigsten ist

Stabile Brüche heilen in einigen Fällen unter konservativer Therapie innerhalb von 2–3 Monaten, eventuell unterstützt durch das Tragen eines Korsetts. Bei den konservativen Therapien (zum Beispiel der Gabe von Medikamenten) ist es wichtig zu wissen, dass diese sich nur dazu eignen, um einen weiteren Knochenschwund aufzuhalten oder die Schmerzen zu unterdrücken. Dabei bleibt jedoch ungewiss, ob sich die Wirbelbrüche stabilisieren oder verschlechtern werden. Zusätzlich besteht die Gefahr einer Deformierung der Wirbelsäule.

Arten der Behandlung bei Wirbelfrakturen durch Osteoporose

In diesem Fall und im Fall eines instabilen Bruchs mit Nervenverletzungsgefahr sollten Eingriffe in Betracht genommen werden wie: KyphoplastieWirbelkörperersatzStabilisierungsmaßnahmen mit Zementierung und weitere Therapieansätze. Ziel der Eingriffe ist, schnellere Schmerzlinderung, die schnellere Stabilisierung, schnellere Wiederaufnahme und Teilnahme an Lebensaktivitäten, Vermeidung von weiterer Verschlechterung der Statik und Vermeidung von neurologischen Defiziten.

Kyphoplastie

Die Kyphoplastie ist ein minimal-invasives Verfahren zur Behandlung von Wirbelbrüchen an der Brustwirbelsäule (BWS) und Lendenwirbelsäule (LWS). Dieser Eingriff wird perkutan, also durch die Haut, durchgeführt. Bei einer Kyphoplastie wird über eine Kanüle ein spezieller Zement in den Wirbel eingeführt. Durch das Aushärten des Zements wird dem bislang porösen und instabilem Wirbelkörper wieder Stabilität verliehen.

Wirbelkörperersatz

Kommt es zu der Notwendigkeit der Implantation eines Wirbelkörperersatzes, wird zunächst der betroffene Wirbel (oder auch mehrere Wirbel) entfernt. Anschließend wird ein Titan-Implantat als Wirbelkörperersatz eingesetzt. So kann das bisherige Profil der Wirbelsäule wiederhergestellt werden und es kommt zur dauerhaften Stabilisierung.

Stabilisierende Eingriffe mit Zementierung

Eine stabilisierende Maßnahme kann auch die Spondylodese sein. Bei diesem operativen Eingriff werden instabile Abschnitte der Wirbelsäule mittels Titanelementen fixiert. Anschließend setzt eine natürliche Versteifung ein. Der Schmerz wird dadurch deutlich gelindert, während die Beweglichkeit zu einem großen Teil erhalten bleibt. Aber Vorsicht: Spondylodese kann nicht rückgängig gemacht werden und ist mit Risiken verbunden. Sie gilt als das letzte Mittel der Wirbelsäulenchirurgie.

Welche Therapie für Sie die beste ist, das erfahren Sie von Ihrem Arzt. Nach einer ausführlichen Beratung, eingehender neurologischen Untersuchung und Bilder (MRT)-Besprechung wird die Therapie gesucht, die die höchsten Erfolgschancen und die niedrigsten Risiken hat. Dabei werden auch andere individuelle Faktoren in Betracht gezogen wie Alter, Allgemeinzustand, Begleiterkrankungen, Aktivitäten usw.

Prognose bei Osteoporose - Auf ausreichend Bewegung und Ernährung achten

Osteoporose ist nicht heilbar. Allerdings ist es möglich, mit bestimmten Vorsorgemaßnahmen und einer rechtzeitigen Therapie den Verlauf der Krankheit positiv zu beeinflussen und ihren Fortschritt zu verlangsamen. Mit vorbeugenden Maßnahmen sollte schon in jungen Jahren begonnen werden, um möglichst frühzeitig viel Knochenmasse aufzubauen. Wichtige Pfeiler der Prävention von Osteoporose sind körperliche Aktivität und Ernährung: Die Ernährung sollte reich an Kalzium, dem Hauptbaustein der Knochen, sein. Vitamin D wiederum fördert die Kalziumeinlagerung in den Knochen fördert.

Ideal ist eine tägliche Zufuhr von ungefähr 1.000 bis höchstens 1.500 Milligramm - am besten in Form von kalziumreichen Lebensmitteln wie Milch, Käse, Grünkohl, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte sowie kalziumreichem Mineralwasser. Wichtig: Um Kalzium aus der Nahrung aufnehmen und in die Knochen einbauen zu können, benötigt der Körper Vitamin D. Meiden Sie möglichst Risikofaktoren wie Rauchen und Alkohol. Wenn Sie diesen Empfehlungen nachkommen, sieht die Prognose ganz gut aus, dass Sie lange von Osteoporose verschont bleiben.

Dr. med. Munther Sabarini

Autor
Dr. med. Munther Sabarini
Facharzt für Neurochirurgie

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Der Artikel wurde zuletzt am 24.03.2022 geprüft und aktualisiert.

Über den Autor

Dr. med. Munther Sabarini ist Direktor und Gründer der Avicenna Klinik. Der Facharzt der Neurochirurgie hat sich insbesondere auf die Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen spezialisiert. Dr. Munther Sabarini hat mehr als 30 Jahre Berufserfahrung. In dieser Zeit behandelte er über 30.000 Patienten.

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