Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Ein Bandscheibenvorfall (Prolaps/Discusprolaps) ist ein Durchbruch eines Teiles des Gallertkerns der Bandscheibe durch ihren Faserring. In der Wirbelsäule sitzen 23 Bandscheiben wie kleine Stoßdämpfer zwischen den einzelnen Wirbeln und übernehmen eine Pufferfunktion, indem sie Erschütterungen abfangen. Sie bestehen aus einem weichen, gallertigen Kern und einem festen äußeren Faserring, der mit seinen Lamellen für die nötige Stabilität sorgt.

Bei dauerhafter falscher oder zu starker Belastung und altersbedingtem Verschleiß kommt es zur Minderung der Elastizität und zu kleinen Einrissen im äußeren Faserring.

Dadurch kann ein Teil des Gallertkerns aus dem Ring austreten und in den Wirbelkanal gelangen. Im Unterschied zur Vorwölbung (Protrusion) drückt der vorgefallene Teil des Gallertkerns direkt auf die Nervenwurzel. Kleinere Bandscheibenvorfälle bezeichnet man als Prolaps und größere bzw. ausgedehnte - als Sequester.  

Grundsätzlich kann ein Bandscheibenvorfall in jedem Bereich der Wirbelsäule auftreten. Die meisten Schäden betreffen jedoch die Lendenwirbelsäule - medizinisch auch lumbaler Bandscheibenvorfall oder Bandscheibenvorfall (LWS) genannt. Weniger häufig fallen Schäden in der Halswirbelsäule (HWS) an, noch seltener in der Brustwirbelsäule (BWS).

Häufigkeit des Bandscheibenvorfalls

In Deutschland haben statistisch gesehen rund 80 Prozent der Menschen gelegentlich und etwa 40 Prozent regelmäßig wiederkehrende Rückenschmerzen. Allein 800.000 Mal jährlich wird die Diagnose Bandscheibenvorfall gestellt, meist bei Patienten im mittleren Alter zwischen 45 und 55 Jahren. Frauen erleiden häufiger einen Bandscheibenvorfall als Männer.

Wie entsteht ein Bandscheibenvorfall? Die häufigsten Ursachen

Wie entsteht ein Bandscheibenvorfall? Es gibt mehrere Faktoren, die als Ursache(n) für einen Bandscheibenvorfall in Frage kommen. Als erstes muss man sagen: Hinter einem Bandscheibenvorfall steckt meist ein jahrelanger, altersbedingter Verschleiß der Bandscheibe. Es ist kein Geheimnis, dass mit zunehmendem Lebensalter auch die Bandscheibe altert. Das tut ihr nicht unbedingt gut - sie ist dann weniger elastisch und kann Wasser schlechter speichern. Das Risiko, dass der Faserring der Bandscheibe reißt - also ein Bandscheibenvorfall auftritt - steigt.

Verstärkt wird dieses Risiko dann durch zusätzliche Belastungen, die der Bandscheibe gar nicht gefallen. Übergewicht ist das eine. Mangelnde Bewegung das andere. Haltungsfehler wirken sich negativ aus, und besonderes Gift für Ihren Rücken ist schweres Heben. Ein möglicher Vorfall nach so einer Überbelastungs-Aktion sieht dann zwar aus wie ein akutes Ereignis - in Wahrheit ist der Vorfall meist die Folge eines schleichenden Prozesses. Auch Gene spielen als Ursache eine Rolle, können dann überwiegend bei Jüngeren einen Bandscheibenvorfall begünstigen. Ursächlich kann auch eine angeborene Bindegewebsschwäche sein.

Die Symptome - wie äußert sich ein Bandscheibenvorfall?

Kommt es durch den Vorfall zu einer starken Reizung der Nervenwurzeln, treten verschiedene Symptome - je nach Lage des Bandscheibenvorfalls - auf.  Manchmal kündigt sich ein Bandscheibenvorfall an. Das heißt: Wer länger als eine Woche starke Schmerzen im Kreuz hat, die möglicherweise noch in Bein und Arm ausstrahlen, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Holen Sie im Zweifelsfall lieber zu früh als zu spät medizinischen Rat!

Die drei Arten von Bandscheibenvorfällen - der Vorfall in der Lendenwirbelsäule, der Vorfall in der Halswirbelsäule und der Vorfall in der Brustwirbelsäule.

  • Symptome gehen häufiger von der Lendenwirbelsäule (LWS) aus, weil das Körpergewicht hier einen besonders starken Druck auf die Wirbel und die Bandscheiben ausübt. Bei einem Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (LWS) kommt es meist zu stechenden Schmerzen im unteren Rücken mit Ausstrahlung ins Bein bis in den Fuß und / oder Taubheitsgefühle bzw. Empfindungsstörungen, wie Ameisenlaufen und Kribbeln. Jegliche Bewegung verschlimmert die Schmerzen, weshalb der Patient eine Schonhaltung einnimmt. Auch Niesen und Husten verstärken den Kreuzschmerz. Die Muskulatur, die die Wirbelsäule stützt, verhärtet sich reflexartig und fühlt sich steif an. Bei einem den Wirbelkanal großflächig ausfüllenden Bandscheibenvorfall kann es zusätzlich zu Schmerzen, Taubheit und Lähmungen in den Beinen und auch zu schweren Störungen der Blasen- und Mastdarmfunktion kommen. Hierbei tritt ein Taubheitsgefühl im Anal- und Genitalbereich, sowie auf der Innenseite der Oberschenkel auf. Bei Lähmungserscheinungen und / oder Blasenentleerungsstörungen muss sofort eine Abklärung und Akutbehandlung durchgeführt werden!

  • Der Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule (HWS) geht häufig mit Nackenschmerz einher, der in die Schulterblätter sowie in die Arme ausstrahlt. Zusätzlich kann ein Taubheitsgefühl in Armen und Fingern beginnen. Auch Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Schwindel, Tinnitus, Gleichgewichtsstörungen oder Sehstörungen kommen gelegentlich vor. Eine Muskelschwäche in den Armen weist wiederum auf einen stärkeren Bandscheibenvorfall hin.

  • An der Brustwirbelsäule ist ein Bandscheibenvorfall selten. Die Diagnose lautet hier ‚thorakaler Bandscheibenvorfall‘ (oder kurz: Bandscheibenvorfall BWS). Symptome können Rückenschmerzen sein, die meist seitlich ausstrahlen. Nicht selten muss bei solcher Schmerzausstrahlung eine akute Herzattacke ausgeschlossen werden.

  • Alle Arten von Bandscheibenvorfällen gehen mit Verspannungen, Kraftminderung, Bewegungseinschränkungen und Schlafstörungen einher.

Die Diagnose - wie kann man einen Bandscheibenvorfall nachweisen?

Die Diagnose beginnt schon beim Arzt-Patient-Gespräch (Anamnese). Patienten schildern im Detail ihre Beschwerden: Welche Beschwerden haben Sie? Wohin genau strahlen sie aus - ins Bein oder in den Arm? Seit wann bestehen die Beschwerden? Was hat die Beschwerden ausgelöst? Verstärken sich die Schmerzen, wenn Sie beispielsweise husten, niesen oder sich bewegen? Können Sie nachts schlafen? Haben Sie Probleme beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang? Knicken Sie um? Stolpern Sie manchmal? Fallen Gegenstände aus der Hand? Haben Sie Kribbeln oder Taubheitsgefühl? Hat sich die Konzentration, Blasenfunktion, Sehvermögen geändert? Welche Therapien wurden angewandt?

Nach dem Gespräch wird eine eingehende neurologische Untersuchung notwendig sein. Dazu überprüft der Arzt die Reflexe, die Sensibilität, die Beweglichkeit und eventuell die Nervenleitgeschwindigkeit. Je nachdem, ob und wohin die Schmerzen ausstrahlen, kann der Arzt Rückschlüsse daraus ziehen, auf welcher Höhe der Wirbelsäule ein Bandscheibenvorfall vorliegt.

Berufliche und psychosoziale Umstände werden bei der Anamnese ebenfalls in Betracht gezogen. Eine Kernspintomographie (MRT) zeigt die konkreten Veränderungen: Bandscheibenvorfall, seine Größe und genaue Lokalisation, das Vorhandensein von Arthrose, Verschleiß, Instabilität und Veränderungen in den Neuralstrukturen (Myelopathie) und weitere wichtige Information.

Welche Behandlung ist geeignet?

Die Entscheidung zu treffen, welche Therapie empfohlen wird, ist eine große Verantwortung und muss auf Grund folgender Faktoren getroffen werden:

  1. Beschwerden: Schmerzen, Missempfindungen, Kraftminderung, Blasenentleerungsstörungen
  2. Erfolg der bisherigen Therapien und Dauer des Erfolges, Nebenwirkungen der verabreichten Medikamente
  3. Allgemeinzustand des Patienten: schwere Herzerkrankung, Blutverdünnungsmittel?

  4. Neurologischer Befund: Liegen Sensibilitätsstörungen, Reflexabweichungen, motorische Ausfälle oder Atrophien vor?

  5. Ergebnisse der MRT: kleiner oder großer Vorfall, begleitet von Enge, Instabilität,

  6. Psychosoziale Faktoren, Beruf, Karriere, Versorgung

Auf Grund dieser Faktoren werden die Vorteile und Nachteile verschiedener Therapieoptionen genau erläutert und dann eine klare Empfehlung ausgesprochen, welches Therapiekonzept in Frage kommt, dass nicht nur die Symptome lindern sollte, sondern auch die Ursache beseitigt, um dauerhafte Linderung der Schmerzen zu erzielen, und um weitere permanente irreversible Nervenschäden zu verhindern.

Verschiedene Ansätze der Behandlung von Bandscheibenvorfällen

  • Konservative Therapien: Medikamentöse Therapie, Injektionen, Computertomographie (CT)- gesteuerte Spritzen, Infusionen, Krankengymnastik, Manuelle Therapie, Osteopathie, Elektrotherapie und weitere.

  • Minimal-invasive Prozeduren wie zum Beispiel perkutane Laser-Diskus-Dekompression (PLDD) bei kleineren Vorfällen oder perkutane Nukleotomie (PN).

  • Mikrochirurgie bei mittleren, bis großen Bandscheibenvorfällen und bei begleitender Enge (Stenose).

  • Gegen mögliche Verwachsungen (Adhäsionen) wird ein Anti-Narben-Gel angewandt.

  • Gegen ein Bandscheibenvorfall-Rezidiv wird der Riss des Faserrings mit einer Spezialnahttechnik verschlossen.

  • Mithilfe des Verfahrens der Bandscheiben-Zell-Transplantation kann jetzt erstmals das Volumen der Bandscheiben erhalten und die Elastizität wiederhergestellt werden - durch eine biologische Erneuerung des Bandscheibengewebes.

  • Vor allem in der Halswirbelsäule kann die Bandscheibe mit einer Bandscheibenprothese oder mit Cage ersetzt werden.

Welche von all diesen und anderen Methoden in Ihrem Fall in Frage kommt, wird beim Gespräch mit dem Arzt individuell mit Ihnen besprochen.

Prognose möglich?

Kann ich einem Bandscheibenvorfall vorbeugen, kann ich ihn verhindern? Und - wenn es mich doch erwischt hat, wie lebe ich damit bzw. danach? Also, es gibt keine Garantien dafür, wie Sie den Bandscheibenvorfall verhindern, aber es gibt sinnvolle Maßnahmen, um den Rücken zu stärken und somit das Risiko für einen Bandscheibenvorfall zu verringern. Mit anderen Worten: Leben Sie klugerweise einen rückengerechten Alltag. Eine starke Rückenmuskulatur und das Vermeiden starker Belastungen der Wirbelsäule sind die wichtigsten Faktoren, um einem Bandscheibenvorfall vorzubeugen. Hier ein paar Tipps zur Prävention eines Bandscheibenvorfalls:

  • Achten Sie auf Ihr Körpergewicht - Übergewicht belastet den Rücken und die Bandscheiben zusätzlich.

  • Heben Sie schwere Gegenstände grundsätzlich nur aus hockender Position mit durchgestrecktem Rücken.

  • Bewegen Sie sich. Mit Gymnastik und Sport wird die Rückenmuskulatur gestärkt und die Wirbelsäule entlastet. Schwimmen gehört beispielsweise zu den rückenfreundlichen Sportarten, und - falls Sie gern Rad fahren - erhöhen Sie den Lenker.

  • Achten Sie auf Ihre Matratze. Achten Sie darauf, dass Sie nachts nicht in einer ungünstigen Haltung verharren. Grundsätzlich gilt: Nach sieben Jahren ist eine Matratze durch…

  • Falls Sie einen Job haben, in dem Sie viel sitzen müssen, sollten Sie zweierlei tun. Achten Sie darauf, dass Sie auf einem ergonomischen Stuhl mit höhenverstellbaren Sitzflächen sitzen … und sitzen Sie bitte nicht stundenlang. Stehen Sie immer mal auf, gehen ein paar Schritte, strecken Sie sich. Lassen Sie die Kollegen ruhig lachen…Sie tun Ihren Bandscheiben damit einen großen Gefallen.

Wie sollten Sie sich nach einem Bandscheibenvorfall verhalten?

Früher galt, dass Bandscheiben-Geplagte sich nicht bewegen sollten und im Bett bleiben müssen. Das gilt heute nur noch in seltenen Fällen.

Deshalb beginnt der Patient heute sofort mit einer Physiotherapie. Krankendynastische Übungen entlasten die Wirbelsäule, Massagen, Aqua-Gymnastik und rückenschonende Sportarten sind hilfreich. Tabu sind natürlich Bewegungen, die den Rücken und die Bandscheiben belasten; also keine schweren Lasten heben oder tragen, nicht in gebückter Haltung putzen oder Sand schippen.

Dr. med. Munther Sabarini

Autor
Dr. med. Munther Sabarini
Facharzt für Neurochirurgie

Hans-Heinrich Reichelt

Co-Autor
Hans-Heinrich Reichelt
Chefredakteur Medizin für Menschen

Avicenna Klinik Berlin hilft Ihnen gern weiter

Seit dem Jahr 2000 hat die Avicenna Klinik ihren Sitz in Berlin. Unsere Ärzte haben auf ihrem jeweiligen Gebiet (Neurochirurgie, Wirbelsäulenchirurgie, Anästhesie, Orthopädie) jeder mindestens 25 Jahre internationale Erfahrung.

Falls Sie sich mit starken Rückenschmerzen, einem Bandscheibenvorfall oder dem Verdacht auf einen solchen in unserer Klinik vorstellen möchten, nutzen Sie folgenden Kontakt:

Avicenna Klinik
Paulsborner Str. 2
10709 Berlin

Telefon: +49 30 236 08 30
Fax: +49 30 236 08 33 11
E-Mail: info@avicenna-klinik.de

Sie können jederzeit anrufen, eine E-Mail schreiben oder ein Rückrufformular ausfüllen. Jeder Patient bekommt dann einen Termin bei einem Arzt unserer Klinik, der in jedem Fall ein Wirbelsäulenspezialist (Neurochirurg) ist. Anhand von MRT-Bildern (mitgebrachte oder bei uns im Haus erstellte) und einer eingehenden Untersuchung, wird der Arzt mit Ihnen alle verschiedenen Möglichkeiten einer Therapie oder Operation durchsprechen. Sie können unsere Fachärzte auch nur zum Einholen einer (Zweit-)Meinung in Anspruch nehmen.

Wenn Sie sich entscheiden sollten, Ihre Therapie und/oder Operation bei uns in Berlin durchführen zu lassen, wollen wir Ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten. In unserer Klinik stehen Sie als Mensch im Mittelpunkt. Dabei erwartet Sie eine hochmoderne Ausstattung in allen Bereichen – vom Operationssaal bis zum Patientenzimmer.

Neueste, schonende, minimalinvasive Behandlungsverfahren sind der Schwerpunkt unserer Klinik. Gemeinsam versuchen wir, eine geeignete Behandlung Ihrer Beschwerden zu finden. Erst nach ausführlichem Patientengespräch, Untersuchung und Diagnostik erfolgt die eigentliche Therapie. Jeder Patient erhält dadurch eine individuell abgestimmte Behandlung.

Ebenso wichtig wie eine optimale medizinische Betreuung, ist für uns die individuelle menschliche Fürsorge. Während Ihres stationären Aufenthalts steht Ihnen daher unser Pflegepersonal rund um die Uhr zur Verfügung. Außerdem kommunizieren unsere Mitarbeiter in mehreren Sprachen wie Englisch, Arabisch, Bulgarisch, Russisch, Polnisch, Türkisch, und Französisch. Wir kümmern uns um Ihre Sicherheit, respektieren Ihre Wünsche, Traditionen und Ihre Religion.

Unser Team setzt sich aus einem Pool hochqualifizierter Spezialisten zusammen. Sie arbeiten gemeinsam daran, dass Sie schnell wieder gesund werden.