Was ist das Iliosakralgelenk (ISG)?

Das sogenannte Iliosakralgelenk, kurz ISG, ist den meisten Menschen wohl erst dann ein Begriff, wenn Schmerzen im unteren Rücken entstehen. Das handtellergroße Iliosakralgelenk verbindet im Becken den unteren Wirbelsäulenabschnitt mit den beiden Beckenschaufeln. Die Lage ist namensgebend - das Gelenk liegt zwischen Darmbein = (Ilium) und Kreuzbein = (Sakrum) und wird deshalb oftmals als Darm-Kreuzbein-Gelenk bezeichnet. Das Iliosakralgelenk ist nicht nur das unbekannteste Gelenk unseres Körpers, sondern auch das am wenigsten bewegliche. Im Gegensatz zu ‚typischen‘ Gelenken wie dem Kniegelenk, dem Ellbogen oder auch der Schulter hat das ISG vergleichsweise wenig Bewegungsspielraum. Es ist ein straffes Gelenk mit einer engen Gelenkhöhle. Die beiden aneinanderstoßenden Gelenkflächen werden jeweils mit Bändern aus Faserknorpel verbunden. Beim Joggen oder bei Sportarten wie Fuß- und Handball, die laufintensiv sind, wirken durch das Auftreten enorme Kräfte. Dabei fungiert das ISG als eine Art Stoßdämpfer, indem es die eintreffenden Kräfte abfedert und an die Wirbelsäule weiterleitet. Bereits kleinste Verschiebungen in diesem sensiblen Konstrukt namens Iliosakralgelenk lösen unter Umständen starke Rückenschmerzen aus: Diagnose ISG-Blockade. Bei der Geburt eines Babys hat das ISG der Mutter eine ganz spezielle Bedeutung. Durch eine Nutationsbewegung (geringe Bewegung des Kreuzbeins gegenüber dem Darmbein) und die damit verbundene Dehnung der Schambeinfuge vergrößert sich nämlich die Weite des Beckenringes. Dies ist wichtig für den Durchtritt des Kopfes des Kindes bei der Geburt.

Sehr oft gehen die Schmerzen vom Iliosakralgelenk (ISG) aus

Fast jeder Mensch (90 Prozent) leidet mindestens einmal in seinem Leben an dem plagenden Phänomen Rückenschmerzen. Etwa jeder dritte Deutsche ist mehr oder weniger regelmäßig von Rückenschmerzen betroffen. Dabei sind die Schmerzen im unteren Rücken besonders häufig. In vielen Fällen gehen die Schmerzen vom Iliosakralgelenk (ISG) aus. Rund 60 bis 80 Prozent der Bevölkerung erleben einmal im Leben eine ISG-Blockade mit lokalen Muskelverspannungen in der angrenzenden Lendenwirbelsäule (LWS) und im Gesäß. Eine Blockierung des ISG kann in jedem Alter vorkommen und betrifft Männer und Frauen gleichermaßen.

Das ISG-Gelenk kann auch von Arthrose betroffen sein

Da die Bänder sehr straff und die Gelenkflächen wenig belastbar sind, kommt es bei Überbelastungen (z.B. im Sport), bei Zug- oder Druckbelastungen auf den Bandapparat des Gelenks (z.B. schweres Heben oder Übergewicht), durch falsche Sitzhaltung und andere Faktoren zu Reizungen, Verschleiß oder zu einer akuten bzw. chronischen Entzündung dieser Gelenkflächen. Wir sprechen dann von einem Iliosakralgelenk-Syndrom. Bei ruckartigen Bewegungen, Stürzen (dazu gehört auch der plötzliche Tritt ins Leere) oder Verdrehungen des Beckens können Verrenkungen und Brüche des Kreuz-Darmbein-Gelenks auftreten. Außerdem sind die Iliosakralgelenke sehr häufig auch beim Morbus-Bechterew betroffen. Das ISG-Gelenk kann auch von Arthrose betroffen sein. Ebenso kann es im Gelenk zu einer sogenannten ISG-Blockade kommen. Dann klemmt es sprichwörtlich im Gelenk.

Veränderungen bzw. Erkrankungen der Wirbelsäule selbst können die Last auf das ISG erhöhen und dabei Schmerzen verursachen, wie Wirbelgleiten, Instabilität, Bandscheibenvorfall, Arthrose, besonders nach Operationen an der Wirbelsäule. Aber auch Knochenbrüche, Tumore oder Infektionen können Ursache sein.

Symptome sind nicht nur Rückenschmerzen

Leitsymptom der ISG-Blockade ist der Rückenschmerz, der häufig als tieflumbal beschrieben wird. Aktuelle Studien beziehen rund 25 Prozent aller chronischen Rückenschmerzen auf das ISG. Chronische ISG-Schmerzen werden von den Patienten meist als Schmerzen im seitlichen Becken und/oder der Leistengegend lokalisiert. Einige berichten auch von Schmerzen im Unterbauch, die durch eine Verspannung des Lenden-Darmbeinmuskels entstehen. Oftmals kommt es zu einer Schmerzausstrahlung in den Gesäßbereich, in die Leiste und in den Lendenwirbelsäulenbereich. Auch eine Kombination mit Missempfindung wie Kribbeln und Ameisenlaufen wird beobachtet. Selbst Knieschmerzen können ein Symptom für eine ISG-Blockade sein. Die durch Erkrankungen des Iliosakralgelenks ausgelösten Rückenschmerzen nehmen im Tagesverlauf an Intensität zu. Besonders schmerzhaft sind das Aufrichten, das Umdrehen, das Heben von schweren Gegenständen und längeres Stehen.

Diagnose Iliosakralgelenk-Syndrom

Gerade weil ein Iliosakralgelenk-Syndrom keine eindeutig typischen Beschwerden verursacht, wird die Diagnose oft erst spät gestellt, und Betroffene bleiben lange Zeit nicht oder nicht passend behandelt  - mit anderen Worten: Die Diagnose von ISG-Erkrankungen erfordert viel Fachwissen. Deshalb gehört die Blockade in die Hand eines Wirbelsäulenspezialisten. Die körperliche Untersuchung umfasst Tests auf Klopfschmerzhaftigkeit.

Eine Untersuchungsmethode ist das sogenannte „Mennell-Zeichen“. Der Patient liegt auf dem Bauch, und der Arzt fixiert mit einer Hand das Iliosakralgelenk. Mit der anderen Hand hebt er ein Bein an. Sollten Sie Schmerzen im Gelenk verspüren, ist das Mennell-Zeichen positiv und weist auf ein ISG-Syndrom hin.

Außerdem gibt es noch den „Patrick-Test“ in Rückenlage. Sie führen die rechte Hacke zum linken Knie und lassen das angewinkelte rechte Bein zur rechten Seite fallen. Anschließend wird der Test auf der Gegenseite durchgeführt. Bei Schmerzen oder einer eingeschränkten Beweglichkeit, deutet dies auf eine Beteiligung des Hüft- oder Iliosakralgelenks hin.

Auch bildgebende Verfahren wie CT oder MRT können bei der Diagnose helfen. Sie allein genügen jedoch nicht. Letzten Aufschluss, ob es sich um ein ISG-Syndrom handelt, gibt eine gezielte Gabe von Schmerzmitteln – und zwar direkt in das Iliosakralgelenk. Ist der Schmerz schnell verschwunden, deutet das klar auf die Erkrankung hin.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine Gelenk-Blockade zu lösen

In den meisten Fällen bessern sich Beschwerden im Bereich des ISG rasch von selbst. Deshalb reicht es häufig aus, einige Tage die Belastungen etwas zu senken und Schmerzmittel einzunehmen. Grundsätzlich kann man sagen: Es gibt ausreichend Wege, eine ISG-Blockade zu lösen.  Eine anfängliche physiotherapeutische Behandlung mit speziellen Iliosakralgelenk-Übungen ist ein sinnvoller Therapie-Start. Auch Wärmebehandlung kann helfen, ISG-Beschwerden zu lindern. Speziell ausgebildete Ärzte oder Physiotherapeuten können durch Manuelle Therapie Gelenkblockaden lösen. Dabei werden zwei verschiedene Verfahren angewendet. Bei der Mobilisation wird durch vorsichtiges Dehnen die Beweglichkeit des betroffenen Gelenks verbessert. Bei der Manipulation wird durch kurze Krafteinwirkungen (Impulse) auf das betroffene Gelenk ein neu aufgetretenes ISG-Syndrom behandelt. Die Manipulation darf in Deutschland nur von Ärzten durchgeführt werden.

Bei der sogenannten Infiltrationstherapie spritzt der Arzt betäubende Medikamente (Lokalanästhetika) direkt an den Entstehungsort des Schmerzes. Entweder werden die Lokalanästhetika in den Bandapparat des Iliosakralgelenks oder direkt in den Gelenkspalt injiziert. Neben Lokalanästhetika (Infiltrationen) können auch entzündungshemmende und schmerzlindernde Glukokortikoide, wie zum Beispiel Kortison gespritzt werden. Eine Denervation (Denervierung) unter Bildwandler-Kontrolle macht es möglich, die gereizten Nerven (Äste des Spinalnervs) stillzulegen. Last but not least: Helfen all die Maßnahmen nichts oder zu wenig, gehört eine Versteifung des strapazierten Segments zum modernen Behandlungskonzept.

Prognose - so bauen Sie sich eine gesunde Muskulatur auf

Natürlich fragt man sich als Patient, wenn die Schmerzen dank einer erfolgreichen Behandlung verschwunden sind: Und nun? Kann ich so weiterleben wie bisher? Dazu ist zu sagen: Nach der Therapie sollte sich der Betroffene langfristig ein rückengerechtes Verhalten im Alltag und in der Freizeit zulegen. Nur so wird der medizinisch herbeigeführte Erfolg von Dauer sein. Vor allem Krankengymnastik kommt eine entscheidende Rolle zu.

Denn die richtigen Übungen tragen dazu bei, eine gesunde Muskulatur aufzubauen. Vor allem die Kräftigung der Becken-stabilisierenden Muskulatur ist dabei empfehlenswert. Überhaupt: Betroffene sollten sich regelmäßig bewegen, um die Gelenkschmiere zu aktivieren. Wer lange am Schreibtisch sitzt, sollte beispielsweise auf eine bewegliche Rückenlehne achten, regelmäßig aufstehen und die Wirbelsäule strecken. Ideale Hilfe: Laden Sie sich eine Medizin-App auf Ihren Computer.

Dr. med. Munther Sabarini

Autor
Dr. med.Munther Sabarini
Facharzt für Neurochirurgie

Hans-Heinrich Reichelt

Co-Autor
Hans-Heinrich Reichelt
Chefredakteur Medizin für Menschen

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