Was ist eine Denervation/Denervierung?
Seit mehr als 200 Jahren ist die Wirkung von Hitze oder Kälte auf gereizte Nerven in der medizinischen Literatur bekannt. Als Denervierung, auch Entnervung, Enervation oder Denervation genannt, bezeichnen wir die vollständige oder partielle Unterbrechung der Weiterleitung von Schmerzimpulsen der Nervenendungen. Das moderne und minimal-invasive Verfahren ist sowohl mit Hitze (Thermo-Denervation bei etwa 80 Grad Hitze) als auch mit Kälte (Kryo-Denervation bei etwa minus 60 Grad Celsius) möglich. Diese Methode der Denervierung beziehungsweise Denervation dient dabei einzig der Schmerztherapie. Die tatsächliche Ursache für die Schmerzen, wie beispielsweise eine Wirbelgelenkarthrose oder eine Wirbelsäulendeformität, beseitigt die Denervation nicht, aber lindert die Schmerzen deutlich.

Behandlungsdetails zur Denervation
Behandlungsdauer: 60 Minuten
Klinikaufenthalt: 4-5 Tage
Minimal-invasive Denervierung als effektive Therapieform
Rückenschmerzen werden in der Mehrheit der Fälle durch Arthrose der Wirbelgelenke verursacht. Eine Wirbelgelenkarthrose entsteht durch Verschleiß und Abnutzung des Knorpelgewebes im Gelenk und in der Gelenkkapsel um das Gelenk. Es entstehen Gewebsverhärtung und Verkalkungen, die auf kleinste Nerven und Nervenbahnen drücken. Über sogenannte Nervenäste wird der Schmerz an die großen Nerven im Rückenmark und von dort an das Gehirn weitergeleitet.
Um die Schmerzkette zu durchbrechen, können per Denervierung (auch Neurotomie, Neurolyse oder Verödung genannt) die kleinen Nervenfasern verödet, also stillgelegt, werden. Die minimal-invasive Denervierung ist eine effektive Therapieform. Sie ist für Patientinnen und Patienten risikoarm und wenig belastend. Bei der Denervation werden weder Muskeln noch Knochen oder Bänder geschädigt und die Funktion sowie die Beweglichkeit der Gelenke bleiben komplett erhalten. Weil wir dabei zudem außerhalb des Wirbelkanals arbeiten, ist das OP-Risiko äußerst gering.
Wann ist eine minimal-invasive Denervierung empfohlen?
Die Denervierung – das gezielte Stilllegen von gereizten Nerven durch Kälte oder Hitze – empfehlen wir in der Avicenna Klinik insbesondere dann, wenn konservative Therapien zur Linderung der Rückenschmerzen nicht den gewünschten Erfolg bringen. Außerdem raten wir bei der folgenden Symptomatik zur Denervation:
- Rückenschmerzen aufgrund von Wirbelgelenksarthrose (Facettenarthrose) in der Lenden-, Brust- oder Halswirbelsäule: Die Facettengelenke befinden sich zwischen den Wirbelkörpern im kompletten Bereich der Wirbelsäule; die Facettengelenke sind kleine Gelenke
- Schmerzen im Bereich des Ilio-Sakral-Gelenks (ISG-Syndrom): die sogenannten Iliosakralgelenke verbinden das Steißbein mit dem Beckenknochen und gelten im Unterschied zu den Facettengelenken als große Gelenke
- weitere Indikationen können Rückenschmerzen nach Bandscheibenoperationen (Postnukleotomiesyndrom), Gelenkfehlstellungen der Wirbelsäule, Fehlbelastung der kleinen Wirbelgelenke, pseudoradikuläre Beschwerden (lokale, leicht ausstrahlende Schmerzen) sein
- Schmerzen durch Morbus Bechterew (medizinischer Name Spondylitis, was so viel bedeutet wie ‚versteifende Wirbelsäulenerkrankung‘): MB, eine besondere Form entzündlichen Rheumas, ist nicht heilbar
Darüber hinaus empfehlen wir die Denervation in unserer Klinik in Berlin auch, wenn der allgemeine, schlechte Gesundheitszustand von Betroffenen einen anderen Eingriff nicht erlaubt, aber eine Schmerzlinderung oder Schmerzausschaltung notwendig ist.
Liegt eine andere eindeutige Ursache, wie zum Beispiel ein eindeutiger Bandscheibenvorfall, eine gravierende Spinalkanalstenose, eine Zyste oder ein Bruch vor, dann behandeln wir zunächst diese Ursache.
Operationsverlauf: die Denervierung unter CT oder Röntgenkontrolle
Vor der Allgemeinanästhesie wird die Punktionsstellen markiert, die Haut desinfiziert und steril abgedeckt. Während Sie bäuchlings auf dem Operationstisch gelagert sind (bei Denervation an der Rückseite), führen wir unter Röntgen- oder CT-Kontrolle eine zwei Millimeter dünne Kanüle vorsichtig an den betroffenen Nerv heran. Dann führen wir Laserglasfasern in die Kanüle ein und erzeugen eine lokale Hitze von etwa 80 Grad. Dadurch werden diese Nerven ausgeschaltet beziehungsweise verödet. Durch diese Verödung sind die Nervenfasern nicht mehr in der Lage, den Schmerz weiterzuleiten, sie werden dabei aber nicht durchtrennt. Die Denervierung im Bereich der LWS, HWS oder BWS dauert etwa eine Stunde.
Die Denervation an den Facettengelenken kann auch mit Kälte erzielt werden. In der Regel erfolgt dieser Eingriff stationär, und der anschließenden Klinikaufenthalt beträgt ungefähr 4 Tage. Vor dem Eingriff können zusätzlich Test-Infiltrationen durchgeführt werden. Diese allein sind jedoch nicht hundertprozentig aussagekräftig. Die Denervation kann unterschiedlich durchgeführt werden.
Direkt nach der Denervierung
Nach dem Eingriff bleiben Sie ein bis zwei Stunden im Aufwachraum. Dort werden Sie von unserem Team betreut, inklusive der Kontrolle von Herz- und Lungenfunktion sowie des Blutdrucks. Danach werden Sie auf Station gebracht, wo Sie den ganzen Tag liegen bleiben. Sie erhalten im Anschluss eine Physiotherapie und Schmerztherapie.
Die Tage nach der Operation
In den direkten Tagen nach dem Eingriff werden Sie nach einem ganz speziellen Schema mobilisiert. Sie erhalten Schmerztherapie und Physiotherapie. Das Beugen und Verdrehen des behandelten Bereichs sollten sie in dieser Zeit vermeiden. Schon am ersten Tag nach dem Eingriff spüren Sie Linderung. Die eingriffsbedingten Schmerzen behandeln wir mit Schmerztherapie und Kühlpacks. In der Regel empfinden Sie nach einer Woche, spätestens nach zwei Wochen, eine deutliche Schmerzlinderung und fühlen sich dadurch insgesamt entspannter. Das führt wiederum zu mehr Beweglichkeit. In dieser Phase können Sie auch mit einer gezielten Physiotherapie beginnen.
Krankschreibung und Heilung nach einer Denervation
Nach der Denervierung sollten Sie etwa 1 Woche weder schwer tragen noch heben.. Nach zwei Wochen dürfen Sie sich bereits wieder ans Lenkrad Ihres Autos setzen und weitere drei bis vier Wochen später Sport treiben. Aus medizinischer Sicht gelten Sie bis einen Monat nach der Denervation als arbeitsunfähig. Falls ähnliche Schmerzen wie vor der Denervierung erneut auftreten, können wir den Eingriff wiederholen und die Nerven erneut ausschalten.
Denervation – welche Vor- und Nachteile hat der Eingriff?
Es gibt in der Medizin keinen Eingriff, der ausschließlich Vorteile hat. Allerdings zeigt eine Denervierung im Bereich der LWS oder anderen Teilen der Wirbelsäule erstaunliche Vorteile und kaum Nachteile. Der Eingriff gilt als risikoarm und kann eine deutliche Schmerzbesserung oder gar Schmerzfreiheit bedeuten. Die Erfolgschancen liegen bei 75 bis 80 Prozent. Mit diesen deutlich reduzierten Schmerzen können Betroffene ihre physiotherapeutischen Maßnahmen und Bewegungstherapien wahrnehmen, die sich ihrerseits positiv auswirken. Während die kleinen Nerven nach einigen Jahren anfangen, sich wieder zu regenerieren, schafft es die Muskulatur bis dahin in der Regel, die Last der Wirbel zu übernehmen. Oft ist deswegen keine erneute Denervation nötig. Darüber hinaus ist der Eingriff minimal-invasiv: Es gibt also keine Destruktion (Beschädigung oder Zerstörung) von Knochen, Sehnen oder Muskeln, und Komplikationen sind sehr selten.
Trotzdem hat die Denervation einen deutlichen Nachteil: ihre zeitlich begrenzte Wirkung. Im Allgemeinen hält der schmerzhemmende Effekt, also die Schmerzausschaltung, rund zwei Jahre lang an. In dieser Zeit macht sie weitere Medikamenteneinnahme unnötig. Aber warum lässt der schmerzhemmende Effekt nach zwei Jahren nach? Das liegt in der Natur des Körpers, der die Fähigkeit besitzt, zerstörte Nerven wieder neu zu bilden. Eine erneute Denervation nach zwei Jahren ist gut möglich und stellt keine Belastung für den Körper dar.
Erfahrungen unserer Patient:innen mit Denervierung
Patient:innen können letztendlich am besten beurteilen, ob eine Therapie erfolgreich war und ihnen geholfen hat. Für die Denervierung wollten wir die Erfolge genau belegen können und haben daher eine Patientenumfrage durchgeführt, um die Erfahrungen genau erfassen zu können. Die genauen Ergebnisse der Denervationsumfrage können Sie hier einsehen.
Zusammenfassung der Erfahrungen und Auskünfte
- Bei 26 Prozent unserer Patient:innen kam es zu einer Beseitigung der Schmerzen, bei 39,8 Prozent zu einer deutlichen Besserung. 11,4 Prozent berichteten von einer minimalen Besserung, während 21,6 Prozent keine Linderung verspürten.
- Bei keinem der 88 befragten Betroffenen kam es zu Komplikationen im Rahmen der Denervierung.
- Nach der Denervation konnten 41 Prozent der behandelten Personen auf Schmerzmittel verzichten, 31,8 Prozent nahmen anschließend weniger Schmerzmittel und 20,4 Prozent nahmen nach der Therapie genauso viele Medikamente ein wie zuvor auch.
- 75 Prozent der Patient:innen würden die Thermo-Denervation weiterempfehlen, während 20,5 Prozent keine Empfehlung aussprechen können.
Die Umfrage zu den Erfahrungen mit der Denervation zeigt, dass der Erfolg stark von der jeweiligen Erkrankung und dem Schweregrad abhängig ist. Die hohe Weiterempfehlungsrate ist jedoch ein starkes Zeichen für die Vorteile dieser Wirbelsäulentherapie.
Sind Denervierung und Facetteninfiltration das gleiche?
Denervierung und Facetteninfiltration sind nicht die gleichen Behandlungsformen. In der Wirbelsäule haben die kleinen Gelenke zwischen den Wirbeln, die sogenannten Facettengelenke, eine besondere Bedeutung. Wenn sie Beschwerden machen und die Auslöser für Rückenbeschwerden sind, oft durch die Arthrose der Facetten, wenn sie gereizt sind und wenn sich dadurch eine schmerzhafte Entzündung entwickelt hat, kommt oftmals die Facetteninfiltration in Frage. Eine Facettengelenk-Infiltration ist eine Therapie, die die Entzündung und Schwellung von Nerven und umliegendem Gewebe behandelt. Die Infiltration geht einher mit deutlicher Schmerzlinderung oder Schmerzausschaltung.
Im Unterschied zur Denervierung, wird bei Facetteninfiltrationen unter einer Durchleuchtungskontrolle eine geringe Menge Betäubungsmittel und der Entzündungshemmer Kortison direkt an die kleinen Wirbelgelenke gespritzt. Das Verfahren kann in einem relativ kurzen Zeitraum bis zu dreimal in einem Gelenk wiederholt werden. Bei der Denervation werden die gereizten Nervenendungen mittels Hitze stillgelegt (verödet). Die Schmerzen sind dadurch länger verschwunden.
Was ist eine Denervierung?
Als Denervierung bezeichnet man die vollständige oder partielle Unterbrechung der Weiterleitung von Schmerzimpulsen. Mithilfe von 80 Grad heißen Laserglasfasern werden dabei gezielt Nerven ausgeschaltet beziehungsweise verödet.
Wie länge halt eine Denervierung?
Die Schmerzlinderung bei einer Denervation hält zwei bis drei Jahre an. Nach diesem Zeitraum kann eine erneute Denervation durchgeführt werden, ohne den Körper zu belasten.
Wann wird eine Denervierung empfohlen?
Eine Denervierung kommt zur Anwendung, wenn konservative Therapien keine Linderung der Rückenschmerzen mehr versprechen. Oftmals wird sie bei Wirbelgelenkarthrose, ISG-Schmerzen, Steißbeinschmerzen oder dem Postnukleotomie-Syndrom angewandt.
Informationen zum Artikel
Der Artikel wurde zuletzt am 28.01.2026 geprüft und aktualisiert.
Über den Autor
Dr. med. Munther Sabarini ist Direktor und Gründer der Avicenna Klinik. Der Facharzt der Neurochirurgie hat sich insbesondere auf die Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen spezialisiert. In mehr als 30 Jahren Berufserfahrung hat er mehr als 30.000 Patientinnen und Patienten behandelt.
Qualitätsrichtlinien für Inhalte der Avicenna Klinik
Alle Texte und Inhalte werden von medizinisch ausgebildeten, erfahrenen Experten auf diesem Fachgebiet verfasst. Erfahren Sie mehr über unsere Qualitätsrichtlinien für Inhalte.
Denervation? Avicenna Klinik!
Seit dem Jahr 2001 hat die Avicenna Klinik ihren Sitz in Berlin. Unsere Ärzte haben auf ihrem jeweiligen Gebiet (Neurochirurgie, Wirbelsäulenchirurgie, Anästhesie, Orthopädie) jeweils mindestens 25 Jahre internationale Erfahrung.
Falls Sie sich mit Rückenbeschwerden in unserer Klinik vorstellen möchten, nutzen Sie dafür bitte den folgenden Kontakt:
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